Der folgende Artikel ist einerseits ein Foto-Nerd-Artikel. Andererseits hat der Artikel Relevanz auch für viele andere Lebensbereiche.
Was ist das „Gear Aquisition Syndrome“?
Insbesondere im Bereich von Foto und Videotechnik, aber auch im Musik-Instrumenten-Bereich hat sich der Begriff einen Namen gemacht. Auf Deutsch könnte man vom „Ausrüstungs-Beschaffungs-Syndrom“ sprechen.
Es gibt viele unterschiedliche Objektive, die sich in Funktion und Bildergebnissen unterscheiden. Es gibt verschiedene Begriffe, die helfen sollen, einzuordnen, um was für ein Objektiv es sich handelt.
Eine ganz grundsätzliche Unterscheidung ist dabei die Einordnung in 1. Zoom-Objektive und 2. Objektive mit fester Brennweite.
Zoom-Objektiv
Ein Zoom-Objektiv, erlaubt mir aus meiner momentanen Position durch das „Hinein-Zoomen“ mein Motiv größer abzubilden. Unterschiedliche Zoom-Objektive haben verschieden große Zoombereiche. Manche können 2fach, 3fach, 5fach oder 10fach oder noch mehr vergrößern.
Die Hersteller heutiger Kameras bemühen sich darum, die neusten Funktionen ihrer Kameras herauszustellen.
Wie viele Megapixel hat der Bild-Sensor? Wie viele Bilder in einer Sekunde kann die Kamera schießen? Wie viele Autofokus-Punkte hat die Kamera? Wie viele Bildpunkte hat das Display?
Sicherlich sind viele dieser Daten und Features zu einem gewissen Grad wichtig und ermöglichen bestimmte Aufnahmen, die sonst nicht vorstellbar wären.
Die Frage, die ich mir aber immer wieder stelle, ist dann: Wie haben Fotografen vor 20, 30, 40 oder 50 Jahren ihre Bilder machen können? Damals war die Technik weit weniger entwickelt. Damals gab es keine digitalen Bildsensoren, damals gab es keinen Autofokus wie wir ihn heute kennen und doch sind auch damals bemerkenswerte Fotografien entstanden.
Kamerahersteller verkaufen teure Ausrüstung und werben subtil mit dem Versprechen: „Wenn du diese Ausrüstung hast, werden deine Bilder nahezu automatisch besser“.
(die selbe Werbestrategie findet man auch bei Smartphones und deren Kameras)
Aber ist das wahr? Kurz gesagt: Jain.
Höherwertige Technik mit besseren Möglichkeiten erlaubt es generell einfacher, schneller, besser, spezialisierter zu arbeiten. Für bestimmte Aufgaben benötigt es bestimmtes Werkzeug. Aber dieses Werkzeug ersetzt keine Kreativität. Jemand, der fotografiert, muss in der Lage sein, das Werkzeug (Kamera, Objektiv und weiteres Zubehör) gezielt kreativ zu gebrauchen.
Jemand, der kreativ ist, kann auch mit elementarem Werkzeug (zum Beispiel einer „veralteten“ digitalen Spiegelreflexkamera) wunderbare Bilder schaffen, während jemand ohne Know-How den neusten Boliden eines Kameraherstellers für ein einfaches Bild nicht mal richtig eingestellt bekommt, weil er nicht versteht, was seine Einstellungen konkret bezwecken.
Folgende Bilder sind an einer „alten“ Kamera entstanden (die Kamera selbst war keine 100 Euro wert, mit einem Objektiv, das auch sehr preisgünstig erworben werden konnte).
Eine klare, gute Gestaltung ist für ein Bild wichtiger als die Frage welches Baujahr eine Kamera hat und welcher Bildsensor in ihr verbaut ist.
Tipp: Es gibt große Fotohändler mit großem Angeboten an gebrauchten Kameras, Objektiven usw.. Selbst viele 10 oder 15 Jahre alte Kameras sind meines Erachtens häufig so gut, dass nur wenige Nutzer schnell an die Grenzen der dort verbauten Technik stoßen.