Larger than Life – Teleobjektive

Viele Arten von Objektiven

Jede Art von Objektiv hat seine eigenen Besonderheiten in der Handhabung und im Einsatzzweck. Jedes Objektiv ist für sich genommen ein besonderes Werkzeug.

Es gibt Ultra-Weitwinkel-Objektive (es passt sehr viel aufs Bild), Weitwinkelobjektive, Normal-Objektive (die ungefähr dem Blickwinkel unseres Auges entsprechen). Dann gibt es noch Tele-Objektive. Teleobjektive zeigen einen vergleichsweise weit entfernten Bildausschnitt groß. Damit kann man weit entfernte Motive nah heran holen.

Um den Mond so groß zu fotografieren, benötigt man ein einigermaßen starkes Teleobjektiv. Das Ergebnis wird aber je nach Klarheit der Luft besser oder schlechter. Man ist da einfach gleichermaßen von guten Bedingungen wie von einer geeigneten Ausrüstung abhängig. 2025

Natürlich gibt es Zoom-Objektive, die mehrere Arten von Objektiven in einem Objektiv vereinen. Es gibt inzwischen sogar ein sogenanntes Super-Zoom-Objektiv, das vom leichten Ultra-Weitwinkel bis zum mittleren Tele-Objektiv einen wirklich umfassenden Zoombereich anbietet (namentlich das Sigma 20-200mm-Objektiv für Vollformat-Kameras, Stand 12/2025). Man verzichtet dabei auf ein Objektiv, das viel Licht auf den Sensor lässt (gewissermaßen für einige Anwendungen unflexibel), gewinnt dabei aber eine wahnsinnige Flexibilität bei der Bildkomposition.

Wenn man auf absolute Bildqualität aus ist, kann man klar sagen, dass ein reines Tele-Zoom-Objektiv in der Konstruktion weniger anfällig für Bildfehler ist als ein Superzoomobjektiv. Starke Teleobjektive werden gerne hergenommen für Aufnahmen von Wildtieren, aber auch Aufnahmen vom Mond, Flugzeugen und vielen anderen Motiven sind möglich.

Larger than Life

Teleobjektive haben manche interessante Charakteristik, warum sie sich auch besonders für Portraits (klassisch eher „leichte“ Tele-Objektive), Sportaufnahmen oder für Architekturaufnahmen herrlich verwenden lassen.

Wesentlich ist für mich da eine Eigenschaft, die ich so beschreiben würde, dass  Motive mehr hervorgehoben werden als es normalerweise in der Wahrnehmung unserer Augen möglich ist. Ich würde das als den „Larger-than-Life“-Effekt bezeichnen (ein wenig schwer zu übersetzen, aber ich meine damit, dass das Motiv weit spektakulärer und dramatischer und oftmals plastischer wirkt als in unserer alltäglichen Wahrnehmung).

Ich kenne das von Sportübertragungen im Fernsehen. Alles sieht dynamisch und spektakulär aus, fast übermenschlich. Bin ich dann als Zuschauer in einem Stadion, wirkt das Können der Athleten sicherlich beeindruckend. Es wirkt aber gleichzeitig menschlicher und nahbarer als in den TV-Übertragungen. Dafür ist die Akustik bei einem realen Stadionbesuch überlegen und nicht angemessen fürs Fernsehen einzufangen.

„Larger than Life‘. Die Marienstatue am Marienplatz in München steht auf einer 11 Meter hohen Säule. Wenn man versucht, die Statue mit einem weitwinkligen Objektiv aufzunehmen, bekommt man nicht diesen großen oder imposanten, detalierten Eindruck. Dafür ist die Statue viel zu weit weg und sieht aus der Ferne eher oder auch, wenn man direkt unter ihr steht, ein wenig „kümmerlich aus“. München 2025

Wider than Life

Bei Ultra-Winkel-Objektiven gibt es gewissermaßen einem vergleichbaren Effekt, den ich aber als „Wider than Life“ bezeichnen würde. Es passt so viel mehr aufs Bild als wir normalerweise sehen. Und das lässt das Bild ebenso dramatischer und dynamischer wirken, wenn man es gezielt einsetzt.

„Wider than Life“. Ein Bild mit einem Ultra-Weitwinkel-Objektiv.  Mit einem „normalen“ Weitwinkelobjektiv würde das Bild weniger dramatisch wirken… Hier entsteht der Eindruck einer Dynamik – von der Mitte aus, nach oben und nach unten in die Bild-Ecken „ziehend“. 2025

Diesen Effekt, dass alles „größer“ und „intensiver“ aussieht, kann man sich in manchem Genre zu Nutze machen. Bei Sportaufnahmen sind zum einen Weitwinkelaufnahmen nicht leicht umsetzbar, weil das für den Fotografen und / oder die Kamera ein hohes Verletzungs oder Zerstörungsrisiko bedeutet und man ja immer in der Gefahr steht, im Weg der Athleten herum zu stehen. Zudem hat ein Weitwinkelobjektiv einfach die Tendenz, ein Motiv im Kontext bzw. der Interaktion mit seiner Umgebung zu zeigen. Ein Teleobjektiv hebt das Motiv oftmals von seiner Umgebung ab und trennt gewissermaßen das Motiv vom Hintergrund (Wie oben an der Statue zu sehen). Das ist bei Sport-Aufnahmen, bei Tieraufnahmen, aber auch bei Portraits ein durchaus gewollter Effekt.

Teleobjektive sind nicht ersetzbar

Was für Sportaufnahmen gilt, das gilt für viele andere Genres, die auf Teleobjektive setzen. Scheue Tiere bekommt man oft nur mit einem besonders starken Teleobjektiv aufgenommen. Aber auch bei Events setzen Bühnenaufnahmen oft ein Teleobjektiv voraus, wenn man Details und nicht lediglich eine Gesamtansicht zeigen möchte. Ich kann nicht immer näher an ein Motiv heran gehen und vielleicht will ich auch bewusst nicht nah ein Motiv heran gehen und stattdessen beispielsweise ein Gebäude absichtlich aus erhöhter Position von weiter Entfernung zeigen.

Je nach Position des Fotografen und je nach Vergrößerungsvermögen des Teleobjektivs verändert sich das aufgenommene Bild enorm, auch wenn das Motiv dasselbe bleibt. Einen solchen Effekt kann ich niemals mit einer kleinen Kompaktkamera mit fest verbautem Festbrennweiten-Objektiv erzielen (wie zum Beispiel Fujifilms X100-Reihe). Das ist auch nicht die Aufgabe einer solchen Kamera. Aber es wird deutlich, dass Teleobjektive für bestimmte Anwendungen nicht wegzudenken sind.

Natürlich kann man das Ulmer Münster von unten aus der „Froschperspektive“ zeigen, was ja oft so gehandhabt wird, insbesondere bei einem so hohen und großen Gebäude. Wenn man die Gelegenheit hat, kann man das Gebäude aus größerer Entfernung und bevorzugt aus erhöhter Position zeigen. Entsprechend geeignetes Wetter ist dafür Voraussetzung. (Hier dürfte die Entfernung ca. 1km betragen). Ulm 2025
Ähnliche Blickrichtung als zuvor. Jedoch ist die Entfernung hier wesentlich größer, vielleicht 4km Luftlinie geschätzt. Hier waren die Bedingungen ausgezeichnet. Abendliches Licht und eine insgesamt recht klare Sicht. Ulm 2024

Einen Sonnenaufgang kann man selbstverständlich mit nahezu jedem Objektiv aufnehmen. Aber will ich die Sonne als klar erkennbare (am besten rote) „Kugel“ aufnehmen, dann braucht es ein Teleobjektiv. Die Möglichkeit für solche Aufnahmen sind gewissermaßen rar. Denn oft sieht man die Sonne Abends oder Morgens nicht so frei am Horizont. Es reicht, dass Bäume, Häuser, ein Berg im Weg sind, nicht zu reden von Wolken. Und wer hat schon oft Zeit, genau zum Sonnenauf – oder Untergang zu fotografieren?

Eine Aufnahme zu winterlicher Zeit, die Sonne kommt eben über einen Hügel. Ein magischer fliehender Moment. 2025

Den Hintergrund vorteilhaft einsetzen

Genial bei Teleobjektiven ist auch die Möglichkeit, den Hintergrund besonders einzusetzen. Beim Teleobjektiv wird der Hintergrund genauso wie das Motiv vergrößert dargestellt. Gerade z.B. eine recht einheitliche Wasserfläche kann einen herrlichen, klaren, homogenen Hintergrund darstellen, der nicht ablenkt. Wenn man es richtig anstellt, kann man sehr ruhige, klare, fokussierte Bilder machen, wo durch den homogenen und Ablenkungs-freien Hintergrund das Motiv im Vordergrund umso mehr hervorgehoben wird. Solche Bilder können eine besondere Ruhe ausstrahlen, weil sie so geordnet wirken.

Die homogene Wasserfläche gibt einen einfachen, klaren Hintergrund und ist arm an ablenkenden Elementen. 2011

Details herausarbeiten

Teleobjektive sind fantastische Werkzeuge um Details herauszuarbeiten. Ich denke beispielsweise an die vielen Außen-Fassaden von Gebäuden, an denen sich kunstfertige Steinmetze abgearbeitet haben müssen.

Die meisten Menschen können gar nicht wahrnehmen, was da zu sehen ist. Es ist zu weit oben, zu weit weg. Man kann es mit den Augen gar nicht wahrnehmen. Und doch gibt es viele Millionen Quadratmeter mit Mustern, Skulpturen, Reliefs, die außen an Gebäuden angebracht sind, die kaum jemand sieht und wahr nimmt. Ein Teleobjektiv, kann es sichtbar machen.

Skulpturen am Ulmer Münster. Die Aufnahme stammt aus einem recht moderaten Teleobjektiv. Mit entsprechender Ausrüstung lassen sich noch ganz andere Details herausarbeiten. Hier kommt dem Aufnahme zugute, dass das Licht die Gestalt des Gebäudes gut hervorhebt, weil das Licht hier schräg aufs Motiv fällt und die Sonne bereits recht tief steht. 2025

Man kann sagen: Ebenso wie Makro-Objektive Details von zugänglichen, aber für unser Auge kaum sichtbaren kleinen Strukturen wiedergeben können, schenken Teleobjektive Details von wenig zugänglichen, oft weit entfernten, aber durchaus wunderbar heraus gearbeiteten Strukturen. In der Architektur kann das durchaus auch Innenarchitektur betreffen.

In luftiger Höhe thront diese Statue über einem Brunnen. Details sind von unten mit bloßem Auge kaum auszumachen. 2025

Die wenigsten Menschen tragen ein Fernglas mit sich, mit dem sie die Beschaffenheiten von Gebäude-Außen-Fassaden betrachten. Es geht aber auch um die Beschaffenheit von Vogelfedern oder die Beschaffenheit der Augen eines Tieres

Landschaftsaufnahmen mit Teleobjektiven

Klassisch werden von vielen Nutzern für Landschaftsaufnahmen Ultra-Weitwinkel- und Weitwinkel-Objektive verwendet. Das hat sicherlich seine Berechtigung. An einem See oder Fluss wird das Bild sorgfältig komponiert, Steine im Wasser am unteren Bildrand werden ebenso sorgfältig beachtet wie die genaue Position der Sonne oder der sonstigen Bildelemente. Dadurch können sehr schöne Aufnahmen gemacht werden. Aber der Nachteil ist, dass tatsächlich mehr der direkte Vordergrund betont wird und die entfernteren Teile des Bildes gewissermaßen in weitere Ferne rücken. Das kann wunderbar aussehen am Fuß eines Berges.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten für Landschaftsaufnahmen mit Teleobjektiven. Besonders an Tagen mit besonders klarer Sicht, manchmal kann man in meiner Gegend bis zu 200km weit entfernte Gebirgsketten sehen. Von einem erhöhten Punkt aus kann man dann verschiedene Ebenen zeigen, z.B. von einem nahen Bereich (innerhalb 1 Kilometer Entfernung) bis zu Bergen, die 200km entfernt sind. Natürlich sind die weiter entfernten Bild-Bereiche dann zum ersten daran zu erkennen, dass sie gewissermaßen im Bild höher liegen, zudem ist sichtlich eine bläuliche Farb-Verschiebung bei weit entfernten Objekte zu bemerken.

Viele Ebenen sind zu sehen bei diesem in der Dämmerung geschossenem Bild. Im Vordergrund sind die Dächer vielleicht 1 Kilometer entfernt. Die Straße mit den Autos dürfte 2 Kilometer entfernt sein. Der Kirchturm dürfte 4 Kilometer entfernt sein. Der Wald dahinter liegt noch einmal einige Kilometer weiter entfernt. Das Gebirge dürfte mehr als 100 Kilometer entfernt sein. Die Farb-Verschiebung kommt hier etwas geringer zur Geltung, da das Dämmerlicht sowieso schon eine stark bläuliche Färbung aufweist, gleichzeitig sieht man die Berge im Hintergrund verblasst, angesichts der vielen Luft, die sich zwischen dem Fotografen und dem Motiv befindet. 2025

Man kann mit diesem Effekt der verschiedenen Bildebenen wunderbar spielen.

Hier sind wenigstens drei Ebenen zu erkennen. Der Vordergrund mit dem Weg und der Bank. Dann links sind Bäume und Sträucher zu erkennen, die in einer mittleren Ebene liegen. Der Hintergrund zeigt das Tal, in diesem Fall Ulm Söflingen mit einem Kloster (mittig links). Das Bild entstand mit einer Reise-Zoom-Kompaktkamera, ich denke bei 12fachem optischem Zoom. Ulm 2011

Auch in Städten lässt sich der Effekt mit den unterschiedlichen Bildebenen gut umsetzen. Es ist sicher leichter aus erhöhter Position, aber bei langen, geraden Straßenzügen kann man es auch aus niedriger Position gut umsetzen, besonders bei etwas nebligen Bedingungen oder, wenn das Licht einzelne Ebenen unterschiedlich stark hervorhebt.

Verschiedene Ebenen sind sichtbar, bis zur hinteren Bild-Ebene (es ist tatsächlich das Gebäude der ARD bzw. des bayrischen Rundfunks), das bereits im Nebel versinkt. 2025

Tele-Objektive können nicht zaubern

Und obwohl Teleobjektive herrliche Werkzeuge für viele Aufgaben sein können, können auch sie nicht zaubern und gerade bei Landschaftsaufnahmen oder Aufnahmen in der Natur besteht eine große Abhängigkeit vom tatsächlich vorhandenen Licht. Gerade bei statischen Motiven können manche Tageszeiten von Vorteil sein, während andere Lichtverhältnisse zu einer anderen Tageszeit nicht so gut „funktionieren“. Letztlich gilt, wie bei allen Genres oder vielen anderen Lebensbereichen, dass man nicht darum herumkommt, persönlich zu lernen und auszuloten, welche Techniken zu welchem Zeitpunkt wie gut funktionieren.

Braucht man ein Tele-Objektiv?

Braucht man eine Kamera? Vermutlich nicht. Ich persönlich würde nicht darauf verzichten. Ich würde auch nicht auf wenigstens ein ordentliches Super-Zoom-Objektiv verzichten (7fach oder 10fach-Zoom), das neben Weitwinkelaufnahmen auch Teleaufnahmen möglich macht und gleichzeitig ganz viel Flexibilität für viele Motive schenkt, vorausgesetzt, es ist einigermaßen hell. Ein anderer ist zufrieden mit seiner Kamera mit 3fach Standard-Zoom, das nur eine begrenzte Tele-Erfahrung zulässt.

Tierfotografie ist noch ein ganz besonders anspruchsvolles Genre. Hier war die recht gut an Menschen gewohnte Gans nicht sehr scheu.