Fliehende Momente

Photographie, Philosophie und Theologie

  • Bild-Gestaltung

    Was macht ein Bild aus, das ins Auge springt, das die Aufmerksamkeit seines Betrachters wenigstens einige Sekunden lang gewinnt?

    Das ist gewissermaßen gar nicht so einfach zu sagen und der kurze Beitrag hier soll keine Anleitung darstellen, sondern nur eine kurze Überlegung in eigene Worte gefasst.

    1. Ein klares Motiv

    Eine fesselnde Bildgestaltung hat zuerst einmal ein klares Motiv. Dabei muss das Motiv an sich gar nichts Außergewöhnliches sein.

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  • „Deine Kamera macht gute Fotos“

    „Dein Textverarbeitungsprogramm schreibt gute Texte“.

    Die Hersteller heutiger Kameras bemühen sich darum, die neusten Funktionen ihrer Kameras herauszustellen.

    Wie viele Megapixel hat der Bild-Sensor? Wie viele Bilder in einer Sekunde kann die Kamera schießen? Wie viele Autofokus-Punkte hat die Kamera? Wie viele Bildpunkte hat das Display?

    Sicherlich sind viele dieser Daten und Features zu einem gewissen Grad wichtig und ermöglichen bestimmte Aufnahmen, die sonst nicht vorstellbar wären.

    Die Frage, die ich mir aber immer wieder stelle, ist dann: Wie haben Fotografen vor 20, 30, 40 oder 50 Jahren ihre Bilder machen können? Damals war die Technik weit weniger entwickelt. Damals gab es keine digitalen Bildsensoren, damals gab es keinen Autofokus wie wir ihn heute kennen und doch sind auch damals bemerkenswerte Fotografien entstanden.

    Kamerahersteller verkaufen teure Ausrüstung und werben subtil mit dem Versprechen: „Wenn du diese Ausrüstung hast, werden deine Bilder nahezu automatisch besser“.

    (die selbe Werbestrategie findet man auch bei Smartphones und deren Kameras)

    Aber ist das wahr? Kurz gesagt: Jain.

    Höherwertige Technik mit besseren Möglichkeiten erlaubt es generell einfacher, schneller, besser, spezialisierter zu arbeiten. Für bestimmte Aufgaben benötigt es bestimmtes Werkzeug. Aber dieses Werkzeug ersetzt keine Kreativität. Jemand, der fotografiert, muss in der Lage sein, das Werkzeug (Kamera, Objektiv und weiteres Zubehör) gezielt kreativ zu gebrauchen.

    Jemand, der kreativ ist, kann auch mit elementarem Werkzeug (zum Beispiel einer „veralteten“ digitalen Spiegelreflexkamera) wunderbare Bilder schaffen, während jemand ohne Know-How den neusten Boliden eines Kameraherstellers für ein einfaches Bild nicht mal richtig eingestellt bekommt, weil er nicht versteht, was seine Einstellungen konkret bezwecken.

    Folgende Bilder sind an einer „alten“ Kamera entstanden (die Kamera selbst war keine 100 Euro wert, mit einem Objektiv, das auch sehr preisgünstig erworben werden konnte).

    Eine klare, gute Gestaltung ist für ein Bild wichtiger als die Frage welches Baujahr eine Kamera hat und welcher Bildsensor in ihr verbaut ist.

    Tipp: Es gibt große Fotohändler mit großem Angeboten an gebrauchten Kameras, Objektiven usw.. Selbst viele 10 oder 15 Jahre alte Kameras sind meines Erachtens häufig so gut, dass nur wenige Nutzer schnell an die Grenzen der dort verbauten Technik stoßen.

  • Ruhe

    Wie lässt sich Ruhe definieren? Was macht Ruhe aus? Ist Ruhe einfach Abwesenheit von Lärm und Geschäftigkeit?

    Man kann sicher sagen, dass das Wort Ruhe in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht wird. Ruhe kann sich auf das Ausbleiben eines hörbaren Lärmes beziehen. Sie kann sich auf das Einstellen/Pausieren einer Bewegung beziehen. Rechtlich gesehen kann ein Vertrag oder ein Abo ruhen.

    Aber ganz elementar finde ich die Tatsache, dass wir Menschen so gemacht sind, dass wir immer wieder ruhen müssen. Wir sind keine Maschinen, die über Tage hinweg pausenlos funktionieren. Wir brauchen Ruhepausen.

    Wenn man beispielsweise eine Wanderung unternimmt, wird man irgendwann eine Rast machen, d.h. man nimmt sich eine Zeit, in der man nicht weitergeht, sondern nur ruht, sich vielleicht hinsetzt, etwas isst und sich erholt.

    Das Ruhen gehört elementar zu unserem Leben dazu. Die Zeit der Ruhe kann, sofern man wach ist, eine Zeit des Nachdenkens sein.

    Ich finde, dass wir uns in unserer Gesellschaft schon schwer tun, wirklich Ruhe zu finden. Es gibt so viele Angebote von Film -oder Musik-Streaming-Platformen, es gibt Podcasts, sowieso Radio, Fernsehen, Zeitungen, Bücher, Webseiten. Wir können unser Leben vom Morgen bis zum Abend durchgängig mit Infos und Unterhaltung und Aktivitäten füllen. Aber kommen wir dabei wirklich zur Ruhe?

    Ich habe neulich, eines Abends ein Foto machen können. Das beschäftigt mich tatsächlich ein wenig.

    Ein Mann ist darauf zu sehen. Er macht offenbar eine Pause an einem Platz vor einem großen Kirchengebäude. Kopfhörer sind im Ohr.

    Wie viel Ruhe hat er gefunden?

  • Zeit

    Die Zeit rinnt sprichwörtlich dahin. Jeden Moment. Wir können sie nicht festhalten.

    Die Zeit ist begrenzt. Für jeden Menschen ist die Zeit auf dieser Welt begrenzt.

    Ich weiß nicht, wie viel Lebenszeit mir noch bleibt.

    Mein Leben ist eine Aneinanderreihung von fliehenden Momenten. Sie kommen und gehen.

    Ich kann die Sonne nicht davon abhalten, dass sie morgens am Horizont erscheint. Ich kann sie nicht bremsen, wenn sie hinter dem Horizont verschwindet und die Dämmerung einsetzt.

    Man könnte jetzt sagen, das seien melancholisch gefärbte Gedanken.

    Und ja, ich würde sagen, es sind Gedanken, die bedrückend sein können, weil sie deutlich machen, dass man als Mensch nur begrenzte Kontrolle über sein Leben hat.

    Aber ich brauche diese Überlegungen um klug mit meinen Begrenzungen und meinen Möglichkeiten hauszuhalten.

    Mit der Kamera versuche ich Bilder von besonderen Augenblicken einzufangen. Diese Bilder sind Erinnerungen von fliehenden Momenten. Sie frieren gewissermaßen einen kurzen Moment in der Zeit ein.  Ich bestimme den Bildausschnitt, bestimme das, was zu sehen ist und auch das, was auch nicht zu sehen ist.

    Manche Bilder lassen einen, wenn man es zulässt, nachdenklich zurück, selbst wenn der Inhalt auf den Blick banal erscheint, einfach weil im Bild die schlagartige Vergänglichkeit des eingefangenen Augenblickes förmlich zu greifen ist.

  • Farbe

    Für uns ist es heute selbstverständlich, farbige Displays zu nutzen. Vermutlich ist das Display, auf dem dieser Artikel gelesen wird, ein Farbdisplay.

    Farbdarstellung in einem Medium ist immer wesentlich komplexer als z.B. eine Darstellung in Schwarz-Weiß.

    Ich kann mit einem dunklen Stift auf einem hellen Untergrund kritzeln, malen, schreiben, zeichnen… Aber wenn Farbe ins Spiel kommt, wird alles wesentlich vielfältiger. Ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten tut sich auf. Welche Farben sollen mein Farbstifte haben, die ich einsetze?

    Wenn es schon zwischen hell und dunkel viele Nuancen gibt, wie viel mehr gibt es bei den Farben feine Unterschiede?

    Mich bringt es immer wieder zum Staunen wie sich die Farben auch in der Natur im Lauf des Jahres in mitteleuropäischen Gefilden verändern und sie immer wieder neu andersartig strahlen.

    Fotografisch verfolgen manche den Ansatz, einen Großteil ihrer Bilder in Schwarz-Weiß zu halten. Und technisch hat das natürlich auch seine Wurzeln in der geschichtlichen Entwicklung der Fotografie. Farbfilme sind erst eine spätere Entwicklung gewesen. In weiten Teilen auf Farbe zu verzichten, fände ich jedoch schade. Wir nehmen die Welt eben auch in Farbe wahr.

  • Licht

    Es mag banal erscheinen. Aber wir sind auf Licht angewiesen. Unsere Augen sind dafür geschaffen, Licht aufzunehmen und unser Gehirn verarbeitet die Sinneseindrücke und schafft in uns ein Bild von der Welt. Natürlich sehen wir nur jene Lichtwellen-Frequenzen, die unsere Augen wahrnehmen können, es gibt mehr als wir sehen und wahrnehmen können.

    Andere Lebewesen nehmen dieselbe Welt anders war als wir. Sie sehen teils Dinge, die unseren Augen verborgen sind und sehen Dinge nicht, die wir selbst aber wahrnehmen.

    Licht ist vielfältig. Lichtquellen gibt es viele. Die Sonne. Die Sterne. Der Mond, der seinerseits die Strahlen der Sonne abstrahlt. Licht durch Feuer. Licht durch elektrische Entladungen in Form von Blitzen. Menschengemachte Lichtquellen in allen Variationen.

    Ein und derselbe Ort kann unter verschiedenartigem Licht mal trüb, mal bedrohlich, mal pulsierend, mal gemütlich und mal wunderschön wirken.

    Wie wichtig und wertvoll Licht ist und wie wichtig und wertvoll unsere Augen für uns sind, merken wir häufig dann, wenn das Licht Mangelware ist. Licht ist lebenswichtig für uns. Ohne Licht haben wir keine oder nur eine vergleichsweise stark eingeschränkte Orientierung.

    Licht ist erstaunlich. Es offenbart uns die Schönheit der Welt in all ihrer Komplexität und all ihren Details. Ich bin tatsächlich auch der Meinung, dass uns Licht, das diese Welt hell und für uns dadurch besonders erfahr- und erlebbar macht, zeigt, dass es jemanden geben muss, der diese Welt ins Leben gerufen hat. Die Ordnung, die Schönheit und die Weisheit und Kraft, die in der Welt und insbesondere in den lebenden Wesen zu sehen sind, sind für mich ein Indiz für einen Schöpfer.

    Die Tatsache, dass es daneben auch viel Leid, Schmerz und Tod und Unvollkommenheit zu sehen gibt, stellt für mich dazu keinen Widerspruch dar, sondern zeigt einfach, was ohne jemanden, der die Welt ordnet und gestaltet und pflegt, geschieht. Es gibt keinen Frieden, sondern Chaos.