Der folgende Beitrag ist anhand eines Produktes entstanden, das ich selber erworben habe und stellt meine persönliche Sichtweise dar.
Ich bin ein Amateur-Nutzer des Canon RF-Systems, habe aber auch schon zu Zeiten schon mit anderen Kameras gearbeitet, wie Sony, Olympus, Panasonic…

Gerade bei Canon haben die Objektive mit „Profi-Qualität“ den Ruf, dass sie zwar sehr gut, aber vergleichsweise teuer sind.
Wenn die Priorität ist, mit vergleichsweise wenig Volumen und Gewicht und mit wenig finanziellem Aufwand loszuziehen, wird man früher oder später auf die preisgünstigen Objektive von Canon stoßen (andere Objektiv-Hersteller, die es zahlreich gibt und die für andere Systeme viele und teils optisch starke und gut bezahlbare Objektive veröffentlichen, schließt Canon derzeit – von wenigen Ausnahmen abgesehen – weitgehend aus seinem Kamerasystem aus).

Die preisgünstigen, vergleichsweise kompakt gebauten Objektive haben gewisse Nachteile, die man wie folgt zusammen fassen könnte:
-Vergleichsweise „schwache“ Bilqualität, insbesondere zu den Bild-Ecken hin usw…
-Technisch schwächere Bauart und weniger Robustheit, z.B. kein Spritzwasserschutz oder der Objektivtubus fährt heraus und das Objektiv wird länger beim fokussieren
-Oftmals lassen die Objektive weniger Licht als die professioneller ausgestatten Modelle auf den Bildsensor
-Der Autofokus ist eher „langsam“ und laut zu hören, die weitere technische Ausstattung ist vergleichsweise „schwach“ und weniger zuverlässig.

Das Canon RF 50mm f/1,8 STM
Von der Art „kompakt gebaut“ und „preisgünstig“ bot Canon schon in seinen früheren Systemen immer wieder klassische lichtstarke und günstige 50mm-Objektive (mit Blende 1,8) an. Canon bietet ein solches Objektiv auch in ihrem neusten Kamera-System an, nämlich das RF 50mm f/1,8 STM.


Wenn man sich so durch Foren für Fotografie-Technik-Nerds liest oder selbst Rezensionen bei größeren Online-Händlern wie Amazon liest, kann man zu dem besagten Objektiv bei einigen Rezensenten schnell den Eindruck gewinnen:
„Weich bei Offenblende 1,8“ oder „erst bei Blende 4 brauchbar“, „harsches Bokeh“ (unruhige Darstellung der unscharfen Bildbereiche) oder „Autofokus trifft oft nicht“ oder „Billigbauweise und sehr lauter Autofokus“.

Letztlich ist es natürlich immer eine Frage des Anspruches und woran man ein solches Objektiv misst und an welche Kamera man es schraubt.
Und es ist eine Frage, was man mit den Bildern macht. Ich denke, dass man heute in vieler Hinsicht so ausgereifte Technologie in Händen halten kann, dass man gar nicht mehr wahr nimmt, wie gut sie eigentlich ist und, dass viele Fotografen früherer Zeiten mit weit weniger leistungsstarken Werkzeugen gearbeitet haben und die Bilder sind dennoch eindrucksvoll geworden, wenn auch die Technik „schwächer“ war.

Ich weiß nicht, ob der hohe Grad an Automatisierung, den man nicht nur in „Fotoapparaten“ findet, immer so gut ist, weil es zumindest dazu verleiten kann, seinen eigenen Kopf nicht mehr zu benutzen um zu Lösungen zu kommen.
Das Canon RF 50mm 1,8 STM-Objektiv ist kein per se „schlechtes“ Objektiv. Es bildet schärfer und insgesamt besser ab als seine Vorgänger (die ich früher auch genutzt habe), aber ohne Frage ist es sichtbar „schwächer“ als das mehr als 10 Mal so teure Canon RF 50mm f/1,2-Objektiv.

Die Frage für mich ist aber, was ist mein Ziel? Landschaftsaufnahmen mit klinischer Schärfe bis in die Bildecken um mehrere Meter lange Fotoleinwände zu bedrucken und zu verkaufen?
Oder geht es mir darum, Erinnerungen einzufangen für mich, für meine Familie… von Orten, Momenten, Emotionen? Ja, das Bild soll „scharf“ und es soll „erkennbar“ sein, was fotografiert wurde und mit den heutigen spiegel-losen Kameras und mit fotografischem Sachverstand (d.h. ich weiß auch, wann ich eingreifen muss, wenn die Kamera-Automatik nicht das tut, was ich will) ist das bei nahezu keinem Objektiv, das richtig funktioniert, ein Problem und besonders beim RF 50mm f/1,8 hat man eben den Vorteil, dass es vergleichsweise lichtstark ist und der Autofokus sich allein schon deswegen leichter tut, wenn das Licht rar ist.

Hat das Objektiv schlimmere Macken?
Ein auffälliges Beispiel für die einfache Optik-Konstruktion sei genannt: Besonders seitlich einfallendes Licht, wo die Lichtquelle nicht mal im Bild ist, kann heftige Effekte produzieren. Aber auch starke Lichtquellen am Bildrand können Effekte machen. Ich kann dann für mich den Schluss ziehen und sagen: Ich hüte mich vor solchem Licht oder ich hüte mich vor dem Objektiv.

Aber ich kann diese Macken auch annehmen und gezielt einsetzen bzw. damit experimentieren. Man sollte nicht bei rot über die Ampel fahren. Das kann gefährlich enden. Aber wie man mit solchen „Macken“ umgeht, ist letztlich persönliche Vorliebe und an die eigenen Erwartungen oder die Erwartungen von etwaigen Auftraggebern geknüpft.

„Schlimmer“ finde ich die Bauweise des Objektivs und die Tatsache, dass der innere Tubus physisch ausfährt beim Fokussieren.

Man könnte das problemlos anders bauen, so dass das Objektiv sich nur innen bewegt und dass der Autofokus wenig hörbar ist. Das schaffen auch andere Hersteller bei preisgünstigen Objektiven. Aber nur Canon kennt die Technik und Kalkulationen dahinter genau.
Mir ist klar, dass das Objektiv ausgeschaltet kompakter ist und, dass man dieses Objektiv auf diese Weise kleiner und kompakter bauen kann. Das ist sicher ein Argument. Aber schön und geschmeidig wirkt es nicht (und das soll es womöglich auch nicht).
Was sind die Stärken?
Das Objektiv ist einfach sehr klein und leicht und man hat es unbeschwert an der Kamera. 50mm an einer Kamera mit Vollformat-Bildsensor sind ziemlich universell. Man kann sehr viel damit anstellen, Portraits gehen damit super, Familienbilder, Bilder auf Feiern, aber auch das Fotografieren im Stadtgeschehen, wenn es mehr darum geht, das Geschehen einzufangen und die Architektur Teil des Bildes ist, aber nicht der Hauptsächliche Fokus.







Fazit: Für unterwegs, für Feiern, für spontane Portraits, für spontane Aufnahmen von Kindern. Das Canon RF 50mm f/1,8 STM ist ein vielseitiger, kompakter Begleiter. Nicht ohne Schwächen, aber für viele Ansprüche allemal tauglich und kann schöne Bilder produzieren, wenn man weiß, was man tut.
Dem Objektiv geht natürlich eine Robuste Bauweise ab und klar, technisch gesehen gibt manchen Makel. Aber lassen sich damit gut Erinnerungen und besondere fliehende Momente festhalten? Ich würde ein klares Ja! dazu äußern. Meist sind nur wir Fotografen es, die das Bild auf einzelne Pixel perfektionistisch untersuchen. Der durchschnittliche Betrachter hingegen achtet auf Motiv und Bildaussage.