Was taugt Smartphone-Fotografie mit dem Google Pixel 10?

Meine Bedenken

Ich muss zugeben. Ich habe bislang eher ungern mit meinem Smartphone fotografiert. Das liegt unter anderem daran, dass eine Kamera nur einzig dafür konzipiert und gebaut ist, Bilder zu machen, während Smartphones Geräte sind, die universell für alle möglichen Zwecke eingesetzt werden können, auch um Fotos zu machen, aber ihr Design ist durch das große Touch-Display darauf ausgelegt, unterschiedlichste Anwendungen auszuführen.

Fürs Schreiben ist ganz sicher eine physische Tastatur überlegen, für Videospiele ein Gamepad, für musikalische Anwendungen taugt ganz sicher ein echtes Instrument mehr und für Fotos, da ist eine dedizierte Kamera das eigentlich sinnvolle Werkzeug, mit einem gut geformten Griff, einem optischen oder digitalen Sucher, mit vielen Knöpfen und Dreh-Rädern für schnelle Einstellungen.

Google Pixel 10
3 verbaute Kameras. Hier geschütz mit einer Schutzfolie

Kleine Smartphone-Kameras

Das kompakte Design der (heutigen) Smartphones und deren physisch kleinen Kamera-Einheiten stellen fraglos eine physikalische Limitierung der Technik dar, trotz aller durch Künstliche Intelligenz gestützte Funktionen und Möglichkeiten, auch der kleine Bildsensor macht einen Unterschied.

Relativ gesehen ist aber gerade diese Kompaktheit und einfache Verfügbarkeit bei vielen Gelegenheiten gewünscht und ein Kompromiss, den gerne viele eingehen.

Auch ich kenne nicht wenige Situationen, in denen eine „richtige“ Kamera nicht direkt zur Hand ist, ein Smartphone hingegen blitzschnell aus einer Tasche hervorgezogen werden kann.

Tele-Kamera 5x

Es gibt Smartphones, meist die sogenannten „Flagship-Modelle“, die vollgestopft mit Technik sind und extremen Wert auf die Fotografie-Funktionen legen mit entsprechend vergleichsweise starker Hardware und guter Software-Optimierung z.B. für Nachtaufnahmen, die für Technik-Enthusiasten interessant sind.

Die Zielgruppe des Pixel 10

Der Hersteller des Pixel 10, namentlich Google, visiert aus meiner Sicht aber eher nicht Technik-Enthusiasten als seine Zielgruppe an. Dazu hat auch Google andere Modelle, wie die Pro-Versionen der Pixel-Geräte am Markt.

Weitwinkel-Kamera 1x

Aus meiner Sicht kaufen sich Kunden ein Pixel 10, weil sie ein solides Smartphone wollen mit langem Update-Zyklus und weil sie gehört haben, „die Pixel-Smartphones machen ja gute Bilder“.

Pixel 10 in der Silikon-Hülle. Meines Erachtens nutzen relativ viele Nutzer ihre Smartphones in Verbindung mit einer Schutz-Hülle

Diese Zielgruppe möchte bequem und einfach und schnell gute Ergebnisse, ohne sich in komplizierten Menüs zurechtzufinden. Die Philosophie ist sozusagen: Ohne Umwege recht „poppige“ Bilder machen zu können, indoor wie outdoor. Mein Eindruck ist schon, dass viele Käufer sich nur begrenzt mit den ohnehin reduzierten Einstellmöglichkeiten beschäftigen.

Die meisten Menschen sind keine Foto-Enthusiasten.

UWW 0,5x

Diese Vorgehensweise, die an sich stimmig zum „Gesamtkonzept Smartphone“ passt, trifft an sich auch auf mich zu. Das Smartphone hole ich meist aus der Tasche, wenn nichts anderes zur Hand ist und es schnell gehen muss.

Meine Erfahrungen

Das Pixel 10 nutze ich wie eine klassische Point and Shoot-Kamera. Und das funktioniert für mich intuitiv.

Tele 5x

Ich stelle mit der Kamera des Pixel 10 nichts Extremes an. Für echte Actionaufnahmen z.B. gibt es andere Werkzeuge. Aber spontane Fotografien unterwegs sind gut anzufertigen.

Google bietet im Pixel 10 eine dreifache Kamera, bestehend aus Hauptkamera mit 1x Vergrößerung (bester Bildsensor) und einer Ultra-Weitwinkel-Kamera mit 0,5x Vergrößerung und einer Tele-Kamera mit 5x Vergrößerung.

Tele-Kamera 5x
Links die „Normale Weitwinkel-Kamera (1x), mittig die 0,5x Ultra Weitwinkel-Kamera (0,5x), rechts die Perisikop-Tele-Kamera (5x)
Ultra Weitwinkel 0,5x
Weitwinkel 1x
Tele 5x

Digital sind noch weitere Vergrößerungen möglich (z.B. 2fach, 3fach, 10fach…), jedoch vermindert es die Qualität der Aufnahmen (d.h. für maximale Qualität sind 0,5x und 1x und 5x die richtigen Vergrößerungen).

Die Aufnahmen aller 3 Kameras landen in 12MP-Auflösung im Speicher des Smartphone, auch wenn die 5x Tele-Kamera vom Ausgangsmaterial nur gut 10MP liefert (das wird dann entsprechend „hochgerechnet“).

Toll ist sicherlich, dass nun, verglichen mit dem Pixel 9 eben jene eben erwähnte 5x Tele-Kamera mit an Board ist, die es ermöglicht weiter Entferntes nah heran zu holen. In manchen Situationen macht die Tele-Kamera wirklich einen riesigen Unterschied, weil Motive zugänglich sind, die vorher außer Frage standen.

Tele 5x

Bedienung

Die Bedienung ist an sich einfach und die Kamera-Software reagiert recht zügig und löst Bilder insbesondere dann schnell aus, wenn man zum Auslösen des Bildes die Lautstärketasten drücken kann.

Die Lautstärketaste-Wippe lässt sich zum Auslösen der Kamera nutzen

Man kann die Belichtung steuern und sie nach Bedarf heller oder dunkler stellen. Es gibt zwar keinen „Pro-Modus“, der ganz manuelle Einstellungen ermöglichen würde, dafür aber einige wesentliche Szene-Modi wie „Nacht“, „Langzeitbelichtung“ oder „Action-Fotos“. Damit kann schon einiges bewerkstelligt werden.

Aufnahme „Nacht“ Weitwinkel Kamera 1x

Ein wenig aufpassen muss man bei der 5x Periskop-Tele-Kamera. Diese hat glücklicherweise einen integrierten Bildstabilisator. Dieser ermöglicht längere Verschlusszeiten und ein ruhiges Ausrichten der Kamera. Aber das bedeutet, dass das Bild beim Aufnehmen auch ein wenig „Spiel“ hat, während man sein Ziel anvisiert; es gibt also so leichte Kompensations-Bewegungen, hoch, runter, ein wenig seitlich. Das kennt man auch  von bildstabilisierten Tele-Objektiven von System-Kameras. Der Stabilisator hält das Bild ruhig, aber führt auch zu leichten „Verschiebungen“ des Bildausschnitts beim Anvisieren des Motivs. Zweihändig werden die Teleaufnahmen kontrollierter und besser. Hektik bei der Aufnahme mag die Tele-Kamera nicht.

Tele 5x

Die Größe des Pixel 10 finde ich angenehm. Der Trend liegt im Moment bei noch größeren Geräten. Auch Google bietet ein Pixel 10 Pro XL mit deutlich größeren Ausmaßen an.

Ich würde sagen, die Bedienung des Pixel 10 steht dem Bildermachen nicht im Weg.

Die Ergebnisse

Ich vergleiche die Ergebnisse ein wenig mit dem Pixel 7a, das ich zuvor genutzt hatte. Ich schildere aber auch meine Einschätzung als Fotografie-Enthusiast. Es ist meine persönliche Einschätzung und ich bewerte natürlich nach meinen persönlichen Ansprüchen.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich aus technischer Sicht nicht beeindruckt bin. Die Hauptkamera (1x) macht meinem Eindruck etwas bessere Bilder als die Kamera meines Pixel 7a. Bei der Ultra-Weitwinkelkamera (0,5x) sehe ich keine größeren Verbesserungen.

Tele 5x

Ferner ist die Bildqualität der dritten Kamera, der Tele-Kamera (5x) meinem Empfinden nach nicht ganz optimal. Ich hatte einmal das Pixel 8 Pro testen können. Dieses hatte eine 5x-Tele-Kamera mit größerem 50MP-Sensor verbaut, welche definitiv eine bessere Qualität lieferte (nicht nur wegen des höher Auflösenden Sensors)

Das Aussehen der Pixel-Bilder ist als gesamtes Bild meist gefällig. Mich stört aber, dass insbesondere die Wiedergabe der Details zuweilen eher schwach wirkt. Ich denke, Googles Kamera-Hardware ist nicht die Bestmögliche. Andere Hersteller und auch Google selbst haben stärkere Alternativen.

WW 1x

In Durchschnittssituationen werden viele Bilder gut. Es ist sogar eher schwer, etwas falsch zu machen. Die Automatisierung ist sehr nutzerfreundlich, in dem Sinn, dass man sich wenig Gedanken über Belichtung, Fokussierung o.ä. machen braucht. Auch in dunkleren Situationen sehen die Ergebnisse zuweilen ziemlich gut aus bei statischen Motiven.

In sehr komplexen Situationen (speziell Gegenlicht z.B.) nutzt man dennoch lieber eine Systemkamera mit Wechselobjektiv.

WW 1x

Wichtig ist beim Pixel 10 sicherlich, bereits bei der Aufnahme in einigen Situationen auf eine gute Belichtung zu achten und diese gegebenenfalls soweit möglich schon fein zu justieren (z.B. durch den hell-dunkel-Regler der Kamera-App)

Tele 5x

Persönliche Einschätzung – die technische Perspektive

Für wen ist das Pixel 10 als Kamera-Smartphone? Ganz sicher für Menschen, die unkompliziert unter normalen Bedingungen ganz ansehnliche Aufnahmen machen möchten.

Ich würde mir manchmal eine etwas neutralere Bildausgabe wünschen. Die Bilder sind einfach schon ziemlich stark optimiert im Pixel 10 – aus meiner persönlichen Sicht zu stark. Man kann durch ein paar wenige Regler eingreifen, auch z.B. in der Darstellung von Schatten, Belichtung und Weißabgleich – beim Fotografieren in der Kamera-App. Aber man muss es – so wie ich es sehe – dann erneut einstellen, wann immer man nach einer Pause zu neuen Bildern ansetzt.

Die Bilder haben ein knackiges, knalliges, farbintensives Aussehen, zudem sind sie auf einen hohen Dynamikumfang getrimmt und das meines Erachtens ein Stück weit übermäßig stark. Man kann diesen Effekt zwar reduzieren (HDR Einstellung abwählen), dann ist es zwar verringert, aber dennoch vorhanden.

Weitwinkel-Kamera, 2x vergrößert

Im Vergleich zu einer „richtigen‘ Systemkamera z.B. von Canon oder Sony finde ich die Farbdarstellung etwas übersättigt und alles sieht zu „kräftig“ aus und es ist wenig Potential für Nuancen bei der Farbdarstellung.

Mir fehlt zudem immer wieder die tatsächliche „Schärfe“ in den Bildern. Die Darstellung von Details wirkt teils matschig.

Ich persönlich bin aus künstlerischer Sicht grundsätzlich kein Freund davon, zu viel Kontrolle über die Bild-Ergebnisse abzugeben und sich einfach auf die Automatik zu verlassen, nach dem Motto „die Automatik wird es ja schon richten…“

Weitwinkel-Kamera, 1x

Ich habe mir aber die Frage gestellt: Kann ich mit der beschriebenen ausgeprägtem Optimierung leben?

Für mich ist es so, dass ich weiß, dass Google auch die Möglichkeit bietet, die Bilder als „Rohdaten“ aufzuzeichnen mit wesentlich höherer Kontrolle über Farben und andere Aspekte.

Es gibt damit gewissermaßen einen etwas umständlichen „Workaround“ (es empfiehlt sich aber Software wie Adobe Lightroom oder vergleichbares zu verwenden, vorausgesetzt die Software ist kompatibel)

Der andere Aspekte ist, dass Google insgesamt recht zuverlässige Ergebnisse liefert, besonders in Innenräumen bei wenig kontrastreichen Motiven.

Weitwinkel-Kamera 2x Vergrößerung

Mir sind kaum „Probleme“ begegnet, wenn man mit den Ergebnissen leben kann, auch damit, dass manche Bilder nicht gar so scharf sind, wie es manchmal wünschenswert wäre, was an den verbauten Kamera-Modulen liegen dürfte. Die Kamera-Software funktioniert problemlos und manchmal ist es einfach viel Wert, den Kopf frei zu haben für die Bildkomposition und das Licht. Aus meiner Sicht ist Bedienbarkeit in hektischen Situationen viel wichtiger als mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung zu haben. Für ein Smartphone finde ich das Pixel 10 zuverlässig und insgesamt wirklich angenehm im Handling.

Persönliche Einschätzung – die gestalterische Perspektive

Manchmal kann die Argumentation, die Technik tauge nicht um vernünftige Bilder zu machen, auch ein Vorwand sein, um ein Werkzeug nicht zu gebrauchen – beziehungsweise – ich kann einen bestimmten technischen Aspekt, der aus meiner Sicht für mich unstimmig ist, zum Anlass nehmen, gar nicht in Betracht zu ziehen, damit ein vernünftiges Ergebnis zu erhalten.

Für mich ist das Pixel 10 fraglos technisch limitiert durch die kleinen Bildsensoren und die teils zu kräftigen Farben und die vergleichsweise umständliche Bearbeitung von Rohdaten (ich kann leider dafür meine gewohnte Software DXO Photo Lab nicht verwenden, da inkompatibel). Aber bin ich dadurch wirklich limitiert, gute Bilder zu machen?  Wenn ich mich auf die Limitationen fixiere und nicht auf die vielen Möglichkeiten, wie freudlos und arm an Kreativität werden dann meine Ergebnisse sein?

Kreativ sein, bedeutet auch, Umwege zu gehen, wenn die gewohnten Wege nicht mehr funktionieren.

Tele-Kamera 5x

Was die Möglichkeiten des Pixel 10 angeht, sehe ich großes Potential, insbesondere auch in der 5x Tele-Kamera, trotz deren Schwächen. Ich muss das Potential, aber auch die Grenzen der Technik verstehen. Den größten Unterschied macht dann die Art und Weise wie ich die vorhandene Technik nutze.

Es geht für viele Nutzer nicht nur um die Kamera

Dieser Bericht hat sich lediglich um die Kamera des Pixel 10 gedreht und lässt andere Aspekte unberührt.

Bei der Smartphone-Wahl geht es nicht nur um die Kamera, sondern auch um das Benutzeroberfläche und die nutzbare Software, um das Handling, um regelmäßige Softwareupdates, den Speicherplatz, das Display usw.. Das alles spielt auch eine Rolle bei der Entscheidung für ein einzelnes Gerät und dann muss ich – bezogen auf das Gesamtpaket fragen: Passt es für mich oder nicht?

Nachfolgend unten noch ein paar nachbearbeitete Aufnahmen (von den JPG.-Dateien ausgehend. Die Bilder zuvor oben waren Bilder so wie sie das Pixel 10 „ausgespuckt“ hat…)

Wie gesagt, ich würde ein „neutraleres“ Aussehen der JPG.s bevorzugen…

Weitwinkel-Kamera 1x
Weitwinkel-Kamera 1x
Tele-Kamera 5x
Tele-Kamera 5x
Weitwinkel-Kamera 1x
Tele-Kamera 5x
Tele-Kamera 5x
Tele-Kamera 5x
Tele-Kamera 5x