
Besonders für diejenigen, die gerne draußen unterwegs sind und draußen fotografieren (auf mich trifft beides zu) kann schlechtes Wetter eine rechte Plage sein.
Wenn man nicht mit dem richtigen, spritzwasser-geschützten Equipment ausgestattet ist, wagt man sich nicht so gerne in extremere Wetterbedingungen wie z.B. stärkeren Regenfall, allein schon, wenn man Brillenträger ist, hat man dort einfach nur begrenzt Freude, wenn das Wetter wilder wird.

Und doch kann schlechtes Wetter auch eine Möglichkeit für stimmungsvolle Bilder sein.
Schlechtes Wetter als Chance ergreifen, nicht dagegen arbeiten
Wenigstens bei mir ist es so, dass sich in mir gegen äußerlich widrige Bedingungen einiges sträubt und es ist tatsächlich so: Man ist vielfach eingeschränkter. Vermutlich trägt man zusätzliche Kleidung und einen Schirm, wenn die Windbedingungen – und was man sonst noch bei sich trägt – es zulassen.

Man muss darauf achten, dass sensible Gegenstände wie Taschen mit Geldbörse und Smartphone oder sensible Teile des Outfits trocken bleiben, man ist in vieler Hinsicht einfach eingeschränkt, allein schon bei den Vorkehrungen für einen Aufenthalt im Freien muss man wesentlich mehr Zeit einplanen.
Die Frage ist nur, ob man darin einfach nur Hindernisse und Ärgernisse sieht, oder für sich bewusst ein Erlebnis draus macht. Kinder reagieren auf besonderes Wetter – wie Schneefall oder Regenwetter häufig so, dass sie die Gegebenheiten feiern. Im Schnee kann man überall Spuren hinterlassen. Der Untergrund verhält sich anders. Und auch im Regenwetter haben tiefe Pfützen einen in Kinderaugen herrlichen „Nebeneffekt“. Sie sind ein wahrer Spielplatz mit viel Raum für effektvolle Experimente.

Für Kinder kann ein Regenspaziergang herrlich sein, solange die Windstärke sich im erträglichen Rahmen hält.
Fotografische Besonderheiten bei „schlechtem“ Wetter
Bei Regenwetter verändern sich einige Gegebenheiten. Das Licht mag zwar trüb und fahl sein, aber auch das kann ich einfangen und vielleicht im Nachgang noch etwas verstärken durch eine aufs Wetter angepasste Bildbearbeitung (z.B. das Bild absichtlich eine Nuance dunkler halten).
Zudem habe ich zwar eher fahle Reflektionen, da kein gleißendes Licht vorhanden ist, dafür sind viele Flächen nass oder Feucht. Wassertropfen perlen an vielen Oberflächen an (Fenster, Autos, Pflanzen…).
Je nach Wetterlage können Regentropfen sichtbar durchs Bild fliegen und auch die Motive, die ich fotografiere, können davon profitieren, wenn ich Details einfange, wenn ich zeige, wie sich das Wasser auf die einzelnen Oberflächen und die sichtbare Struktur der Oberfläche auswirkt, sei es auf Pflanzen, auf Glas, auf metallisch wirkenden Oberflächen.

Manche Bilder zeigen es so plastisch, dass unser Gehirn uns zuweilen die Empfindung der Feuchtigkeit und des Regens und die damit verbundene Kälte „nachspüren“ lässt.
Augen offenhalten nach passenden Motiven
Ein Klischee mag ein Foto eines Regenschirms sein, aber doch spiegelt es genau unsere Erfahrung mit solchem Wetter wieder.
Es gibt aber weitaus subtilere Motive, die ideal zu widrigen Bedingungen passen, wie schiefe, rutschig wirkende Treppen oder Straßenschilder, mit denen etwas nicht zu stimmen scheint.

Ich kann Gewässer aufnehmen, bei denen der Einschlag von Regentropfen sichtbar wird oder Pflanzen, die sich unter dem Einfluss des Windes beugen oder unter dem Gewicht des Wassers niedergedrückt werden.
Ich kann achtlos auf dem Boden liegen gelassene Getränkedosen prominent bodennah fotografieren. Ich kann die von Menschen weitgehend leergefegte Fußgängerzone zeigen.
Zwar mögen Tiere im Regen rar sein, aber vielleicht lässt sich dennoch das eine oder andere „wasserresistente“ Tier finden, wie ein Regenwurm oder eine Schnecke, die sich an Stellen retten, die ihnen mehr Schutz bieten.

Equipment schützen
Den meisten Anwendern von Fotografie-Ausrüstung ist dadurch geholfen, dass ihr Equipment unversehrt bleibt. Man sollte auch gegenüber Regen, insbesondere starken Regenfällen nicht naiv agieren. Kameras gleiten Menschen aus der Hand, fallen in Gewässer. Es können sich unbeabsichtigt kleine Gewässer in Taschen entwickeln, wenn diese Dauerregen ausgesetzt sind.

Kurzum: Man kann seine Ausrüstung in Umstände bringen, die Defekte zur Folge haben, auch krasse Temperaturwechsel können Probleme in Form von unbeabsichtigter Kondensierung z.B. in einem Objektiv auslösen.

Manchmal ist es besser, erst nach einem heftigen Regen die Kamera zu zücken, wenn es absehbar ist, das sonst Probleme entstehen. Dann sind die Spuren des Unwetters immer noch da, aber die Widrigkeiten sind minimiert. Auch das kann schöne Bilder ergeben.

Ich persönlich tendiere dazu, im Regen ein kompaktes Setup zu nutzen, das sich schnell aus einer Tasche holen lässt und sich schnell wieder verstauen lässt. Für mich heißt das, eine eher kleine Kamera zu nutzen mit einer kleinen Festbrennweite. Idealerweise sollte beides abgedichtet sein gegen Regeneinflüsse. Aber das ist bei meinem Equipment meist nicht gegeben. Lieber riskiere ich dann im Zweifelsfall wenig bis nichts und spare mir das Geld für Reparaturen und Neuanschaffungen.
Den Nerv treffen
Bilder sind am Ende gelungen, wenn sie den Nerv des Betrachters treffen. Natürlich gibt es immer einen subjektiven Anteil, der beeinflusst, welche einzelnen Assoziationen beim Betrachter geweckt werden, der auch beeinflusst, ob die verbundenen Assoziationen negativ behaftet sind. Allgemein kann man aber schon sagen, dass wir Menschen in vieler Hinsicht ähnlich gestrickt sind und bei allen Unterschieden oftmals ähnlich empfinden.

Am Ende empfindet jeder Regen und schlechtes Wetter ein wenig anders. Eine gewisse Melancholie verbunden mit einem solchen Wetter ist aber eine verbreitete Assoziation. Es ist dann eine Kunst, gezielt das Bild so stimmig zu gestalten, durch eine stimmige Motiv-Wahl, durch die passende Bildgestaltung, durch die stimmungsfördernde Nachbearbeitung (sei es nur eine nuancierte Anpassung der Helligkeit und der Farben), derartige Assoziationen auszulösen.

Wenn der Betrachter dann sagen kann: „Ja, das kenne ich, ich kann das nasskalte Wetter fast spüren“, weil ähnliche Bilder und Empfindungen schon im Kopf sind, ist einem jedenfalls ein ansprechendes Bild gelungen.

Als ich meine Fotos auf entsprechende Wetterlagen hin durchgeschaut habe, musste ich feststellen, dass ich ziemlich wenige Bilder bei schlechtem Wetter gemacht habe. Eher entstanden Bilder bei Nebel oder bei Nacht. Man lässt sich eben schnell von den Widrigkeiten abhalten und sieht nicht das Potential für besondere Aufnahmen bei eben solchen Bedingungen.
