Es gibt Wetter, das man gemeinhin als „grau“ bezeichnen würde. Eine dicke Wolkendecke ist zwischen dem Himmel und dem Erdboden, auf dem der Fotograf steht. Vielleicht regnet es oder es droht wenigstens zu regnen. Das Licht ist schwach und es gibt kaum einen klaren Schatten.
Für unsere Augen und für unsere Wahrnehmung kann das langweilig aussehen, weil dieses Licht alles so gleichmäßig ausleuchtet.
Es gibt dann wenig Kontraste und wenig, was uns reizvoll erscheint. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, aber je nach Anlass und Ziel kann das Bild dann einfach fad wirken.
Unterschiedliche Lichtbeschaffenheit
Wenn das Licht nicht diffus, sondern klar und gerichtet scheint, wirkt das Bild häufig dramatischer und reizvoller.

Aber bei einem Bild spielen verschiedene Elemente eine Rolle. Die Beschaffenheit der Luft (dunstig oder neblig und oder trocken oder einfach nass? warm oder kalt?), die Stärke der Sonneneinstrahlung, die Höhe und genaue Position der Sonne.

Man kann nicht pauschal sagen, dass kontrastarmes Licht schlecht und langweilig ist und klare, direkte Lichteinstrahlung per se gut und erstrebenswert ist. Das kommt immer auf das Motiv an, das je nach seiner Beschaffenheit unterschiedlich mit dem Licht interagiert, auf die Beschaffenheit der Luft, auf die Richtung des Lichts usw..
Abhängig vom natürlichen Licht
Draußen, in der Natur können wir das Licht nicht bestimmen, jedenfalls nicht für größer dimensionierte Landschaften oder Flächen. Wir sind abhängig vom Lauf der Sonne, vom Wetter, von der Lage unseres Motivs, das oft eben immobil oder nur von einer Seite aus zugänglich ist.
Wir können aber selber entscheiden, zu welchen Licht-Bedingungen wir Bilder machen wollen und wann eher nicht.

Es gibt kein Rezept, das automatisch immer funktioniert
Man kann sagen, es ist immer wieder wichtig, die Augen aufzumachen und im Einzelnen zu schauen, was für ein Foto gut funktioniert und was nicht. Es gibt kein Patentrezept. Wir müssen immer wieder darüber nachdenken, was spannend ist und was funktioniert.
War vor einigen Minuten das Licht noch fade, kann sich die Situation von einem fliehenden Moment auf den anderen Verändern, wenn die Sonne plötzlich durch die Wolkendecke bricht.

Mittägliches Licht, kurze Schatten
Manchmal liest man, dass man unbedingt das mittägliche Licht zu meiden habe. Weil das Licht von oben komme, könne das mit den Bildern quasi einfach nichts werden. Zum Teil hat diese Aussage durchaus Substanz und es gibt viele Momente, in denen die harten, kurzen Schatten wenig gut funktionieren bei vielen Motiven. Aber in der Fotografie kommt es immer darauf an. Es gibt Konstellationen, da wirkt gerade auch das Licht von oben herab interessant.

Es kann gerade bei Gebäuden oder bei Treppen oder Pflanzen das Licht von oben, je nachdem woher es genau kommt, auch zu eher mittäglichen Zeiten, interessante Effekte erzielen. Am Ende geht es oft um Kontraste. Licht und Schatten sind eine wesentliche Möglichkeiten, Kontraste zu schaffen (wobei um die Mittagszeit die Sonne hier der „Schaffende“ ist) und diese visuellen Eindrücke auch einzufangen.

Atmosphärische Schatten
Wenn man es geschickt anstellt, kann Schatten auch gezielt eingesetzt werden um ein Motiv sozusagen geheimnisvoller zu machen. Indem man Teile des Motivs in Schatten oder Dunkelheit legt, bleibt, wenn es klug umgesetzt ist, beim Betrachter die Frage offen, wie das Motiv wohl bei voller Helligkeit aussieht.

Wichtig ist aber dabei – wie fast immer, das der Effekt gezielt und wohldosiert eingesetzt wird, sodass Andeutungen da sind, aber auch Fragen offen bleiben.
Schatten von erhöhter Perspektive
Von oben kann man Schatten teils deutlich klarer wahrnehmen. Es kann sich lohnen, auf einen Kirchturm, eine Brücke, eine Aussichtsplattform zu gehen und von dort aus Bilder zu machen. Es muss aber nicht notwendigerweise eine starke Erhöhung sein, nur eben je nach Situation eben, dass ein gewisser Abstand besteht. Manchmal reicht schon ein etwas stärkeres Gefälle innerhalb einer Stadt.
Es kann besonders in solchen Situationen, wo vermutlich der Standpunkt zu einem gewissen Grad immobil ist, sich lohnen, ein Zoom-Objektiv zu verwenden.


Viele Möglichkeiten, kreativ zu sein
Es geht mir hier nicht darum, eine umfassende Liste an Situationen, in denen Licht und Schatten auftreten, aufzustellen, sondern darum ein paar der vielen Möglichkeiten, kreativ Bilder zu gestalten, zu zeigen.
Für mich ist es wichtig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und zu schauen, wie sich das Licht verhält. Es wurden von Fotografen ganze Bücher zu Licht und Schatten geschrieben, es gibt so viele Nuancen, allein nur in der Portrait-Fotografie und Landschaftsfotografie und gerade ein besonderer Lichteinfall kann auf die langweiligsten, alltäglichsten Momente ein neues Licht werfen. So wie eben geschehen als ich diese Zeilen verfasst habe.
