Ich bin in Ulm geboren und aufgewachsen. Ulm ist ganz sicher keine riesige Stadt. Aber ich finde Ulm visuell bis heute reizvoll. Natürlich kommt Ulm nicht an die vielfältigen visuellen Reize einer Großstadt oder Millionenstadt heran, wie London z.B. eine ist.
Meine inneren Widerstände in einer kleinen Stadt
In einer Kleinstadt, wie im nahe bei Ulm gelegenen Illertissen sind die fotografischen Reize weniger und die Stadt ist auch weniger touristisch ausgelegt.
D.h. man überlegt sich ein kleines Stückchen mehr, ob man seine Kamera auspackt oder nicht. In Ulm geh ich schnell als Tourist durch, wenn ich fotografiere. In der Rolle finde ich das Fotografieren unkomplizierter. In einer kleinen Stadt dagegen falle ich wesentlich mehr auf, wenn ich abseits der Sehenswürdigkeiten Fotos mache.

Das muss nicht notwendigerweise schlecht sein. Aber manchmal ist man mit besorgten Reaktionen konfrontiert, weil Leute z.B. denken, man mache irgendetwas Krasses wie fremde Kinder auf dem Spielplatz zu fotografieren. Kürzlich hatte ich auf einem belebten Platz in einer großen Stadt ein kurzes Gespräch mit einer Person, die sich wohl bedroht fühlte und der Überzeugung war, ich hätte Video-Aufnahmen von ihr angefertigt.
Die Person wollte sich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen und wurde noch verbal ein wenig ausfällig, obschon ich mich in keiner Weise respektlos verhalten hatte. Ich denke auch, dass da mit hineinspielt, dass so jemand kein technisches Verständnis für die fotografische Situation hat. Die Person sieht meinem Eindruck nach nur die Kamera und fühlt sich bedroht, weil sie womöglich eigene Schwierigkeiten hat. Ich hatte meine Kamera nicht auf die Person gerichtet und nur mit einem leichten Tele-Objektiv deutlich oberhalb der Person bereits bei Dunkelheit hochkant eine beleuchtete Statue fotografiert. Ich selbst wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, dass eine Videoaufnahme entsteht, wenn jemand seine Kamera so hält wie ich sie gehalten habe, zumal an einem von Touristen überlaufenen Ort.
Solche Begegnungen sind selten, aber kommen vor.
Ich möchte Menschen respektvoll begegnen
Natürlich sind Menschen auch Teil meiner Bilder, aber fremde Menschen will ich immer respektvoll und in Hinblick auf ihre Persönlichkeitsrechte in meine Bilder integrieren. Ich gehe zurückhaltend vor. Meist sind Menschen daher erstens nicht identifizierbar und oft einfach ein kleiner Teil eines größeren Geschehens: Menschen als Teil einer Stadtlandschaft.

Ich habe also beim Fotografieren in einer kleineren Stadt schon zwei kleinere, innere Widerstände – die voraussichtlich weniger „spektakulären“ Bild-Ergebnisse und die so von mir empfundene geringere soziale Akzeptanz.
Manchmal verwende ich einfach mein Smartphone, was schon gelegentlich ein anderes Arbeiten zulässt, weil es weniger auffällt. Manchmal denke ich mir: „Egal. Es ist gerade so ein schönes Licht und ich habe ein wenig Zeit. Ich ignoriere meine Widerstände“.
Die Schönheit des Lichts
Wenn das Licht so fantastisch ist wie an diesem März-Tag (und dem sind Monate von vielen Tagen mit trübem Licht vorausgegangen) hat man so eine Freude am Fotografieren, man sieht die ersten Blüten der Bäume und wie langsam die Natur nach dem Winterschlaf Aufzublühen beginnt.

Der Ort ist für mich alltäglich und gewohnt. Die Architektur ist weitestgehend wenig reizvoll und man begegnet auch keinen auffälligen oder besonders wirkenden Menschen. Die Schönheit, die uns Auge trifft hat wirklich viel mit dem strahlenden, pulsierenden Licht zu tun und den kräftigen, länger werdenden Schatten.
Für mich ist so eine Gelegenheit wirklich wohltuend. Innehalten und seine Augen öffnen für alltägliche, aber sehr schöne Momente. Der Anlass fürs Fotografieren ist nicht ein Event, nicht ein besonderes einzelnes Motiv, sondern eine Umgebung, die einfach in ein in dem Moment fantastisch wirkendes Licht getaucht war.

Was mir dabei viel Freude gemacht hat, war zu schauen wie sich das Licht in unterschiedlichen Zusammenhängen ausgewirkt hat – was es mit den Farben macht, wie Schatten fallen, wie dadurch alles lebendiger wirkt. Am Ende kann man es kaum in Worte fassen und angemessen erklären.
Fotografien, die solche fliehenden Momente einzufangen suchen, werden dem Moment selbst nie ganz gerecht. All unsere Versuche, auszudrücken, was wir sehen, empfinden oder denken, bleiben hinter der Wirklichkeit zurück. Die Bilder geben nur einen unvollständigen, kleinen Eindruck von diesem Abend in einer kleinen Stadt.









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