Verfremdung durch künstliche Intelligenz in Bildern

Ich habe zuletzt etwas mit Verfremdung von Bildern mit künstlicher Intelligenz herum gespielt. Es war fraglos nur eine Spielerei ohne ernsthafte Ziele. Genutzt habe ich die Gemini App von Google.

Fahrradsport in München. Nachtrennen.

Ich mag authentische Fotografie, von der man sagen kann: Hier findet eine Dokumentation statt. Ein bisschen Aufhübschen der Bilder stört mich dabei nicht unbedingt, solange im Wesentlichen der Moment „eingefangen“ wird, den der Fotograf zeigen möchte.

Mit generativer Künstlicher Intelligenz Bilder zu verändern, stellt für mich dann aber eine ganz andere Dimension an Eingriff ins Bild dar. Und ich habe so meine Bauchschmerzen, welche Art von Ergebnissen man schaffen kann.

Man kann, wenn man will, recht fiese Aufträge an die Künstliche Intelligenz vergeben.

Ein Schutzmechanismus gegen „Missbrauch“ greift hier…
…aber greift hier trotz sehr ähnlichem Prompt nicht…
…und lässt problemlos Feuer, andere Naturkatastrophen oder vergleichbare Inhalte darstellen…

Natürlich sehen die Bild-Ergebnisse unterschiedlich plausibel aus.

Ich frage mich schon, was man damit an Schaden anrichten kann, wenn man Bilder plausibel gestalten lässt und sie viral gehen – in Form von Falschmeldungen, in Form von giftiger Satire, Mobbing, indem man böse Scherze auf Kosten anderer verbreitet. Früher konnte ein Karikaturist Bilder anfertigen. Heute kann es nahezu jeder.

Ich habe beispielhaft einige Bilder durch die Gemini-KI „verbessert“. Wie gut die App bei konkreten Arbeiten aktuell (01/2026) funktioniert, weiß ich nicht. Die Ergebnisse sind einfach „Just for Fun“ (wobei ich hinter Letzteres ein Fragezeichen setze).

Hier wird der Eindruck erweckt, nahe dem zum Abriss bestimmten Karstadt-Gebäude in München brenne es
Die Straßenbahn fährt in München selbstverständlich auch bei einer Hochwasserlage. Vermutlich ist das ganze Szenario absurd, aber wie soll ein Ortsunkundiger das beueteilen?
Die Frauenkirche in München wurde hier durch die zweitürmige „Männermoschee“ ersetzt. Plausibel werden solche Bilder ja dadurch, dass ein Teil echt ist, ein Teil gefälscht.
Hier wurde die Marienstatue am Marienplatz durch eine goldene Statue der „Mutti“ Merkel ersetzt. Sie hat zwar kein Kind im Arm, zeigt dafür aber eine typische Geste. Alles wird gut.
Die Müncher Löwen sind los…
Der Apple-Store am Marienplatz wurde nun in einen Lidl-Store umfunktioniert.
Ein ungewohnter Besucher.
Man fragt sich ehrlich gesagt auch, wie das mit dem Urheberrechten bei Künstlicher Intelligenz aussieht.

Die Bilder sollten ein Stück weit Irritation hervorrufen. Ich frage mich: Welche Art von Bildern sind o.k.? Wann ist es Kunst, wenn man mit seinen Bildern irritiert oder provoziert? Ist es o.k., Prominente, Film-Figuren usw. in reale Szenen einzufügen?

Ist es in Ordnung, Katastrophen oder Unglücke darzustellen, die fiktiv sind?

Die Möglichkeiten sind ja nahezu grenzenlos – technisch gesehen – gibt es einen moralischen / ethischen Kompass für die Inhalte, die erstellt werden?

Sollte jeder machen können, was er will? Sollte es reglementiert werden?

Ich habe allein nur zu diesem Aspekt viele unbeantwortete Fragen. Ich sage nicht, dass ich finde, dass die Politik alles reglementieren sollte. Aber gleichzeitig sehe ich auch bei solchen Fragestellungen wenig gesellschaftlichen Konsens darüber, welche Werte und Vorstellungen gut sind.

Große Freude habe ich an den Bildern übrigens nicht. Irgendwo finde ich es nutzlos, derartige Fantasieinhalte zu generieren – aber zugegeben, es als Werkzeug für eine einfache Umsetzung von kreativen Ideen und Gedanken, als eine Möglichkeit, humorvolle oder einfallsreiche Bilder umzusetzen, sind die Möglichkeiten natürlich sehr fein, auch wenn man – entsprechendes Können vorausgesetzt, z.B. Bilder selber fotografieren würde von Menschen in Kostümen vor passenden Kulissen oder ähnliches – oder wenn man Bilder zeichnen und gestalten kann, die viel mehr einen Ausdruck der persönlichen Kreativität darstellen.

Generierte Bilder mögen in mancher Hinsicht vergleichbar mit den Ergebnissen von kreativer Handarbeit sein, aber sie sind doch computer-generiert und fußen auf vielen Werken der Menschen, mit denen die Künstliche Intelligenz ursprünglich trainiert wurde.

Rein auf Fotografie im eigentlichen Sinn bezogen, muss ich sagen: Mich interessieren mehr die echten Momente des Lebens und diese zu dokumentieren. Und genau das finde ich hier eher nicht.