Der folgende Artikel ist einerseits ein Foto-Nerd-Artikel. Andererseits hat der Artikel Relevanz auch für viele andere Lebensbereiche.
Was ist das „Gear Aquisition Syndrome“?
Insbesondere im Bereich von Foto und Videotechnik, aber auch im Musik-Instrumenten-Bereich hat sich der Begriff einen Namen gemacht. Auf Deutsch könnte man vom „Ausrüstungs-Beschaffungs-Syndrom“ sprechen.

Was ist gemeint?
„Gear Aquisition Syndrome“ ist kein medizinisch-psychologischer Begriff, soll aber ein Verhalten beschreiben, das man als unverhältnismäßig ausgeprägtes oder womöglich übertriebenes Anhäufen von Ausrüstungsgegenständen beschreiben könnte. Letztlich ist es nur ein Versuch ein derartiges Verhalten zu beschreiben und ihm einen Namen zu geben, ohne, dass eine scharfe Abgrenzung möglich ist oder ohne, dass man klar sagen kann, was genau unter das Phänomen „Ausrüstungs-Beschaffungs-Syndrom“ fallen würde.
Ich würde sagen, dass der Begriff in eine ähnliche Kerbe schlägt wie „Kaufsucht“, welche in engeren Sinn auch keine eigenständige psychiatrische Erkrankung darstellt. Letztlich geht ist es aus meiner Sicht um ein Kompensationsverhalten. Man versucht, einen wie auch immer gerarteten Mangel durch das Erwerben von Gegenständen auszugleichen.

Warum strebt man nach besserer Ausrüstung?
Fotografie ist an sich erst einmal eine kreative Sache. Und man benutzt dabei Werkzeuge, konkret eine Kamera, evtl. verschiedene Objektive und weiteres Fotozubehör wie Stative, Blitze, Kamerataschen, Objektivfilter uvm. um die angestrebten Ergebnisse zu erzielen.
Vielleicht hat man einmal klein angefangen, mit einer einfachen Kamera und dem beigelegten Objektiv, meist einem eher „lichtschwachen“ 3fach Zoom.
Und mancher merkt sehr schnell, dass er an Grenzen stößt, wenn er entsprechend „besondere“ Anforderungen hat. Der Zoombereich ist vielleicht zu klein. Das Objektiv lässt womöglich zu wenig Licht hinein um drinnen in der Sporthalle gute Bilder zu machen (zu blitzen hilft da auch nur begrenzt). Die Bildqualität der Kamera ist nicht so gut wie gewünscht. Der Autofokus ist nicht so zuverlässig wie er sein sollte.

Das mögen gute Gründe sein um auf besser geeignete Werkzeuge umzusteigen. Wenn man sich dann durch einen Einkauf seine Ausrüstung aufbessert, kann es sein, dass man deutliche Verbesserungen feststellt, weil das Werkzeug die Aufgabe nun wesentlich meistert. Man hat sich dann quasi den „Erfolg“ eingekauft. Das kann durchaus sinnvoll und zielführend sein. Gleichzeitig bedeutet eine womöglich höhere Automatisierung der Kamera und damit verbundene Annehmlichkeiten oder eine Verbesserung der Bildqualität nicht notwendigerweise bessere Bilder.
Dieses Prinzip, die technische Qualität durch das Einkaufen von Ausrüstung zu steigern, funktioniert zu einem gewissen Grad auch wiederholbar.
Von einer kleinen Kompaktkamera mit Mini-Bildsensor sind es verschiedene Stufen an Qualitätszuwachs, die man z.B. gewinnt, wenn man auf eine Kamera mit deutlich größerem Bildsensor wechselt.
Am Ende kann man sich für jeden erdenklichen Einsatzzweck Ausrüstung aussuchen und die Technik hilft, bestimmte Ergebnisse zu erzielen.
Wann kann das Anschaffen von Ausrüstung Probleme machen
Man kann aber aus meiner Erfahrung durchaus an einen Punkt kommen, wo man meint, durch Käufe von Objektiven oder Kameras bessere Ergebnisse zu erzielen zu können, wo die eigentliche Stellschraube aber mehr dort zu verorten wäre, was hinter der Kamera geschieht. Ich bin der Überzeugung, dass Fotografien mehr von einer Verbesserung der Kreativität des Fotografen profitieren als von der neusten / oder auch im Gegenteil von alter Technik (z.B. in Form von Beschaffung von antiquarischen „Vintage-Objektiven“, weil man an einer modernen Kamera eine weichere, analoge Bild-Anmutung erzeugen möchte, wogegen ja grundsätzlich nichts einzuwenden ist).

Ja, es gibt bestimmte Anwendungen, wo man von der neusten Technik profitiert, wo Bilder möglich werden, die vorher unmöglich waren. (z.B. bei Aufnahmen von Vögeln im Flug, wo man den „exakt perfekten Moment“ herausarbeiten möchte).
Aber viel entscheidender ist bei vielen Aufnahmen meiner Meinung nach nicht unbedingt die absolute technische Qualität des Werkzeuges, sondern wie genau ich das Werkzeug einsetze. Ich habe Bilder mit dem einfachen „lichtschwachen“ 3fach-Zoom gesehen, die ich umwerfend fand, nur weil der Fotograf wusste, wie er das passende Motiv mit dem Objektiv genial in Szene setzt. Der Unterschied zwischen einem langweiligen und einem tollen Bild bestand nicht in der Ausrüstung, sondern in der Handhabung derselben und in der richtigen Positionierung, im richtigen Moment mit den geeigneten Einstellungen und besonders auch das Motiv und das Licht musste für ein gutes Bild natürlich taugen.
Erst, wenn ich dieses Fotografieverständnis habe und diese Kreativität habe, kann ich aus besserer Ausrüstung auch wirklich bessere Ergebnisse „hervorzaubern“.
Passende Ausrüstung für passende Anwendung
Ein häufiger Fehler ist, sich gar nicht ausreichend mit der vorhandenen Ausrüstung auseinander zu setzen. Klar, wenn ich mich entschließe, an einer Safari-Tour teilzunehmen, auch explizit wegen der dortigen Bildmotive brauche ich nicht das kleine lichtschwache 3fach-Zoom bemühen. Das ist für die zu erwartenden Anforderungen einfach nicht ausreichend ausgestattet.

Aber für manchen Anlass mag das kleine 3fach-Zoom genau richtig sein, weil es kompakt und leicht bei sich zu tragen ist, während das schwere Telezoom von der Safari komplett überdimensioniert wäre. Und wie schon beschrieben mag das, was ich bereits zu Hause habe, in Wirklichkeit völlig ausreichend sein für meine persönlichen Anforderungen.
Deswegen ist es relevant immer schon vor dem Erwerb neuer Ausrüstung sich selbst ehrlich die Frage zu stellen, ob dieser Ausrüstungsgegenstand wirklich sinnvoll ist und für die eigenen Zwecke eine wirkliche Verbesserung darstellt.
Was bringt eine sündhaft teure Ausrüstung, wenn ich für eine Reise dann doch die alte, preisgünstigere Ausrüstung dabei habe, weil ich Angst habe, die teuer bezahlte Kamera mit exquisitem Objektiv könnte beschädigt oder gar gestohlen werden?
Oder wie sieht es mit Volumen und Gewicht aus? Man unterschätzt es, wie schwer sich manchmal Ausrüstung anfühlt, wenn man über mehrere Stunden draußen mit ihr unterwegs ist oder wie unhandlich und letztlich störend die Ausrüstung ist, wenn man mit Kindern verreist und nebenbei Bilder machen möchte.

Manch einer kommt auf die Idee, ein kleines Zweitsystem aufzubauen nur um dann zu merken, dass dann wieder doch einiges an verschiedenen Ausrüstungsteilen zusammen kommt, bis das Zweitsystem „standesgemäß“ ausgebaut ist (anstatt dass das Zweitsystem als kleine Ergänzung für besondere Anlässe fungiert) oder um zu merken, dass man sich schwer tut, im Vorfeld zu entscheiden, welches System man nun heute mitnimmt, weil beide Systeme fast den gleichen Zweck erfüllen, nur eines marginal bessere Bilder macht und das andere einen marginal kleineren Formfaktor bietet. Und am Ende nimmt man beide Systeme mit. Ein logistischer Albtraum.
Die Logik hinter der „Aufrüstung“
Für den Außenstehenden mag das verrückt klingen, sich zwei Kamera-Systeme anzuschaffen und dazu vielleicht noch eine oder zwei weitere Kameras mit fest verbautem Objektiv.
Die Logik dahinter, wenn man mit den einzelnen „Werkzeugen“ regelmäßig arbeitet, ist dass eben durchaus Unterschiede bestehen in technischer Ausstattung, im Handhabung und auch in den Bildergebnissen. Diese Unterschiede erscheinen dem Außenstehenden gewissermaßen als Nuancen. Derjenige, der mit den Geräten arbeitet, sieht die Unterschiede aber als so bedeutend an, dass es sich aus seiner Sicht lohnt, die Ausrüstung entsprechend breit aufzustellen.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, welche Anschaffungen wirklich sinnvoll sind und wo bei der Anschaffung eine Erwartung oder Vorstellung verbunden war, die sich im Nachgang einfach nicht erfüllt hat und der Ausrüstungs-Gegenstand als Folge im Regal verstaubt. Man überschätzt manchmal dann die Zahl der Gelegenheiten zu denen die Ausrüstung dann auch wirklich eingesetzt wird und gerade bei einem Amateur steht meist Liebhaberei und nicht professionelle Notwendigkeit der Anschaffung im Vordergrund.
Wenn jemand die Ressourcen hat, kann er sich ja auch entscheiden, für ein paar Prozent mehr Leistung einen deutlich höheren Preis zu zahlen. Letztlich haben viele Sachen, die man im Leben erreichen oder haben will, an irgendeiner Stelle ihren Preis.
Für mich persönlich ist bei der Ausrüstungs-Beschaffung eine relevante Fragestellung, ob der Gegenstand wirklich in gewissen Abständen eingesetzt wird oder absehbar ist, dass es ein eher spezielles Werkzeug ist, was ich kaum oder eigentlich gar nicht wirklich verwenden würde. Um das abzuschätzen braucht es ein Maß an Ehrlichkeit und realistischer Abschätzung der Lebensumstände und Möglichkeiten.
Nicht nur ein Phänomen in der Fotografie
Dieses Phänomen des Ausrüstungs-Beschaffungs-Syndroms betrifft keineswegs nur Fotografen. Ähnliche Phänomene finden sich bei Heimwerkern, bei Radlern, bei Autoliebhabern, bei Musikern, Multimedia-Fans und vermutlich vielen anderen Interessengebieten.

Sicher, ein Teil davon hat vermutlich auch mit Wohlstand zu tun und mit dem Anspruch, sich einfach gute Technik zu leisten oder für den Notfall eines Technikausfalls auch gleich ein Alternativgerät im Haus zu haben.
Persönliche Erfahrungen
Ich für mich habe immer wieder feststellen müssen, dass das vordergründige Setzen auf Technik ein Trugschluss sein kann und oftmals habe ich Ausrüstung umgetauscht oder ersetzt oder wieder abgegeben, weil sie einfach nicht den Effekt gebracht hat, den ich erhofft habe. Die Ausrüstung war nicht schlecht, aber hat für mich keinen angemessenen Mehrwert dargestellt, z.B. weil sie „überdimensioniert“ war, und ich den Eindruck hatte mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Oder weil ich mit der Zeit viel zu viel an Ausrüstung hatte. Dann wird es zur Last. Es fühlt sich dann nicht mehr so an, dass die Ausrüstung mein Werkzeug ist, das ich beherrsche, sondern mehr so, dass ich so eingenommen bin von der Ausrüstung, dass sie mich beherrscht. Und dieser Zustand macht keinen Sinn, weil dann mein Werkzeug mich belastet und beschwert, anstatt, dass es mir hilft, fotografische Ziele zu erreichen.

Nichts desto trotz weiß ich auch welche Ausrüstungsgegenstände dauerhaft eingezogen sind und warum sie geblieben sind. Sie sind Werkzeuge, die für meine Vorgehensweise funktionieren und die besten Ergebnisse bei Berücksichtigung des Preises ermöglichen. Ich sehe mich als Amateur. Ich brauche weder das Neuste, noch das Beste, was der Markt hergibt. Ich kaufe eher meist beim Händler gebraucht und äußerliche Kratzer tun mir nichts, solang die Funktion einwandfrei ist.
Das sind jedenfalls meine persönlichen Kriterien. Die Kriterien eines anderen mögen völlig anders gelagert sein
Gäbe es technisch bessere Ausrüstung? Ja, ganz sicher. Aber die Ausrüstung käme nicht nur zu einem finanziell höheren Preis, sondern brächte auch z.B. ein deutlich erhöhtes Volumen und Gewicht mit sich. Und die Frage, die ich mir, für mein Amateur-Dasein stelle, ist dann: Lohnt es sich? Oder wäre es einfach überdimensioniert? Wer wird den qualitativen Unterschied feststellen, wenn die meisten Bilder maximal in ein Fotobuch gedruckt werden?
Der Einfluss von Influencern
Eine letzte Überlegung möchte ich zu den Fotografie-Influencern anstellen. Wenn man sich mit den Medien rund um die Fotografie beschäftigt, besonders auf der Youtube-Platform oder in Blogs, oder auch auf Instagram, gibt es viele Kanäle, die Fotografie-Ausrüstung anpreisen. Ganz viel Material findet man zu Neuerscheinungen, was von der Herstellern auch fleißig befeuert wird, in dem Events für Influencer veranstaltet werden oder indem Vorführgeräte für einige Tage zur Verfügung gestellt werden. Es findet sich aber auch viel Inhalt zu „älterer Fototechnik“, die ja sozusagen durch zunehmende Neuerscheinungen auch immer mehr wächst.

Diese Technik-Reviews preisen häufig insbesondere Kameras und Objektive an und vermitteln irgendwo doch: „Wenn du dieses Objektiv kaufst, dann werden solche fantastischen Bilder möglich“ oder „wenn du jene Kamera kaufst, dann ist diese neue Funktion ein ‚Gamechanger‘! Du brauchst sie unbedingt!“
Teilweise entsteht dann um manche Produkte ein regelrechter Hype, sie werden in den Himmel gelobt.
Andere Produkte werden verrissen, weil ein sogenanntes „Keyfeature“ fehlt, das aus Sicht des Rezensenten entscheidend ist, das viele Nutzer in der Praxis kaum jucken dürfte. (Ein Beispiel sei genannt, dass suggeriert wird, mit Kameras, die „nur“ 5 Bilder in der Sekunde aufnehmen können, könne man keine Sportaufnahmen machen – bei solchen Äußerungen frage ich mich immer wie die Sportjournalisten gearbeitet haben zu Zeiten, als es keinen Autofokus gab und ein Film nur 36 Bilder hatte… (damit sei nicht gesagt, dass Sportaufnahmen nicht von besserer Technik profitieren würden, die schlägt sich sehr wohl in den Bildern nieder, aber auch mit unterlegener Ausstattung lassen sich teils erstaunliche Ergebnisse erzielen)
Auch Aussagen, die so klingen als ob Kameras ohne Touch-Display heutzutage nicht mehr benutzbar seien und direkt entsorgt werden sollten, fallen für mich wohl in eine ähnliche Kategorie. (Und ja, das Touch-Display kann für einige Anwendungen große Vorteile bieten, das will ich hier auch nicht bestreiten).
Was viele dieser Technik-Reviews suggerieren, ist, dass man erst technisch richtig gut ausgestattet sein muss, bevor man sich daran wagen kann, gute Fotos zu schießen. Es gibt auch manche Stimmen, die andere Töne anschlagen, aber die sind vergleichsweise rar. (Umso erfreuter bin ich aber, dass es sie gibt)
Meine persönliche Einschätzung der technikaffinen Fototografie-Szene.
Meine Bewertung dieser Influencer-Videos oder Artikel (seien sie nun gesponsert oder auch nicht) ist durchaus ambivalent. Denn die Kriterien, die teils angelegt werden (Fokus auf maximale Abbildungsleistung, auf maximale Serienbildgeschwindigkeit und vergleichbare Qualitätsmerkmale und nicht das Herausstellen der Kreativität im Umgang mit diesen Bilder-Mach-Maschinen) sind aus meiner Sicht teils irreführend, dahingehend, dass sie nahelegen, dass die Voraussetzung für gute Fotografien in technischer Perfektion bei der Bildqualität liegt.
Das kann den unbedarften Fotografie-Interessierten eher dazu bringen Datenblätter möglicher neuer Anschaffungen zu studieren, oder sich eben – wie es irgendwie spöttisch genannt wird – „Gear-Porn“ anzuschauen. Damit gemeint ist, dass Kameras, Objektive, oder sonstige Gerätschaften wie im Werbekatalog präsentiert werden, in einem Setting mit schöner Ausleuchtung und dazu werden Beispielbilder gezeigt, die unter traumhaften Bedingungen entstanden sind und den Eindruck erwecken: „Ja, das sind die Bilder, die mit dieser Kamera, mit diesem Objektiv oder mit diesem Speedlight entstehen (oder fast automatisch entstehen werden)“. Und sicher, zu einem gewissen Anteil sind die Bilder von der Ausrüstung abhängig. Einen wesentlicheren Anteil machen aber der Ort, das Licht, das Motiv, die Perspektive. Ein Objektiv mit Blende 1,4 macht nur unwesentlich bessere Bilder als das günstigere Gegenstück mit Blende 1,8. Ja, beim teureren Objektiv wird alles ein bisschen besser sein, Verarbeitung, Bedienkomfort, Autofokus, gewisse Nuancen in der Bildqualität, im Detail an vielen Stellen. Ich hab das mal durchgespielt und getestet. Ja, es gibt die Unterschiede. Ich kann sie sehen. Aber sind sie am Ende so entscheidend für das fertige Bild global gesehen? In gewissen Fällen sehe ich das zweifellos so ein. Ein „milchiges“ Billig-Teleobjektiv aus den 90ern kann kein richtiges spezialisiertes, modernes Portrait-Objektiv ersetzen. Es sei denn, die Bilder sollen so „milchig“ aussehen. Aber in vielen Situationen sprechen wir mehr von Nuancen und sagen wir mal Unterschieden in Extremsituationen oder, wenn man Bilder stark vergrößert.
Was diese „Ausrüstungs-Pornografie“ beim Betrachter nicht bewirkt, ist, dafür dankbar zu sein, was er bereits an guter Technik zu Hause hat. Er findet auf diese Weise nicht die Motivation, das kreative Potenzial der vorhandenen Ausrüstung auch wirklich auszureizen.
Letztlich ist es eine Frage der Einstellung und der Motivation, aus dem, was man hat, etwas Schönes zu machen.
Was jemand mit einer trainierten Hand und einem trainierten Auge mit einem gewöhnlichen Bleistift anfangen kann, wenn er weiß, was er tut, ist erstaunlich. Ein anderer kann es nicht, weil er womöglich nicht das Talent, aber auch nicht das Training oder die Expertise dazu hat.
Meistens braucht es gar nicht so viel um damit kreativ zu sein. Fotografieren heißt immer auch Probleme zu lösen, die sich aus Einschränkungen ergeben. Es liegt dann schnell nahe zu sagen, man bräuchte mehr Leistung in Form von neuerer oder besserer Technik. Das kann – wie gesagt – wirklich etwas ausmachen. Aber vielleicht hätte es einen anderen Weg gegeben, auf dem Geld gespart werden hätte können. Stattdessen hätte es womöglich ein anderes Verständnis gebraucht, ob und wie die gegebene Begrenzung überwunden werden kann – mit den vorhandenen Mitteln. Kreativität hängt nicht an meiner Kamera oder meinem Objektiv, sondern fängt in meinem eigenen Kopf an.
Kleiner Tipp:
Ich fand dazu dieses Video spannend, von einem alten, lebens-erfahrenen Fotografen, wer der Sprache mächtig ist, unbedingt im originalen Englisch schauen: