In der Advents und Weihnachtszeit in der Stadt fotografieren?

Im Winter stößt man beim Fotografieren auf verstärkte Herausforderungen.

Das Wetter kann kalt und nass sein. Die Tage sind kurz. Bei einem Job, der Arbeit von früh am Morgen bis zum späten Nachmittag erfordert, bekommt man wenig Tageslicht zu sehen.

Eine Skulptur im Ulmer Fischerviertel, 2025

Die Gelegenheiten zum Fotografieren können in der Adventszeit rar gesät sein, z.B. wegen erhöhtem Terminaufkommen oder einfach, weil es so früh dunkel wird und man auch wegen den kalten Temperaturen wenig draußen ist und es drinnen meist auch eher dunkel ist.

Der folgende Artikel stellt keine Schritt-für-Schritt-Anleitung dar, sondern stellt nur einige Gedanken und Überlegungen dar, die beim Fotografieren in der dunklen Jahreszeit relevant sein könnten.

Was brauche ich um gut Bilder in der Adventszeit zu machen, wenn das Licht weniger wird?

Man braucht das Know-How, bei wenig Licht zu fotografieren und möglicherweise Ausrüstung, die das Arbeiten bei wenig Licht zulässt. Man braucht sicher nicht das Neueste, teuerste. Es gibt Lösungen für wenig Budget.

Man kann z.B. mit einem Stativ arbeiten, auf dem die Kamera unbeweglich steht und so „Verwacklungen“ ausgeschlossen werden.

Das kann vergleichsweise sperrig und unflexibel sein. Flexibler in Hinsicht Bewegungsfreiheit ist man mit einer Kamera, die eine relativ hoch eingestellte Sensorempfindlichkeit handhaben kann und mit einem Objektiv, das viel von dem wenigen vorhandenen Licht auf den Sensor lässt. Bildstabilisierung hilft bei bestimmten Motiven und Anwendungen (vor allem bei statischen Objekten oder, wenn bewegende Objekte verschwommen dargestellt werden sollen)

Es gibt Kameras, die eine am Sensor verbaute Bild-Stabilisierung haben, die teils zusätzlich mit stabilisierten Objektiven zusammen arbeiten kann – zur weiteren Verbesserung der Bild-Stabilisierung.

Ohne Bild-Stabilisierung ist es oft nötig, die Sensorempfindlichkeit hoch einzustellen (wie hier geschehen). Mit heutiger Software (z.B. DXO Photolab) kann man dabei je nach technischer Voraussetzung ordentliche Ergebnisse erzielen. Ein Stativ ist eine Alternative und bietet andere Möglichkeiten einer sehr langen Belichtung, die auch gezielt eingesetzt werden kann. Ulm von der Brücke (Zug und Fußgänger) über der Donau aus, 2025

Für manche Situationen eignet sich sicherlich auch das Aufhellen durch einen Blitz.

Es gibt also viele Variablen, die man beachten muss. Letztlich hängt es von der Ausrüstung ab, welche Art von Aufnahmen möglich sind. Die heutigen spiegellosen Kameras sind vom Autofokus her schlicht zuverlässiger als die Spiegelreflexkameras, bei denen, wenn durch den Sucher fotografiert wird, der Autofokus fehleranfälliger ist, besonders bei Dunkelheit.

Vorteile der Adventszeit

Besonders in Städten ist die Straßenbleuchtung verstärkt in der Vorweihnachtszeit. Überall leuchten Lichterketten, Weihnachtsbäume und andere dekorative Elemente.

Weihnachtsbaum vor dem Ulmer Münster, 2025

Klar, die Motive können dann dem Betrachter vermehrt „kitschig“ erscheinen und wer damit nichts anfangen kann, wird vermutlich auch keine große Lust aufs Fotografieren derartiger Motive haben. Gleichzeitig gibt es oft genug Gelegenheit, auch andere Motive einzufangen.

Beispiel die belebte Innenstadt von Ulm

Das Münster links, die eigentliche Höhe ist nur zu erahnen

Ich zeige gerne Menschen auf meinen Bildern. Das macht die Bilder lebendig. Auch bei Konzept-Bildern von neuen Architektur-Projekten werden oft Menschen gezeigt, weil uns Menschen vertraut sind und uns helfen, einen besseren Eindruck von dem gezeigten Ort zu bekommen.

Man kann Menschen so zeigen, dass die Gesichter nicht zu sehen sind oder vor einer Veröffentlichung um Erlaubnis fragen, wenn man sie wiedererkennbar zeigen möchte.

Grippe vor dem Ulmer Münster, 2025

Gerade, wenn man Bilder veröffentlicht, auf denen Menschen sichtbar sind, kann es theoretisch juristisch Probleme machen, wenn eine Person wiedererkennbar zu sehen ist (wegen des Rechts am eigenen Bild usw.). Will man dem sicher aus dem Weg gehen, dann kann es sinnvoll sein im besten Fall keine Bilder von Personen zu veröffentlichen, die explizit erkennbar sind; das kann man  besonders bei Aufnahmen bei wenig Licht auch dadurch gewährleisten, dass man die Aufnahme mit einer langen Verschlusszeit gestaltet und so die Menschen leicht verschwommen erscheinen.

Weihnachtsmarkt Ulm, 2025
Turnübungen am Fahrradständer zwischen weihnachtlichem Münsterplatz und Hirschstraße Ulm, 2025

Wie werden Bilder spannend?

Bilder werden oft dann spannend, wenn sie eine Art „Geschichte“ zeigen. Einfach ein Bild von einer Kirche oder sonst einem Gebäude zu machen, kann unter Umständen gewissermaßen interessant sein, aber tatsächlich bringen gerade die Beziehungen, in denen das Motiv steht, die Spannung. Gibt es ein besonderes Licht, eine besondere Wolkenformation oder passiert etwas vor/an/auf oder gar in dem Gebäude? Gibt es irgend eine „Interaktion“, eine Beziehung zwischen dem Gebäude und einem anderen Objekt (vielleicht ein Fahrzeug) oder einer Person? Spannung kommt durch die „Interaktion“ von Bildelementen.

In der Adventszeit und in zunehmenden Dunkelheit im Verlauf des Nachmittags/Abends ist dann immer ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, wie ein Motiv ausgeleuchtet ist, wo die Lichtquellen sind und ob man die Lichtquellen interessant auch ins Bild einbinden kann.

Das Deutschhaus, ein Parkhaus (im Hintergrund) wirkt hier deutlich interessanter durch die beiden Personen, die sich offenbar angeregt unterhalten. Auch die ungleichmäßige Ausleuchtung verschiedener Bildelemente fällt bei längerer Betrachtung ins Auge, Ulm 2025

Vorbereitet für spontane Aufnahmen

Am Ende weiß ich ja nicht, welche Situationen mir unterwegs begegnen. In der Dämmerung wird das Licht zunehmend weniger. Ich muss also meine Einstellungen im Blick behalten und regelmäßig anpassen, damit meine Aufnahmen nicht ungewollt stark verschwommen sind oder sonst technisch etwas schief läuft.

Besonders ohne Bildstabilisator in Kamera oder Objektiv muss ich darauf achten, eine ausreichend schnelle Verschlusszeit zu haben (so lange wird das Bild belichtet). Bei ner Weitwinkligen Aufnahme ist z.B. 1/30 Sekunde ein guter Wert, wenn man seine Kamera ruhig hält. Aber welche Verschlusszeiten bei welchen Objektiven für einen persönlich umsetzbar sind, muss man für sich selber erproben. Wenn es richtig eng ist, kann man eine Serienaufnahme machen und vielleicht ist eines der Bilder dann scharf, während die anderen verwackelt sind.

Ultraweitwinkel-Objektive lassen längere Verschlusszeiten zu, ohne dass die Bilder verwackeln. Die Verzerrung sieht man aber besonders unten links im Bild deutlich, wenn Menschen im Bild sind. Die abgebildeten Menschen wirken „lang gezogen“. Besser ist es, wenn sich an den Bildrändern keine Menschen tummeln. Ulmer Weihnachtsmarkt, 2025

Es gibt immer wieder Situationen, die einem begegnen, in denen man ein Bild machen kann, wenn man gedanklich und technisch darauf vorbereitet ist und sich bewusst ist, wann man seine Kamera wie beschrieben auch wirklich ruhig halten muss um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Dabei kommt es auch bei der Frage der Bildkomposition immer darauf an, welche Kamera und Objektiv-Kombination ich nutze. Eine Festbrennweite im Telebereich und einem engen Bildwinkel dürfte für bestimmte Bilder deutlich zu unflexibel sein, insbesondere bei Aufnahmen in Gebäuden sind einigermaßen weitwinklige Objektive oft nützlicher.

Mit einem lichtstarken „Normal-Objektiv“ aufgenommen. Der Feuerkünstler war zuweilen recht schnell und unvorhersehbar in Bewegung. Eine Telebrennweite ohne vorige Kenntnis seiner Bewegungsabläufe hätte mir die Bilder erschwert, zumal dann vermehrt Zuschauer ins Bild gekommen und den Feuerkünstler verdeckt hätten. (Schließlich hätte ich mich weiter entfernt positionieren müssen), Ulm, Hirschstraße 2025

Ich verwende gern ein Normalobjektiv

Natürlich kommt es darauf an, was man genau macht. Für meine Bilder komme ich in der Stadt oft mit einer „Normalbrennweite“ ziemlich gut zurecht. Damit ist ein Objektiv gemeint, das ungefähr den Bildwinkel des menschlichen Auges wiedergibt.

Für verschiedene Sensor-Formate gibt es unterschiedliche Objektive, die in die Kategorie „Normal-Brennweite“ fallen, die zwischen dem Weitwinkel und einem leichten Tele-Objektiv in der Mitte liegt und ein bisschen beides in sich vereint. Man bekommt noch relativ viel von der Umgebung mit aufs Bild, es ist aber auch möglich, recht ansprechende Portraits zu machen, die nicht zu stark verzerrt wirken.

Detailaufnahme der Weihnachtsbaumkugel mit einem Normalobjektiv, 2025
Hier sind die Mülleimer / Aschenbecher im Detail gezeigt mit einem Normalobjektiv aufgenommen, 2025
Aufnahme eines Standes am Ulmer Weihnachtsmarkt mit einem Normalobjektiv, 2025
Aufnahme der Fußgängerzone in Ulm mit einem Normalobjektiv, 2025
Aufnahme des „Universum-Center‘ in Ulm mit einem Normalobjektiv, 2025

Mit einem Normal-Objektiv bin ich tatsächlich mit ein wenig „Näher-Ran-Gehen“ und mit ein wenig „Zurück-Gehen“, in der Lage, mich auf unterschiedliche Aufnahme-Situationen ganz gut einzustellen. Ich mag die Bildwirkung. Die Bilder sehen für mich aufgeräumt aus – wenn ich es richtig mache – und ich habe nicht so mit Verzerrungen zu kämpfen wie bei einem weitwinkeligeren Objektiv. Es gibt bei vielen Herstellern recht preisgünstige, lichtstarke Normal-Objektive, die optisch gut und gleichzeitig finanziell erschwinglich sind.

Alternativen zum Normalobjektiv

Aber natürlich gibt es Alternativen zu einem Normalobjektiv. Gut und in vieler Hinsicht flexibler nutzbar sind sicherlich lichtstarke Standard-Zooms (vom Weitwinkel bis leichtes Tele) oder lichtstarke Ultra-Weitwinkel-Zooms (vom starken Weitwinkel zum leichten Weitwinkel). Die Zooms bringen wesentlich mehr Flexibilität, sind aber meist größer und schwerer als (m)ein kleines Normal-Objektiv und kosten entsprechend mehr.

Ein Ultra-Weitwinkel-Objektiv lässt zu, dass man möglichst viel aufs Bild bekommt und somit einen guten Eindruck von der Umgebung und in dem Fall von der Höhe des Ulmer Münsters erhält, verzerrt aber auch mehr. Ulm, Münsterplatz 2025

Natürlich gibt es noch ganz viele Abstufungen und Varianten von Objektiven, die sich gut für dieses oder jenes eignen. Aber es muss einem bewusst sein, dass das Objektiv maßgeblich den Eindruck des Bildes beeinflusst.

Wie so oft ist in der Fotografie vieles ein Kompromiss. Viele Vorteile in einer Situation werden in einer anderen Situation zum Nachteil.

Eine Aufnahme mit einem Teleobjektiv. Das erfordert eine kürzere Verschlusszeit als ein Normal-Objektiv, es sei denn, man kann auf einen Bildstabilisator zurückgreifen, was hier aber nicht der Fall war und entsprechend eine hohe Sensorempfindlichkeit von Nöten war (Nachteil). Aber ja, das Ergebnis wäre weder mit einem Weitwinkelobjektiv, noch mit einem Normal-Objektiv möglich gewesen (Vorteil). Ulm, Gaststätte „Zum wilden Mann“, 2025

Letztlich kann man natürlich jedes Objektiv verwenden, das man will, nur verändert sich die Arbeitsweise je nach gewähltem Objektiv (Werkzeug) als logische Folge und auch je nach Arbeitsweise und Aufnahmetechnik werden die Bilder anders.

Es gibt kein Patentrezept

Ich arbeite normalerweise ohne Stativ. Dadurch kann ich viel schneller reagieren und bin bei der Wahl meiner Motive viel flexibler. Langzeitbelichtungen mache ich ungern, weil ich ja die Menschen sichtbar haben will um die „belebte Stadt“ sichtbar zu machen.

Natürlich bringen dunkle Lichtverhältnisse immer ein wenig mehr Stress für den Fotografen. Er muss mehr acht geben, was er tut, es unterlaufen leichter „technische Fehler“, es kann einfach viel mehr schief gehen, weil wenig Licht beim Fotografieren schon eher nachteilig ist, weil man sich weniger auf Automatik-Modi verlassen kann.

Eine kleine Attraktion, die Stelzen-Läuferinnen in den leuchtenden Kleidern, Münsterplatz vor dem Weihnachtsmarkt Ulm, 2025

Man muss sich stärker konzentrieren, dass besonders in einem Automatikmodus die Verschlusszeit nicht zu gering wird. Viele moderne Kameras erlauben aber auch eine Iso-Automatik. Dann kann ich „manuell“ fotografieren, nach meinem Wunsch Blende (so, dass viel Licht auf dem Sensor fällt) und Verschlusszeit (ausreichend kurz) einstellen, aber gleichzeitig die Kamera die Steuerung der Sensorempfindlichkeit (ISO) übernehmen lassen. (Ich würde aber trotzdem ein Auge darauf werfen, wie hoch der ISO-Wert eingestellt wird.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Wenn ich will, kann ich mich auch gezielt über allgemeine „Regeln“ hinwegsetzen und absichtlich lange Verschlusszeiten wählen und gezielt mit der Bewegungsunschärfe spielen, sich z.B. mit der Kamera im Kreis drehen, während man eher lange belichtet und auf diese Weise mit der beleuchteten Umgebung experimentieren.

Hier war die Verschlusszeit tatsächlich gewaltig hoch, nämlich 1/4000, denn für einen kurzen Moment wurde es ziemlich hell. Eingefangen hat die Kamera besonders die Funken, die hell und deutlich hervortreten, daran hat sich in dem Moment der Autofokus festgekrallt und nicht am Feuer-Künstler. Die Aufnahme war spektakulär. Dennoch bin ich etwas traurig, hier nicht mit der Serienbild-Funktion gearbeitet zu haben. Womöglich wäre eine andere Variante des Bildes noch „besser“ gewesen. Ulm, Hirschstraße 2025

Gerade im Experimentieren kann man viel über die Physik hinter der Fotografie lernen, darüber, wie verschiedene Objektive oder Einstellungen sich auswirken. Und man muss hier nicht einfach anderen Menschen glauben. Ich kann es selbst testen und ausprobieren. Es gibt immer wieder „Gebote“, die aufgestellt werden wie „für Straßenfotografie braucht es ein weitwinkliges Objektiv“ oder „für Portraits braucht es ein Tele-Objektiv“. Und während es gute Gründe gibt, auf diese Regeln zu hören, kann man einen erfrischenden Effekt erzielen, wenn man es anders macht und es kreativ gut umsetzt, weil man versteht, mit dem jeweiligen Werkzeug visuell reizvolle Ergebnisse zu schaffen.

Klar, das Ultra-Weitwinkel-Objektiv verzerrt und alles ist nicht so gerade. Es entstehen starke „stürzende Linien“, auch weil ich die Kamera nach oben neige. Das ist hier gewollt und verleiht dem Bild, wie auch die wunderbare Ausleuchtung des nicht mehr belebten Karussels (es war nach 21 Uhr als das Bild entstand) seine eigene Dynamik. Der Tag geht dem Ende zu.