Wenn manch einer an die Stadt Ulm denkt, dann denkt er an eine Stadt, die besonders im Herbst und Winter von Nebel heimgesucht wird.
Ulm ist berühmt für sein Ulmer Münster, das wohl bald seinen Status des höchsten Kirchturms der Welt verlieren wird.

Stadt im Wandel
Einige Bewohner von Ulm würden Ulm vermutlich auch die Stadt der 1000 Baustellen nennen. Man muss zugeben, das Stadtbild hat sich zuletzt wirklich verändert und auch modernisiert und ich würde schon sagen zum Guten, aber das hat viele und auch große Zeiträume umfassende Bauarbeiten erfordert.
Die Realität ist, dass es mit den großen Bauarbeiten noch eine ganze Weile lang weiter gehen wird, sehr zum Leidwesen all jener, die gezwungen sind, ihre Wege in oder durch die Stadt zu machen, zumal besonders die Erneuerung von Brücken ein Thema ist.
Warum besuche ich immer wieder Ulm?
Ulm ist eine kleine, überschaubare Stadt und, wenn man jetzt rein aus touristischen Zwecken nach Ulm kommt, hat man das „Wesentliche“ vermutlich schnell gesehen.

Ich, als jemand, der dort geboren wurde und dort groß geworden ist, komme dennoch immer wieder gern her, weil es meiner Meinung nach viele schöne Ecken in Ulm gibt, die man bei einem einmaligen Tagesausflug nicht alle erblicken wird.
Ehrlich gesagt, kenne ich Ulm trotz vieler Jahre, die ich dort verbracht habe, nicht so gut, dass ich nicht immer wieder etwas Neues entdecken würde.
Es gibt einfach so viele Details, so viele kleine und große Bauten, so viele Besonderheiten, dass ich immer wieder zurückkehre und meine Zeit dort wirklich genieße.

Ich kann das ja nicht objektiv bewerten, aber vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es meine Heimat ist und viele Erinnerungen mit Orten in Ulm verknüpft sind und mir viele Orte vertraut sind. Wenn ich an andere Städte denke, gibt es aber bei mir auch Vorlieben. Ich würde München z.B. Stuttgart in vieler Hinsicht vorziehen, obwohl ich sicherlich weit mehr Kindheitserinnerungen mit Stuttgart verbinde.
Womöglich ist Ulm am Ende auch einfach eine schöne und fotogene Stadt.
Fotografie in der Stadt
Was generell für eine Stadt wesentlich ist, sind die Menschen, die darin leben und sich darin bewegen. Sie gehen zu Fuß, sie fahren im Auto, nutzen öffentliche Verkehrsmittel, gehen einkaufen, gehen essen, treiben Sport und tun vieles mehr.
Aufnahmen von Gebäuden profitieren zuweilen davon, wenn man Personen als Maßstab mit ins Bild nimmt. Man bekommt dann, wenn es gut gemacht ist, viel mehr einen Eindruck von der Größe und der Höhe der Gebäude.

Einen ähnlichen, wenn auch etwas abgeschwächten Effekt erzielt man, wenn man Bäume ins Bild einbinden kann. Das gelingt freilich nicht immer, weil oftmals die Bepflanzung an Ort und Stelle nicht gegeben ist.
Ich habe früher tatsächlich angestrebt, keine Menschen auf Bildern von Gebäuden zu zeigen, mich hat es eher gestört, wenn Passanten im Bild waren.
Inzwischen habe ich entdeckt: Wenn man Passanten geschickt ins Bild einbaut, wirkt es einfach viel lebendiger und natürlicher, eben wie aus dem Leben gegriffen und für mich soll Fotografie diese Funktion erfüllen, das Leben und die Welt darzustellen (aus der Perspektive des Fotografen). Im Gegensatz dazu können Bilder ohne Passanten auch steril wirken, besonders, wenn das Licht eher trüb ist.

Orte immer wieder besuchen
Manche fliehenden Momente werden durch die Lichtbedingungen vor Ort ganz besonders. Es spielt eine Rolle, bei welchem Wetter, bei welcher Tageszeit, bei welcher Jahreszeit man vor Ort ist. Allein eine Straße wird kurz vor Weihnachten anders geschmückt sein als im Hochsommer.
Der Zeitpunkt, zu dem eine Aufnahme gemacht wird, hat, so wie es einfach bei Aufnahmen mit natürlichem Licht eben so ist, großen Einfluss, wie das Bild am Ende wirkt.

Es lohnt sich, auch wenn man an einer Stelle schon oft war, dennoch immer wieder vorbei zu kommen, weil an manchen Tagen der Sonnenstand Bilder möglich macht, die an anderen Tagen unmöglich sind.
Auch kommt das Licht morgens – und das gilt überall auf der Nordhalbkugel – von Osten und Abends von Westen. Auch das kann an bestimmten Orten einen Vorteil darstellen, an anderen Orten einen Nachteil.
Wenn man in der Regel immer nur Abends nach Ulm kommt, kann man ganz neue Eindrücke gewinnen, wenn man einmal morgens beim ersten Licht sich auf den Weg gemacht hat.

Mit allen Wassern gewaschen
Ulm liegt in einem Tal und ist von mehreren Bergen umgeben. Wenigstens 3 größere Flüsse kommen in Ulm zusammen.
So fließt die Donau durch Ulm oder besser gesagt zwischen Ulm und Neu-Ulm hindurch. Die Donau stellt hier quasi die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg dar.

Gewässer haben oft etwas anziehendes für Menschen. Wenn man sich einerseits überlegt, welche wunderbaren Reflektionen sich mit Hilfe von Sonne und Wasser oft ergeben, dann kann uns das optisch faszinieren, ebenso wie Reflektionen auf Metall, Glas oder anderen Materialien.
Zusätzlich ist Wasser für uns auch einfach lebenswichtig, weshalb wir Menschen womöglich schon die Veranlagung in uns haben, besonders nach Wasser Ausschau zu halten. Ulm bietet viele tolle Stellen mit Gewässern für seine Bewohner und Besucher.
Auch der zu Beginn des Artikels erwähnte vermehrte Nebel kommt vermutlich von der Tallage mit mehreren Flüssen.

Städte leuchten auch Nachts
Wenn man auf dem Land lebt, dann ist abends oft wenig Beleuchtung sichtbar. Die Straßen sind ein wenig beleuchtet, aber vergleichsweise gering. In Städten sieht das anders aus. Je nachdem wie jemand von seiner Weltanschauung geprägt ist, wird er die Tatsache, dass Städte oftmals nachts gut ausgeleuchtet sind auch als „Lichtverschmutzung“ bezeichnen, weil seinem Verständnis nach der natürliche Zustand der ist, dass man Nachts bei klarem Himmel die Sterne sehen sollte, was in urbaner Umgebung oft nicht möglich ist.

An Orten ohne sogenannte „Lichtverschmutzung“ ist gewissermaßen der Wechsel von Tag und Nacht klarer und natürlicher. Ich mag diesen Begriff „Lichtverschmutzung“ aber nicht so gerne, weil er so eine starke moralische Komponente hat, die ich bei einem Wort wie „Umweltverschmutzung“ teilen würde, hier aber überzogen finde.
Aus fotografischer Sicht finde ich es ehrlich gesagt schön, dass hier mit Einbruch der Dunkelheit eine ganz neue „Welt des künstlichen Lichtes“ aufgeht, das natürlich auch dazu gemacht ist, Menschen zu animieren, wach zu bleiben und noch mehr Zeit und Geld in der Stadt zu lassen.

Für mich verlängert es die Möglichkeit, fotografisch aktiv zu sein. Fotografie bedeutet ja poetisch übersetzt wörtlich „Malen mit Licht“. Und das Aussehen der Stadt verändert sich noch einmal drastisch. Sehr spannend ist besonders die Zeit, in der das natürliche Licht in das künstliche Licht übergeht, die sogenannte „blaue Stunde“. In der Dämmerungszeit (im Sommer ausgedehnt, im Winter gestaucht) gelingen je nach Licht noch einige besondere Aufnahmen.

Tipps für Fliehende Momente in Ulm
Viele verschiedene, oftmals auch nicht statische Motive finden sich in einer Stadt wie Ulm. Menschen, Hunde, Autos, Flaschen, Müll, Demonstrationen, Veranstaltungen, der Wochenmarkt, Street-Food-Festivals, der Ulmer Weihnachtsmarkt…
Letztlich gibt es endlos Motive und das haben insbesondere große Städte (und damit ist nun nicht Ulm gemeint) häufig so an sich, dass es einfach unheimlich viel zu sehen und zu beobachten gibt. Will man gezielt interessante Bilder machen, ist eine Möglichkeit – Variante 1 – eine Aufnahme zu planen, also gezielt einen Ort und ein Motiv aufzusuchen und zu warten, dass etwas Besonderes dort passiert oder eben – Variante 2 – von Ort zu Ort zu gehen und zu schauen, ob einem etwas Sehenswertes über den Weg läuft.
Variante 1: Geplante Aufnahme an einem vorher ausgewählten Bildmotiv: Beispiel Berblinger Turm
Der Berblinger Turm befindet sich oberhalb der Stadtmauer am Donauufer. Und wenn es dämmert, ist es möglich Bilder zu machen, die einer Silhouette vor einem Abendhimmel gleichen. Mit einem Teleobjektiv kann man aus nördlicher Position derartige Aufnahmen machen. Das Besondere am Berblinger Turm ist, dass er eine offene Konstruktion ist. Man sieht auf einen Blick wie viele Personen sich auf dem Turm befinden. Ich habe den Turm eine Weile beobachtet und einige Aufnahmen gemacht. Am besten gefällt mir die Aufnahme wie ein Einzelner einsam auf in der Mitte des Turms steht. Geht er rauf? Geht er runter? Ich weiß es nicht. Es gibt aber sicherlich auch andere Varianten, die interessant aussehen könnten.

Variante 2: Suche nach einem Bildmotiv: Beispiel der versteckte Nordturm des Ulmer Münsters
Als ich eines Abends von einem meiner seltenen Termine in Ulm auf dem Heimweg machte, hatte ich noch etwas Zeit bis mein Zug abfuhr. Ich durchstreifte also die Stadt auf der Suche nach Motiven. Ich hatte zuvor schon ein paar schöne Motive gefunden. Meine Augen blieben am Nordturm des Ulmer Münsters hängen (es gibt einen Hauptturm, einen Südturm und einen Nordturm). Der Turm war komplett in ein Gerüst eingekleidet.
In der Nähe stand ein älterer Mann, der offenbar eine Aufnahme davon machte. Nicht weit entfernt war vermutlich seine Frau, die ihn fragte: „Hast du gerade von dem Gerüst eine Aufnahme gemacht?“.
Das Gerüst versteckt den Nordturm so gut, dass selbst die Google Bildersuche derzeit (Stand 10/2025) im Bild nur die Kathedrale von Notre-Dame in Paris erkennen kann, die nach dem Brand wieder aufgebaut wurde und wurde und ebenfalls in ein umfassendes Gerüst gekleidet war. (Mich bestürzt schon die „Selbstsicherheit“ der Künstlichen Intelligenz und ihre völlig abwegige Analyse, es gibt viele Gerüste auf der Welt und nur wenige gehören nach Paris)

Baustellen gibt es, wie gesagt, viele in Ulm. Auch am Ulmer Münster befindet sich fast immer ein Gerüst.
Fazit
Wie man sehen kann, gibt es viele Möglichkeiten um Bilder in Ulm oder auch in einer ande ren ausgewählten Stadt zu machen. Es gilt dabei immer das Sprichwort: Übung macht den Meister. Die Kamera beherrschen, Aufnahme-Techniken beherrschen, ortskundig sein oder sich viel Zeit zum Entdecken nehmen. Das macht am Ende den Unterschied aus, immer vorausgesetzt, die Lebensumstände lassen es zu. Am Ende ist für mich Fotografie „nur“ ein Hobby, für das ich sehr dankbar bin. Unserer Welt wohnt eine wunderbare Ästhetik inne, die mich auch in Ulm immer wieder staunen lässt.