Ich bin mehr der Typ, der gern an besonderen Orten fotografiert, mit Sehenswürdigkeiten, besonderer Architektur, am besten noch bei besonderen Anlässen.
Aber was, wenn der Ort, an dem man sich befindet, wenig spektakulär ist, wenn er einfach durchschnittlich, wenig besonders – kurz gesagt – einfach langweilig ist? (Nicht nur, weil man alles schon so oft gesehen hat?)
Der Weg am Zaun ist an sich kein spannendes Motiv. Aber durch den hell ausgeleuchteten Weg wird man quasi am Zaun entlang geführt. Was sich wohl hinter der Kurve befindet? 2026
Was, wenn es ein Ort ist, ohne besondere Sehenswürdigkeiten, ohne eine besondere natürliche Gegebenheit (wie ein Blick auf ein Gebirge oder aufs Meer)? Was, wenn es ein Ort ist, an dem wenig los ist, an dem einfach das alltägliche, „langweilige“ Leben stattfindet? Ich denke an eine kleine Stadt oder ein Dorf, scheinbar ohne Besonderheiten oder sonst etwas, was des Fotografierens Wert erscheint.
Es gibt Wetter, das man gemeinhin als „grau“ bezeichnen würde. Eine dicke Wolkendecke ist zwischen dem Himmel und dem Erdboden, auf dem der Fotograf steht. Vielleicht regnet es oder es droht wenigstens zu regnen. Das Licht ist schwach und es gibt kaum einen klaren Schatten.
Für unsere Augen und für unsere Wahrnehmung kann das langweilig aussehen, weil dieses Licht alles so gleichmäßig ausleuchtet.
Es gibt dann wenig Kontraste und wenig, was uns reizvoll erscheint. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, aber je nach Anlass und Ziel kann das Bild dann einfach fad wirken.
Unterschiedliche Lichtbeschaffenheit
Wenn das Licht nicht diffus, sondern klar und gerichtet scheint, wirkt das Bild häufig dramatischer und reizvoller.
Leben an unwirtlichen Orten. Die Pflanze wird von hinten angestrahlt und lässt das Licht durchschimmern. 2018(mehr …)
Es mag banal erscheinen. Aber wir sind auf Licht angewiesen. Unsere Augen sind dafür geschaffen, Licht aufzunehmen und unser Gehirn verarbeitet die Sinneseindrücke und schafft in uns ein Bild von der Welt. Natürlich sehen wir nur jene Lichtwellen-Frequenzen, die unsere Augen wahrnehmen können, es gibt mehr als wir sehen und wahrnehmen können.
Andere Lebewesen nehmen dieselbe Welt anders war als wir. Sie sehen teils Dinge, die unseren Augen verborgen sind und sehen Dinge nicht, die wir selbst aber wahrnehmen.
Licht ist vielfältig. Lichtquellen gibt es viele. Die Sonne. Die Sterne. Der Mond, der seinerseits die Strahlen der Sonne abstrahlt. Licht durch Feuer. Licht durch elektrische Entladungen in Form von Blitzen. Menschengemachte Lichtquellen in allen Variationen.
Ein und derselbe Ort kann unter verschiedenartigem Licht mal trüb, mal bedrohlich, mal pulsierend, mal gemütlich und mal wunderschön wirken.
Wie wichtig und wertvoll Licht ist und wie wichtig und wertvoll unsere Augen für uns sind, merken wir häufig dann, wenn das Licht Mangelware ist. Licht ist lebenswichtig für uns. Ohne Licht haben wir keine oder nur eine vergleichsweise stark eingeschränkte Orientierung.
Licht ist erstaunlich. Es offenbart uns die Schönheit der Welt in all ihrer Komplexität und all ihren Details. Ich bin tatsächlich auch der Meinung, dass uns Licht, das diese Welt hell und für uns dadurch besonders erfahr- und erlebbar macht, zeigt, dass es jemanden geben muss, der diese Welt ins Leben gerufen hat. Die Ordnung, die Schönheit und die Weisheit und Kraft, die in der Welt und insbesondere in den lebenden Wesen zu sehen sind, sind für mich ein Indiz für einen Schöpfer.
Die Tatsache, dass es daneben auch viel Leid, Schmerz und Tod und Unvollkommenheit zu sehen gibt, stellt für mich dazu keinen Widerspruch dar, sondern zeigt einfach, was ohne jemanden, der die Welt ordnet und gestaltet und pflegt, geschieht. Es gibt keinen Frieden, sondern Chaos.