Ich bin mehr der Typ, der gern an besonderen Orten fotografiert, mit Sehenswürdigkeiten, besonderer Architektur, am besten noch bei besonderen Anlässen.
Aber was, wenn der Ort, an dem man sich befindet, wenig spektakulär ist, wenn er einfach durchschnittlich, wenig besonders – kurz gesagt – einfach langweilig ist? (Nicht nur, weil man alles schon so oft gesehen hat?)
Der Weg am Zaun ist an sich kein spannendes Motiv. Aber durch den hell ausgeleuchteten Weg wird man quasi am Zaun entlang geführt. Was sich wohl hinter der Kurve befindet? 2026
Was, wenn es ein Ort ist, ohne besondere Sehenswürdigkeiten, ohne eine besondere natürliche Gegebenheit (wie ein Blick auf ein Gebirge oder aufs Meer)? Was, wenn es ein Ort ist, an dem wenig los ist, an dem einfach das alltägliche, „langweilige“ Leben stattfindet? Ich denke an eine kleine Stadt oder ein Dorf, scheinbar ohne Besonderheiten oder sonst etwas, was des Fotografierens Wert erscheint.
Fotografieren heißt viele kleine kreative Entscheidungen treffen. Ob einem diese Entscheidungen bewusst sind oder nicht, macht auf jeden Fall einen Unterschied, weil ich dann bewusst steuern kann, wie das Bild am Ende aussieht. Je weniger ich mir über meine Möglichkeiten Einfluss zu nehmen im Klaren bin, umso weniger kann ich das Ergebnis steuern.
Wenn man sich entscheidet, eine Aufnahme zu machen, stellen sich viele Fragen.
Und dabei geht es im Wesentlichen darum zu entscheiden, was im Bild hergehoben werden soll und auch darum, was nicht gezeigt werden soll, weil es z.B. störend/ablenkend wirken würde. Deswegen kann man sagen: Fotografie ist immer selektiv. Bei jedem klar gestalteten Bild hebe ich etwas hervor und schließe anderes aus und „verstecke“ es.
Welche Fragen kann / darf ich mir stellen, die auf mein fertiges Bild wesentlichen Einfluss haben werden?
Die Hersteller heutiger Kameras bemühen sich darum, die neusten Funktionen ihrer Kameras herauszustellen.
Wie viele Megapixel hat der Bild-Sensor? Wie viele Bilder in einer Sekunde kann die Kamera schießen? Wie viele Autofokus-Punkte hat die Kamera? Wie viele Bildpunkte hat das Display?
Sicherlich sind viele dieser Daten und Features zu einem gewissen Grad wichtig und ermöglichen bestimmte Aufnahmen, die sonst nicht vorstellbar wären.
Die Frage, die ich mir aber immer wieder stelle, ist dann: Wie haben Fotografen vor 20, 30, 40 oder 50 Jahren ihre Bilder machen können? Damals war die Technik weit weniger entwickelt. Damals gab es keine digitalen Bildsensoren, damals gab es keinen Autofokus wie wir ihn heute kennen und doch sind auch damals bemerkenswerte Fotografien entstanden.
Kamerahersteller verkaufen teure Ausrüstung und werben subtil mit dem Versprechen: „Wenn du diese Ausrüstung hast, werden deine Bilder nahezu automatisch besser“.
(die selbe Werbestrategie findet man auch bei Smartphones und deren Kameras)
Aber ist das wahr? Kurz gesagt: Jain.
Höherwertige Technik mit besseren Möglichkeiten erlaubt es generell einfacher, schneller, besser, spezialisierter zu arbeiten. Für bestimmte Aufgaben benötigt es bestimmtes Werkzeug. Aber dieses Werkzeug ersetzt keine Kreativität. Jemand, der fotografiert, muss in der Lage sein, das Werkzeug (Kamera, Objektiv und weiteres Zubehör) gezielt kreativ zu gebrauchen.
Jemand, der kreativ ist, kann auch mit elementarem Werkzeug (zum Beispiel einer „veralteten“ digitalen Spiegelreflexkamera) wunderbare Bilder schaffen, während jemand ohne Know-How den neusten Boliden eines Kameraherstellers für ein einfaches Bild nicht mal richtig eingestellt bekommt, weil er nicht versteht, was seine Einstellungen konkret bezwecken.
Folgende Bilder sind an einer „alten“ Kamera entstanden (die Kamera selbst war keine 100 Euro wert, mit einem Objektiv, das auch sehr preisgünstig erworben werden konnte).
Eine klare, gute Gestaltung ist für ein Bild wichtiger als die Frage welches Baujahr eine Kamera hat und welcher Bildsensor in ihr verbaut ist.
Tipp: Es gibt große Fotohändler mit großem Angeboten an gebrauchten Kameras, Objektiven usw.. Selbst viele 10 oder 15 Jahre alte Kameras sind meines Erachtens häufig so gut, dass nur wenige Nutzer schnell an die Grenzen der dort verbauten Technik stoßen.