In der Zeit um den Mai, Juni, Juli herum sind die Tage fantastisch lange. Die Sonnenaufgänge sind sehr früh, die Sonnenuntergänge sehr spät.

Jetzt, während ich diesen Artikel schreibe, ist schon Ende September und es ist spürbar und greifbar wie das Tageslicht immer weniger wird.
Der Herbst kommt. Der Winter ist nicht mehr so weit entfernt und die Tage werden dunkler und dunkler.

Auch fotografisch macht die Dunkelheit etwas mit mir. Ich merke, wie ich im Sommer ganz gut mit Objektiven arbeiten kann, die man jetzt eher als „lichtschwach“ bezeichnen könnte. Diese Objektive haben eine kleine Blendenöffnung. Für die dunklen Tage und besonders die dunklen Stunden sind meist meine lichtstarken Festbrennweiten im Einsatz.
Letztes Jahr habe ich mir explizit eine Kamera mit am Bildsensor verbauter Bild-Stabilisierung gekauft und bei diesen dunklen Bedingungen nicht bereut, da mir bei längeren Belichtungszeiten Bilder deutlich besser frei Hand gelingen.

Ich persönlich finde die dunkle Jahreszeit gewissermaßen bedrückend. So sehr wie ich die sonnigen Zeiten und die langen, hellen Abende im Sommer genieße, so sehr setzt mir der Winter dann zu, wenn ich meist in den hellen Zeiten des Tages drinnen arbeite und beim Verlassen der Arbeitsstelle oft schon die Dämmerung oder bereits die Dunkelheit eingesetzt hat.

Für mich war im Dunkeln das Fotografieren früher dann meist schnell vorbei, weil ich da ohne Stativ nicht weit damit kam und mir ein Stativ meist zu sperrig schien. Jetzt übe ich mich darin, auch bei Laternenlicht und künstlicher Beleuchtung gelegentlich weiter Bilder zu machen und zu experimentieren.
Wenn die Dunkelheit hereinbricht, ist nicht notwendigerweise aller Fotografie Abend. Die Bedingungen sind anders, sie sind erschwert. Aber es ist eine Übung für meine Kreativität, auch unter etwas extremeren Bedingungen noch Ergebnisse mit nach Hause zu bringen.
Was ich nicht ändern kann, muss ich gewissermaßen annehmen. Den Lauf der Sonne und die verkürzte Tages-Helligkeit kann ich nicht einfach ändern. Aber ich kann lernen, auch damit umzugehen und meine Fotografie anzupassen.
Genauso wie es unterschiedliche Phasen in Jahr gibt, so gibt es unterschiedliche Phasen im Leben. Als junger Mensch Anfang 20 mit wenig Verantwortung hat man andere Möglichkeiten als ein Mann mit Familie in seinen 40ern. Ein 60-Jähriger führt wieder ein anderes Leben mit bestimmten Möglichkeiten und Grenzen. Immer wieder muss ich mein Handeln an meine veränderte Lebenssituation anpassen. In der (Outdoor-und-Landschafts-) Fotografie ist es nicht anders, wenn ich mein Handeln einfach an der Licht-Situation ausrichte.




