Reflektionen

Was genau ist eigentlich eine Reflektion? Eine Reflektion ist eine Widerspiegelung. Ein Lichtstrahl wird z.B. von einem Spiegel großteils zurückgeworfen.

Die von der Abendsonne beleuchteten Gebäude werden in der Donau reflektiert. Die Fenster des hohen Donau-Centers reflektieren teils im Detail die Abendsonne.

Man könnte sagen, das Gegenteil einer Reflektion ist eine Absorption. Bei einer Absorption bleiben die Lichtstrahlen im Objekt, das das Licht wird absorbiert und das Objekt wird dabei erhitzt. Wenn Licht vollständig absorbiert wird, dann erscheint uns der Gegenstand schwarz.

Bei einer weißen oder farbigen Hauswand wird das Licht sowohl teil-absorbiert als auch zu unterschiedlichem Grad teil-reflektiert. Meistens sprechen wir explizit von Reflektionen bei Spiegeln, bei Glas, bei Wasser, aber auch Metalle reflektieren teilweise verstärkt das Licht.

Spiegelung im „Wiley See“, Hochschule Neu-Ulm, 2020

Was man sich wirklich auch bewusst machen muss, ist, dass die Umgebung, in der man sich befindet, sichtbar Farben an die umstehenden Objekte abstrahlt. Ein roter Schirm strahlt seine rote Farbe in die Umgebung. Ein Wald mit viel grünem Laub strahlt grün an seine Umgebung ab. Und auch wenn wir das vielleicht nicht so bewusst wahrnehmen, merkt man das auch in Aufnahmen. Nicht nur das Laub ist grün. Auch die Haut und Kleider von Menschen werden grün angestrahlt, was in dem Fall einen „Grünstich“ verursachen kann.

Die eher tief stehende Sonne beleuchtet den Hahnenfuß und schafft gleichzeitig Reflektionen in dem im Hintergrund befindlichen Wasser

Warum sind für uns Reflektionen so reizvoll?

Stärkere Reflektionen setzen sich optisch gesehen ab, sie leuchten, sie glänzen und sie treten vergleichsweise selten in Erscheinung. Deswegen fallen sie besonders ins Auge und wirken interessant.

Wie würde ich Reflektionen in Bildern einsetzen?

Ich persönlich bin kein Freund davon einfach nur einen Effekt darzustellen und zu zeigen: „Hier ist eine Reflektion!“ (es sei denn, meine Priorität ist eine abstrakte, grafische Darstellung). Aber, wenn ich eine Reflektion nutzen kann um ein Motiv hervorzuheben, dann ist es ein gelungener Einsatz. Ich würde eine Reflektion wie alle anderen Bildelemente gezielt einsetzen, entweder als Kontrast zum Motiv oder als „Schmuck“ des Motives. Es gibt viele kreative Möglichkeiten. Und ich hab da ein paar Ideen

Das Motiv selbst reflektiert

Durch die Reflektion stelle ich die Beschaffenheit, also das Material, aus dem das Motiv besteht, dar. Wenn beispielsweise die Fassade hauptsächlich aus Glas besteht, kann das ein faszinierender Effekt sein.

Hier ist die Reflektion doppelt. Die Reflektion der Abend-Sonne in der Glasfassade des Gebäudes und die Reflektion des Gebäudes in der Donau. (Hier das Maritim in Ulm), 2021

Das Motiv vor dem Hintergrund der Reflektion

Ich kann ein Bild so gestalten, dass das Motiv gewissermaßen in der Reflektion „badet“. Den Hintergrund kann ein Gewässer oder eine Fassade bilden. Die Reflektion kann dabei auch subtiler ausfallen, sodass das Motiv sich besser abhebt bzw. nicht von der hintergründigen Reflektion überlagert wird.

Hier die Reflektion der Abend-Sonne im Wasser. Zudem kommt die Reflektion der Ente im Wasser. Die Ente badet wörtlich in der Reflektion. 2025

Die Reflektion als spielerischer Teil einer Komposition

Eine Reflektion kann Teil des Bildes sein, aber sie ist nicht notwendigerweise das Motiv selbst. Die Reflektion kann mit dem Motiv interagieren bzw. kann einen verspielten Effekt auf das Bild als Ganzes haben. Es passiert einfach mehr im Bild mit Reflektionen. Ein Beispiel wäre das obige Hahnenfußbild. Ein weiteres zeige ich hier.

Eigentlich sind es verschiedene Reflektionen im Bild, die miteinander interagieren. Die Reflektionen der Pfütze, in der das Blatt „steht“, die Reflektionen der Tropfen, die an den Grashalmen hängen (unscharf) und das Blatt selbst spiegelt sich symmetrisch in der Pfütze. Ich finde, es ist schon eindeutig, dass Motiv das Blatt ist, aber mit den anderen Elementen zusammen entsteht ein frohes „Glitzerspiel“. 2025

Die Sonne als Quelle der Reflektionen

Die meisten Reflektionen sind Reflektionen des Sonnenlichts. Das Licht der Reflektionen steht symbolisch eben auch für das Licht der Sonne. In bestimmten Kulturen wurde die Sonne verehrt oder eine bestimmte Gottheit wurde mit der Sonne in Verbindung gebracht z.B. als der „Sonnengott“. Selbst der Mond leuchtet nur mit Hilfe des Sonnenlichts und reflektiert einen Teil des Sonnenlichts auf die Erde.

Rechts das Gebäude der Sparkasse in Ulm, gelegen an der Neuen Straße. Faszinierende Reflektionen, 2020

Für mich reflektiert das unsere Abhängigkeit von der Sonne. Wir brauchen die Sonne. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Licht ist lebensnotwendig für uns.

Und wenn wir am Ende eines Jahres sagen konnten: „Wir hatten Sonne, nicht zu wenig und nicht zu viel“. Dann ist das schon mal viel wert und ein großer Segen und wieder ein Grund, dankbar zu sein.

Kontrast zwischen der verschmutzten Hauswand und den leuchtenden Fenstern, 2025
Interessant wie der veränderte Winkel des Fensters unten die Reflektion des Ulmer Münsters verändert. 2025
Ein absolutes Highlight, diese Brücke bei Sonnenuntergang in Ulm, Reflektionen überall, 2025
Rares Licht im Winter. Regenpfütze, 2025
Der feuchte Kiesweg reflektiert das abendliche Licht subtil und  lenkt den Blick zu den vorderen Gebäuden und zum abendlichen Wolkenhimmel, 2021
Reflektionen in einem Schaufenster, nahe Stadthaus Ulm am Münsterplatz, 2021