„Hast du jetzt nicht endlich genug Bilder davon?“ könnte eine Frage lauten, die gestellt wird, wenn man wieder einmal loszieht um einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Die Sonne ist so ein universelles Motiv, das sich in zahllosen unterschiedlichen Kontexten fotografieren lässt.

Ich denke, es gibt noch eine Reihe von anderen Motiven, bei denen es sich lohnt, sie immer wieder zu fotografieren.
Ein Beispiel aus meiner Fotografie: Immer wieder dasselbe Bauwerk fotografieren
Ein solches Motiv ist für mich das herausragende Gebäude meiner Heimatstadt, namentlich das Ulmer Münster. Ich bin mir sicher, dass es sich dabei um das von mir persönlich mit weitem Abstand meist fotografierte Gebäude handelt. Woran liegt das? Es war lange Zeit meines Lebens für mich als Motiv extrem zugänglich wegen der räumlichen Nähe.

Zudem ist die Geographie von Ulm wie gemacht für das Ulmer Münster. Ulm liegt im Tal. Rund herum befinden sich mehrere „Berge“ und das bedeutet konkret, dass es sich das Ulmer Münster aus nahezu jeder erdenklichen Richtung fotografieren lässt mit teils guter Sicht auf die Stadt. Aufgrund der enormen Höhe und dem Mangel an nur annähernd vergleichbar hohen Gebäuden ist in Ulm an vielen Ecken der Innenstadt das Ulmer Münster gut sichtbar. Es ist – übertrieben formuliert – omnipräsent.

Das macht das macht das Ulmer Münster in Ulm selbst für einen ortskundigen zu einem beliebten und extrem dankbaren Motiv und regt an, es aus aus unterschiedlichsten Perspektiven bei wechselnden Bedingungen immer wieder in Fotos zu packen.

Zudem kann man argumentieren, dass es doch ein komplexes Gebäude ist und viele unterschiedliche Details bietet. Man könnte selbst allein die Position der Baugerüste fotografisch aufwändig einfangen, die über die Jahre an immer neuen Stellen aufgestellt und an anderen Stellen nach einiger Zeit wieder abgebaut werden.

Welche Art von Motiven haben einen hohen Reiz sie immer wieder einzufangen?
Es gibt fraglos etliche andere Motive, die man immer wieder fotografieren kann.
Ich würde sagen, vorteilhaft ist dabei sicher eine gewisse Komplexität des Motivs an sich. Zudem sollte das Motiv schon zu einem gewissen Grad mobil oder veränderlich sein, sodass z.B. es gut machbar ist, es in einer veränderten Umgebung oder veränderten Pose/Position zu zeigen. Beim Ulmer Münster – an sich unbeweglich – besteht diese „Mobilität“ darin, dass es enorm hoch ist und aus vielen Perspektiven bei wechselndem Wetter und Licht beobachtbar ist.
Immer ähnliche Bilder von der nahezu gleichen Situation – das wird meines Erachtens schnell öde.
Immer wieder einen bestimmten Menschen fotografieren
Ganz natürlich setzen selbst Menschen ohne Foto-Ambitionen häufig ihre Smartphone-Kameras ein, um wichtige Momente ihrer Kinder in Bildern einzufangen.
Es lohnt sich aber auch darüber nachzudenken, seine alternden Eltern oder Großeltern zu wechselnden Anlässen zu fotografieren. Das kann dann auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit sein.
Immer wieder ein Tier oder eine bestimmte Tierart fotografieren
Vielleicht sind es Katzen oder Hunde, die man gerne fotografiert. Manche Menschen sammeln Bilder von diesen Vierbeinern, denen sie draußen auf der Straße begegnen. Ich selbst habe auch das Leben und Momente der Katzen in unserem Haushalt früher dokumentiert.

Andere fotografieren Wildtiere, spezialisieren sich z.B. auf Eulen, oder Waldtiere. Das kann extrem motivierend sein, weil es einerseits schwer ist, zu guten Aufnahmen zu gelangen, aber auch extrem belohnend, wenn gute Aufnahmen gelingen.
Immer wieder Aufnahmen von Elementen der Natur machen
Es gibt viele Möglichkeiten, Motive aus der Natur in Szene zu setzen. Es gibt Leute, die sammeln Bilder vom Mond, mit extremen Teleobjektiven gemacht, wenn er sich noch in dem Dämmerung dicht über dem Horizont befindet und z.B. in Verbindung mit Bauwerken oder Landschaften zusammen zu sehen ist.

Es bieten sich unzählige Bilder mit der Sonne direkt oder indirekt im Bild zur Fotografie an, auch wenn es schnell kitschig wird, kann man da auch richtig kreativ sein.
Man kann das Meer als Thema wählen und in unzähligen Situationen fotografieren, mit Schiffen, mit Boten, mit Bojen, mit Meerestieren, wilden Wellen und Lichtreflektionen.
Am Ende ist auch die Landschaftsfotografie als solche ein immer wieder neues Fokussieren auf das Thema Landschaften, das für viele spektakuläre Bilder sorgt.

Immer wieder Aufnahmen von Gegenständen machen
Hier sind die Möglichkeiten unbegrenzt. Angefangen bei jemandem, der sich darauf konzentriert immer wieder schnelle Sportwagen fotografisch in Szene zu setzen bis hin zu jemandem, der Bilder von leuchtenden Reklametafeln in der Nacht sammelt. Auch das, was unter „Food-Photography“ fällt, gehört in diese Kategorie.
Warum lohnt es sich, immer und immer wieder dasselbe Motiv fotografisch anzugehen?
Es liegt auf der Hand. Wiederholungen bringen den Erfolg. Das ist ein Prinzip, das sich in Sprichwörtern niederschlägt und jeden Tag nicht nur in der Fotografie erfahren werden kann.
So lernt ein Kind in der Schule schreiben, so lernt der Auszubildende seinen Beruf auszuüben.

Kulturtechniken, wie Schreiben, Lesen, Umgang mit Werkzeug können von mir erlernt, geübt und immer wieder verfeinert werden, so sehr, dass zum Schluss ein Handwerk oder eine Kunst daraus wird. Durch die hohe Automatisierung der Kameras heute braucht man zwar theoretisch gesehen nicht mehr so viel Verständnis für die physikalischen Gegebenheiten um ein „korrekt belichtetes“ Bild aufzunehmen.

Aber allein schon die Wahl einer geeigneten Ausrüstung angesichts einer konkreten Aufgabenstellung stellt eine Herausforderung dar und zu wissen wie die Kamera tickt und wie ich sie am besten dazu bringe, genau das zu tun, was ich will und dabei aber gleichzeitig im Blick zu haben, wie ich mich selbst in Position bringe um aus einer passenden Perspektive ein treffendes Foto zu schießen, kann ich nicht in ein paar wenigen Tagen lernen.

Man überschätzt sich und seine Fähigkeiten – gerade, wenn man das Hobby neu entdeckt – ganz schnell. Ich habe mich schon bereit erklärt, Hochzeiten zu fotografieren, als ich eigentlich keinen Plan hatte, was ich da tue. Man kann sich die nötigen Fähigkeiten nicht einfach anlesen. Eine Hochzeit umfasst so viele unterschiedliche Disziplinen und es braucht Erfahrung um schnell und direkt die auftretenden Probleme zu lösen. Ich brauche dann sowohl technisches Verständnis als auch soziale Fähigkeiten.
Aus heutiger Sicht bin ich damals umhergeirrt ohne ein vernünftiges Beurteilungs-Vermögen. Und ich wünsche, ich hätte damals mit meinen jetzigen Mitteln hantiert, auch wenn glücklicherweise schon nicht alle Ergebnisse schlecht waren.

Methoden zu lernen und zu verinnerlichen braucht Zeit
Es braucht Wiederholungen. Vielleicht braucht es Anleitung und Ideen von erfahrenen Fotografen, es braucht ein Experimentieren, und das Lernen und Erproben von und das Vertraut-Werden mit unterschiedlichen Methoden.
Nur dann weiß ich, welche Handlungsweise ich wann heranziehen kann.
Wenn ich mich dann auf ein bestimmtes Thema, auf eine bestimmte Aufgabenstellung fokussieren kann, dann sehe ich mit der Zeit, wie mein Handeln sich auf meine Ergebnisse auswirkt. Ich werde erfahren und sicher. Durch meine zahlreichen Fehler lerne ich eben diese dann als Lerneffekt zu vermeiden.
Die Misserfolge machen keinen Spaß, ebnen aber den Weg dahin neue, bessere Methoden und Ideen zu finden, wenn man dran bleibt.
Sich eine angemessene Herausforderung für die eigenen Umstände suchen
Für mich ist Fotografie und andere kreative Betätigung ein Ausgleich zu meinen sonstigen Aufgaben und Verpflichtungen. Es macht keinen Sinn, mir da übermäßige oder unerreichbare Ziele zu setzen und mich im Hobby frustrieren zu lassen.

Ein Hobby andererseits planlos zu halten, bringt Frust, wenn man unklare Ansprüche und Vorstellungen hat, was man erreichen möchte und dann das Gefühl hat, es kommt nichts Sinnvolles dabei heraus.
Also setze ich mir kleine Ziele, die realistisch und vielversprechend sind. Das heißt für auch für mich persönlich unrealistische Ziele zu meiden. Ich meide Makrofotografie, Wildtier-Fotografie, Landschaftsfotografie, die mit weiten Reisen und Fußmärschen verbunden ist, ich übe mich nicht in komplexer Lichtsetzung oder in ausufernden Portrait-Aufnahmen.

Meine Motive müssen für mich zugänglich sein und in einem angemessenen Zeitrahmen anzutreffen und zu fotografieren sein. Warum beispielsweise also nicht Motive in Szene setzen, die nicht weglaufen können? So mache ich das mit Straßen, Gebäuden. Die Menschen und Fahrzeuge sind drum herum, dienen als Schmuck und lassen das Bild weniger statisch, sondern lebendig wirken. Zusammen mit wechselndem Wetter und wechselnder Tageszeiten lassen sich immer wieder neue Aspekte an bekannten Motiven herausarbeiten.
Ich habe leichten Zugang zu Bahngleisen und Zügen und Bahnhöfen. Auch das sind für mich wiederkehrende Motive, ebenso wie landwirtschaftliche Flächen, deren heranwachsende und reifende Pflanzen als Fotomotiv herhalten können.

„Nebenwirkungen„
Die „Nebenwirkungen“ davon, sich immer wieder an den Motiven seiner Wahl bei unterschiedlichen Bedingungen zu versuchen, bestehen darin, dass man langsam über die Zeit in seinen Fähigkeiten wächst, unterschiedlichste Situationen zu managen und ihr fotografisches Potential zu erkennen und zu entfalten – man bekommt Routine.

„Routine zu bekommen“ klingt erst mal öde. Wir wollen doch das Besondere, das Spannende, das Aufregende, das Reizende. Routine scheint eher mit Langeweile, mit „Unaufgeregtheit“ verbunden. Das ist wahr.
Aber Routine lässt mich auch dann funktionieren, wenn Aufregung und Spannung da sind. Ich weiß dann intuitiv, was zu tun ist, wenn es wichtig wird (z.B. bei einem ehrenamtlichen Auftrag mit sub-optimalen Bedingungen) oder, wenn ich die idealen Bedingungen vorfinde, von denen ich immer geträumt habe, aber nur wenig Zeit da für eine Aufnahme ist.

Dieses intuitive Handeln kommt daher, dass die Abläufe durch mein „Training“ verinnerlicht sind. Ich muss dann nicht mein Nachdenken bemühen um die Situation zu lösen. Meine Handgriffe sitzen ganz intuitiv – so wie beim Fahrradfahren, das ich früher einmal gelernt habe, mit Wacklern, mit Stürzen, mit Fahrfehlern. Jetzt denke ich nicht mehr darüber nach, was ich mache. Ich weiß jetzt – ohne gezielt nachzudenken – wie es geht und erkenne potentielle Schwierigkeiten im Voraus.
Ich möchte an dieser Stelle nicht das bekannte Sprichwort zitieren. Nur, wenn ich mir immer wieder gezielt die Zeit nehme zu üben, die Situationen immer wieder durchgehe, dann werden die Ergebnisse im Lauf der Zeit mit den zahlreichen Versuchen besser, sodass ich zum Schluss auf den Punkt, wenn es dann darauf ankommt, funktionieren kann.
