Canon bietet in seinem Sortiment fraglos gute Optiken an. Die meisten davon sind entweder Festbrennweiten oder höchstens 3fach oder 4fach Zooms mit vergleichsweise großer Blendenöffnung, also mit großer „Lichtstärke“
Diese Optiken sind oftmals gut verarbeitet, Spritzwasser und Staub-geschützt und kosten eine Menge Geld.

Canon „pflegt“ sein APS-C-System ein wenig stiefmütterlich
Canon bietet in seinem System schwerpunktmäßig Kameras mit dem „großen“ Vollformatsensor an. Für seine Kameras mit dem kleineren APS-C-Sensor bietet Canon für sein R-System leider nur wenige für das kleine Sensorformat ausgelegte Optiken an (man könnte argumentieren, man kann ja an die „kleinen“ Canon-Kameras die Optiken der „großen“ Canons anschließen, was ja teilweise auch durchaus Sinn macht).
Ich zähle nur 5 Optiken im Moment (Stand 01/2026), die auf das kleine Sensor-Format getrimmt sind. Das sind ein kleines Fast-Dreifach-Zoom (18-45mm), ein Teleobjektiv (55-210mm) und zwei Optiken, die mehr mehr im Ultra-Weitwinkelbereich verortet (10-18mm und ein elektronisch zoomendes 14-30mm). Das sind 4 allesamt eher kompakte Objektive mit einer kleinen Blendeöffnung. Canon hat Fremdherstellern wie Sigma oder Tamron zudem erlaubt, einige ihrer teils auch „lichtstärkeren“ Optiken für Canons „kleine“ APS-C-Kameras zu veröffentlichen, aber abgesehen von den genannten 4 Optiken hat Canon nur eine weitere Optik hergestellt.
Denn zuletzt gibt es noch das Canon RF-S 18-150mm f/3,5-6,3 IS STM-Superzoom-Objektiv, welches auch nur eine kleine Blendenöffnung aufweist und sich damit nur begrenzt für das Fotografieren bei wenig Umgebungslicht eignet. Um dieses Objektiv soll es nun im Artikel gehen.

Ein absolut unspektakuläres Objektiv
Nein. Dieses Objektiv stellt keine bahnbrechende Neuerung dar. Es ist gewissermaßen in seiner Funktion sehr universell und gleichzeitig unspektakulär. Nahezu jeder Hersteller bietet in seinem System eine oder mehrere vergleichbare Optiken an, selbst für die große Vollformat-Kameras wird diese Art von Objektiv gerne angeboten. Nikon, Sony, Fujifilm, Panasonic, alle bieten in ihren Systemen vergleichbare Optiken an, ebenso wie die Objektivhersteller Tamron und Sigma. Auch Canon selbst bietet mit einem RF 24-240mm-Zoom-ein Objektiv in einem ähnlichen Bildwinkelbereich für seine „großen“ Vollformat-Kameras an.
Zwei Objektive in einem
Canon legt seinen physisch kleinsten Kameras gern ein oder zwei Objektive bei. Meist wird das kleine 18-45mm-Objektiv beigelegt. In manchen Sets befindet sich zusätzlich das 55-210mm-Teleobjektiv. Mit beiden Optiken ist der Fotografie-Interessierte für viele fotografische Situationen gewappnet. Motive in der Nähe, Gruppenbilder, Aufnahmen, wo ganze Gebäude mit zu Sehen sein sollen, setzen oft ein weitwinkliges Objektiv voraus (wie das 18-45mm-Objektiv).

Tiere im Zoo, weit entfernte Motive, wie z.B. Gebirgsketten oder Details auf einem Hausdach lassen sich gut mit dem Teleobjektiv einfangen (wie dem 55-210mm-Telezoom)
Nur kann folgendes passieren: Irgendwann wird der Fotografie-Interessierte merken, dass es ziemlich störend sein kann, für unterschiedliche Anwendungen jeweils das Objektiv zu wechseln. Mal will man ein Gruppenbild machen, mal ein weiter entferntes Detail am Gebäude im Bild „nah heranholen“.

Und wenn man das vom einen auf den anderen Moment umsetzen möchte, muss man zwischendurch das Objektiv wechseln oder sich doch mit dem Objektiv abfinden, das sich aktuell auf der Kamera befindet.
Das Wechseln oder die Umständlichkeit des Objektivwechsels kann natürlich großen Frust verursachen, wenn man immer wieder eine geniale Gelegenheit für ein Motiv und Bild sieht, aber das Objektiv auf der Kamera zu viel oder zu wenig vom.Motiv aufs Bild bringt.
Das SUPER-Zoom-Objektiv

Aber keine Sorge, Canon (und auch die vielen anderen Hersteller) eilen zur Rettung!
Das Super-Zoom-Objektiv, quasi ein Über-Objektiv stellt sich dem Frust des Fotografen entschlossen und entschieden entgegen! Denn es vereint in einem Objektiv gewissermaßen mehrere Objektive – und hat mich mit einer besonderen Funktion sogar ziemlich überrascht. Aber dazu mehr.

Ich will nicht sagen, dass das kleine Canon RF-S 18-45mm Objektiv und das RF-S 55-210mm unnütze Objektive sind. Ja, in den richtigen Händen und bei entsprechendem Umgebungslicht sind es nützliche Werkzeuge, mit denen wunderbare Aufnahmen gemacht werden können.
Und man kann sagen, das 18-45mm-Objektiv ist noch einmal ein gutes Stück kleiner als das 18-150mm-Objektiv und kann daher für manche Anwendungen nützlich sein, weil es noch einmal weniger sperrig ist.
Wo liegen die Stärken?
Das Canon RF-S 18-150mm ist in verschiedener Hinsicht eine ziemlich starke Konstruktion.

Zum Einen handelt es sich um eine sehr leichte Bauweise, zum anderen ist es sehr kompakt, ein klassisches DSLR-Objektiv mit einem 18-55mm 3fach-Zoom ist kaum kleiner. Aber beim Canon RF-S 18-150mm-Objektiv gibt es einen 8fachen Zoom.
Man verliert vom Brennweitenbereich her nur den Bereich zwischen 150mm und 210mm. Sonst ist alles abgedeckt, was zwei Objektive abdecken. Kein Objektiv-Wechseln ist nötig und man hat vielfältige Möglichkeiten und ist sehr flexibel mit seinem Bildausschnitt.

Ein Bildstabilisator ist zudem integriert (der ist in Ordnung, vollbringt aber keine Wunder).


Welche Genres können mit dem Objektiv abgedeckt werden?
An erster Stelle sei die Reisefotografie genannt. Man kommt an Orte, die man nicht kennt, man weiß nicht, was einen erwartet. Dort spielt so ein flexibles Zoom seine Stärken aus.
Man kann sehr viele Situationen abdecken. Wenn genug Licht vorhanden ist, kann man im Zoo, beim Ausflug, bei der Familienfeier, bei letztlich ganz vielen Aktivitäten dieses Objektiv hervorholen und es kann viele Situationen fotografisch abdecken und dokumentieren. Es ist einfach sehr universell einsetzbar.
Was kann es nicht?
Das Objektiv hat die Stärke, dass es so universell ist. Aber diese Stärke ist gleichzeitig auch seine Schwäche. Was es nicht kann, sind Aufnahmen in extremeren Situationen, die besondere Ausrüstung erfordern. Ich nehme das Canon RF-S 18-150mm-Objektiv nicht zur Hand bei richtigen Sportaufnahmen, bei Aufnahmen mit wenig Licht, bei extremen Wetterbedingungen, bei richtigen Portraitaufnahmen, bei einer Hochzeit oder bei einem Event wie einer Taufe in einer (eher schwach ausgeleuchteten) Kirche. Ich hole es auch nicht her für Aufnahmen von scheuen Wildtieren. Und ich entferne das Objektiv von meiner Kamera bei wenig Licht (die wenig Licht einlassende Blende von 6,3 wird schon recht früh im Zoombereich erreicht).
Es gibt viele Situationen, wo andere, mehr spezialisierte Objektive sich als potentere Werkzeuge herausstellen, während dieses Objektiv einfach zu „schwach“ auf der Brust ist und sich keine vernünftigen Ergebnisse mehr erzielen lassen, allein der Autofokus streicht schneller als andere Objektive die Segel bei unguten Lichtverhältnissen. Das ist wirklich spürbar, wenn man es mit anderen Objektiven vergleicht, die mehr Licht in die Kamera lassen und über ein besseres Autofokus-System verfügen.

Ein lichtstarkes Profizoom von Canon oder einem anderen Hersteller bietet zwar einen kleineren Zoombereich, lässt aber das Canon RF-S 18-150mm-Objektiv alt aussehen in Sachen Bildqualität, wenn man die Bilder im Detail vergleicht. Genauso ist die Abdichtung gegen Spritzwasser und Staub im Profizoom-Objektiv Standard. Bei 18-150mm-Super-Zoom-Objektiv wird darauf verzichtet.
Die bessere Bildqualität des Profizooms und die Wetterfestigkeit und robustere Bauweise erkauft man sich aber freilich sowohl finanziell in den Anschaffungskosten aber auch im Gewicht und Volumen des Objektivs.
Die Bildqualität
Wie beschrieben gibt es zweifellos viele Objektive, die eine höhere Bildqualität aufweisen, was Schärfe und Bildkontrast angeht, aber verglichen mit früheren Ausbildungen von dieser Art von Objektiv ist die Bildqualität wirklich annehmbar, besonders in der Hinsicht, dass sie über den ganzen Zoombereich vergleichsweise konstant bleibt. Und auch die Schärfe des Bildes ist übers ganze Bild gesehen relativ konstant. (Es gibt keinen krassen Abfall der Schärfe zu den Bildrändern hin).
Das Objektiv handhabt Situationen mit Gegenlicht ganz ordentlich. Unschärfe im Vordergrund lässt sich begrenzt gut erzeugen und darstellen, eher bei kleinen Motiven mit entfernten Hintergrund, die man groß darstellt. Wenn man darauf Wert legt, nimmt man für Hintergrundunschärfe besser ein anderes Objektiv.
Was mich überrascht hat
Nach einiger Zeit der Nutzung musste ich feststellen, dass ich eine ziemlich nützliche Funktion des Objektives nicht bemerkt hatte. Canon weist auf diese Funktion zwar in der Objektivbeschreibung hin, aber bewirbt sie nicht aggressiv.
Stellt man das Objektiv auf 35mm ein, ist es möglich, makroähnliche Aufnahmen zu machen, die Vergrößerung soll den Faktor 0,58 betragen. Insbesondere an einem APSC-Sensor ist das schon eine ganz ordentliche Vergrößerung. In meinen Tests empfand ich die dabei abgerufene Bildqualität wirklich brauchbar. Mir spart es den Erwerb eines Makro-Objektives, weil ich die Funktion selten nutze und sie mir hier ausreichend umgesetzt ist.

Die Kehrseite der Zoom-Flexibiltät
Diesen kleinen Abschnitt schreibe ich als jemand, der gerne Festbrennweiten wegen der Flexibilität bei wenig Licht nutzt. Ich kann so auch bei Nacht in der Stadt mit Blende 2,0 unterwegs sein und Bilder machen, vorausgesetzt, es gibt eine ordentliche Straßen-Beleuchtung.
Wenn man regelmäßig eine bestimmte Festbrennweiten nutzt, gewöhnt man sich an die Bildwirkung und kann mit der Zeit schon ohne die Kamera ans Auge zu legen, ungefähr abschätzen, was auf das Bild kommt.
Das macht das Fotografieren intuitiv und mein Werkzeug bestimmt gewissermaßen, wie ich arbeite und begrenzt die Möglichkeiten meines Bildausschnitts. Wenn ich etwas ändern will, muss ich mich bewegen. Mit dem Zoom hat man viel mehr Möglichkeiten und manchmal ist man von den Möglichkeiten erschlagen, so dass es paradoxerweise schwerer fällt, eine gute Perspektive zu finden. Man hat eben einfach zu viele mögliche Positionen und Zoomeinstellungen zur Hand.
Fazit:
Für mich ist dieses Objektiv bzw. diese Art von Objektiv als Foto-Amateur unverzichtbar. Die hohe Zoom-Flexibilität erlaubt mir Bilder, die mit anderen Objektiven so nicht möglich sind. Ich kann schnell zwischen einem weiten Bildwinkel und einem Recht engen Bildwinkel wechseln. Das Objektiv ist dabei klein, leicht und wunderbar portabel. Für Reisen und Städtetrips ist es gut geeignet bei Tageslicht. Nur macht das Objektiv keineswegs vollautomatisch gute Bilder. Die Zoom-Möglichkeit mag „bequem“ sein, eine gute Bildgestaltung ist aber damit nicht zwangsläufig einfacher. Es scheint nur so.



Auch die „ikonischen Bilder“ der Frauenkirchen und der Marienstatue in München (siehe diesen Beitrag: https://fliehendemomente.de/2025/12/21/kurz-trip-nach-muenchen-ein-abend-mit-herrlichem-licht-und-ein-trueber-naechster-tag-inkl-christkindl-markt/ ) sind mit dem Objektiv entstanden… (siehe unten). Ich denke, dass da schon sichtbar wird, dass oft mehr das Licht als die absolute Schärfe des Objektivs den Unterschied bei einem schönen Foto machen (natürlich, im professionellen Setting mag das anders sein, je nachdem welche Bildqualitätsreserven für den Druck o.ä. nötig sind)



