Für mich ist Fotografieren besonders. Vor ungefähr 20 Jahren habe ich angefangen meine ersten Gehversuche mit einer Kamera zu machen. Ich hatte mir damals so eine kleine Kompaktkamera mit einem kleinen 3fach-Zoom-Objektiv zugelegt.

Kreativiät in der Kindheit
Ich bin ein kreativ veranlagter Mensch. In meiner Kindheit und Jugend habe ich gern gezeichnet und gemalt, eigentlich nie richtig gut, tatsächlich habe ich eher karikatur-artige Zeichnungen angefertigt. Das exakte, maßstabsgetreue, realistische Zeichnen war nicht meine Stärke. Vielleicht hat mir dazu auch einfach die richtige Technik gefehlt.
Neue Ausdrucksformen der Kreativität
Meine Kreativität fing ungefähr nach meiner Schulzeit an in zwei andere Ausdrucksformen zu fließen. Die eine Ausdrucksform war das Befassen mit Sprache und das Verfassen von Texten. Die andere Ausdrucksform war die Fotografie.
Fotografie als Weg sich mit der Realität auseinander zu setzen
Wenn ich darüber nachdenke, warum ich diese beiden Ausdrucksformen für meine Kreativität gewählt habe, liegt es aus meiner heutigen Sicht daran, dass es eine Art ist, mich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Von Realitätsflucht ins Leben
Ich habe in meiner Jugendzeit viele Jahre lang exzessiv Videospiele gespielt. Für mich waren Videospiele – so denke ich – eine Möglichkeit, der Realität zu entfliehen. Für mich war die Realität in meiner Jugendzeit und Schulzeit nicht notwendigerweise schlecht oder schlimm, aber sicherlich bei weitem nicht so interessant wie Videospiele oder Filme. Ich habe damals viel Zeit in dieses Hobby investiert. Jeden Monat habe ich eine zeitlang bestimmt regelmäßig vier verschiedene Videospielzeitschriften und Kinomagazine von meinem Geld gekauft, die ich auch alle gelesen habe und war immer auf dem neusten Stand über die aktuellen Neuerscheinungen in Videospiel und Filmwelt.
Rückwirkend betrachtet fing ein wirkliches Interesse selbst an auch durch die Schule abgedeckten Inhalte bei mir erst nach meiner Schulzeit an. So habe ich erst nach der Schule mich richtig mit der englischen Sprache befasst. Aus eigenem Antrieb, nicht, weil ich es musste.
Nach der Schule habe ich angefangen, zu hinterfragen, wie ich mein Leben lebe und wofür ich mein Leben lebe. Ich hatte gerade ein Studium begonnen, wo ich schnell gemerkt habe, dass das nicht zu mir passt und womöglich auch weil mich das so frustriert hat, bin ich in eine richtige Sinnkrise gekommen. Zwar bin ich kein Psychiater, aber im Nachhinein würde ich schon davon sprechen, dass ich Erscheinungen einer Depression hatte.
Ich weiß noch sehr klar meine düsteren Gedanken: „Wenn ich eines Tages einen guten Job, eine Frau, ein Haus und Kinder haben werde, und ich eigentlich zufrieden sein könnte, wird mir das doch nichts bringen, weil mir alles wie Sand in den Händen zerlaufen wird. Ich kann es nicht festhalten“.

In einem Sinn würde ich auch heute diesen Gedanken nicht widersprechen, für mich waren diese Gedanken der harte Aufprall auf die Realität meiner eigenen Begrenztheit und Vergänglichkeit.
In dieser Zeit habe ich angefangen, mein Leben zu dokumentieren. Nicht in dem Sinn, dass ich angefangen habe, täglich mein Frühstück zu fotografieren und zu filmen. Aber ich habe angefangen, für mich besondere Momente fotografisch zu dokumentieren.
Meine eigene Vergänglichkeit anerkennen und einordnen
In dieser Zeit sind für mich viele Dinge passiert, ich habe mich mit der grundlegenden Frage, ob es einen Gott gibt, auseinander gesetzt. Sehr kurz gefasst bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass, so wie wir Menschen konstruiert und aufgebaut sind, es nur den Schluss zulässt, dass es eine uns gewaltig überlegene Intelligenz, Macht und Persönlichkeit braucht, um so etwas wie einen Menschen, die Tiere und die ganze Welt zu konstruieren und lebensfähig zu gestalten.
Und ich würde sagen, dass wir bei diesem Wesen von Gott sprechen müssen.
Ich weiß, dass viele Menschen das ganz anders einschätzen, aber je mehr ich über die Komplexität des Lebens auf dieser Welt weiß und verstehe, umso mehr, kann ich mir die Welt ohne einen – verzeiht den theologischen Ausdruck – Schöpfergott – nicht erklären.
Und dieser Schöpfergott gibt auch meinem Bewusstsein meiner eigenen Vergänglichkeit und Sterblichkeit einen Rahmen. Während mir meine eigene Begrenztheit bewusst sein darf und bewusst sein soll, geht es darum, dem Gott, der mir mein Leben gegeben hat, dort zu vertrauen, wo mein Leben endet oder anders begrenzt wird.

Berufliche Entscheidungen
Mein vorher angesprochenes Studium habe ich abgebrochen. Am Ende bin ich im Gesundheitswesen gelandet, wo mich das Thema der menschlichen Endlichkeit und Begrenztheit weiter beschäftigt. Es ist einfach nicht selbstverständlich an Leib und Geist gesund zu sein.
Momente festhalten, die ich nicht festhalten kann
Fotografie bedeutet für mich, ein Stück weit Momente festzuhalten, die ich nicht festhalten kann. Gerade, wenn man Kinder groß werden sieht, andere Menschen alt werden sieht, wird einem immer wieder bewusst, dass die Zeit nie stehen bleibt. Veränderungen und Alterung sind wesentlich im Leben.
Was bedeutet Fotografie für mich?
Fotografie bedeutet für mich auch, mich mit der Realität auseinander zu setzen. Ich schaffe gewissermaßen Abbilder von Momenten.

Ich bin ein eher introvertierter Mensch und profitiere von Zeiten des Alleinseins und des Nachdenkens. Das kann z.B. in einem Spaziergang am Abend geschehen oder dann, wenn ich gelegentlich aufgenommene Bilder bearbeite, ihnen den letzten Schliff gebe und dabei einem Hörbuch oder einem Podcast lausche. Wenn es möglich ist, genieße ich es, draußen zu sein, mit der Familie oder allein. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Körperliche Betätigung, sei es nur ein längerer Spaziergang oder die Fahrradfahrt zum Arbeitsplatz tut einem als ganzen Menschen gut. Und all das lässt sich mit der Fotografie verbinden.
Videospiele, virtuelle Welten haben für mich eine zeitlang die Realität, das echte Leben ersetzt. Und so sehr auch ein Spiel lehrreich sein kann (z.B. um Strategien zur Problemlösung zu lernen), kann man so viel Zeit und so viele Erfolge darin erringen, die einem selbst wenig und dem Rest der Welt gar nichts bringen. Ich bin nicht generell gegen Fantasiewelten, ich mag beispielsweise die Welt von „der Herr der Ringe“, aber darin werden auch Werte vermittelt, wie z.B. Treue und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich für eine gute Sache und Ideale einzusetzen.
Viel an heutiger Unterhaltung oder auch in den sozialen Medien ist im besten Fall hohl, aber vieles meines Erachtens einfach auch grausam und dumm.

Wir sind zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und zum Leben in der Wirklichkeit geschaffen. Für mich ist Fotografie kein passives Betrachten oder Konsumieren, sondern aktives Gestalten, Kreativ sein und auch ein Beschäftigen mit Schönheit und ein Staunen über das Wunder des Lebens.