Chinesische Smartphones von der Firma Xiaomi werden wenigstens in bestimmten Kreisen inzwischen recht aggressiv beworben und auch von prominenten Smartphonetestern z.B. mit Google Pixel-Geräten mit den Samsung-Topmodellen oder den iPhones in aufwendigen Tests verglichen.

Mein Bericht hier stellt keinen detaillierten Vergleichstest und auch keinen „Test“ des Geräts als solches dar, sondern ich stelle mir aus der Sicht eines Fotografie-Begeisterten die Frage: Wie gut taugt das Xiaomi 15T Pro zum Fotografieren?
Inzwischen sind verfrüht im Juni 2026 bereits das Xiaomi 17T und 17T Pro erschienen, welche, was ihre Fotografiefähigkeiten angeht, durchaus ähnliche Funktionen aufweisen sollten wie das 15T Pro und natürlich bietet Xiaomi noch hochwertigere Modelle an.
Meine Vorgehensweise
Meine Betrachtungen basieren auf einem Gerät, das ich selbst einmal erworben habe oder anderweitig ausführlich testen konnte. Es besteht aber keine Verbindung zu irgendwelchen Herstellern.

Ich möchte das Gerät in der echten Welt gebrauchen in wirklichen, alltäglichen Situationen. Meine Bilder sind zudem nachbearbeitet (mit Googles Snapseed, weil mich das intuitiv und übersichtlich arbeiten lässt und genug Möglichkeiten bietet).
Ich halte wenig von „Testaufnahmen“ in unkontrollierten Bedingungen, zumal ich ja auch nicht weiß, wie die Aufnahme-Bedingungen in Wirklichkeit waren. Interessanter sind für mich echte, fertige, garnierte Beispiel-Ergebnisse.

Ich lasse mir zudem Zeit bis ich mir für mich ausreichend ein Bild machen konnte über die Funktionsweise und Qualität in verschiedenen Aufnahmesituationen.
Xiaomi bietet auch die Möglichkeiten, die Bilder als „Rohdateien“ aufzunehmen. Ich persönlich verzichte darauf, weil der Aufwand kurz gesagt für mich unverhältnismäßig ist.

Videofeatures interessieren mich nicht. Deswegen kann ich nichts dazu sagen. Für gelegentliche Videoaufnahmen ist man fraglos gut gerüstet.
Das Leica-Versprechen
Der Werbeaufhänger für die Topmodelle und auch die T-Modelle von Xiaomis Smartphones ist das Leica-Label des Kamera-Elements. Ich kann das nur begrenzt beurteilen, aber mein Eindruck ist, dass die Hardware der Kamera an und für sich nicht außergewöhnlich ist, auch wenn die rückseitige Dreifach-Kamera als Leica Summilux-Objektiv bezeichnet wird (VARIO-SUMMILUX 1:1,62-3,0/15-115 ASPH.).



Entscheidender ist meines Erachtens, dass die Software in besonderer Kooperation mit Leica entstanden ist.

Natürlich bietet die Kamera-Software auch zur Nachbearbeitung entstandener Bilder unterschiedliche Leica-Filter usw. und auch einen Pro-Modus mit noch mehr Justagemöglichkeiten, was den Bilstil angeht.
Im Kern aber lassen sich bei normalen Foto-Aufnahmen zwei unterschiedliche Aufnahme-Bildstile einstellen: „Leica Authentic“ und „Leica Vibrant“.


Warum das Xiaomi-Smartphone? + Vergleich mit einem „herkömmlichen“ Smartphone
Ich habe zuletzt das Pixel 10 von Google genutzt. Dieses Gerät ist für Fotos gut, wenn man ohne nachzudenken und aus der Hand in nahezu jeder Situation, auch bei eher schwachem Licht in Innenräumen, fertige Bilder will, mit denen man nichts mehr tun muss außer die überschüssigen Bilder auszusortieren.


Das Pixel 10 Pro liefert mit besserer Kamerahardware noch mehr Bildqualität.
Was für mich zum Problem wurde, ist die Fotografie-Philosophie des Google Pixel. Alles soll knackig scharf aussehen, man soll alles im Bild erkennen, helle wie dunkle Bereiche, z.B. wenn man Personen im Schatten vor heller Kulisse aufnimmt, soll dennoch beides gut erkennbar sein, die Farben sollen satt und kräftig sein usw.. Es gibt sicherlich viele, die diese Funktionen genießen, weil alles ohne mein Zutun automatisiert funktioniert. Ich kann quasi nix falsch machen. Ich muss nur den Auslösebutton drücken. Den Rest erledigt das Smartphone – ohne, dass ich dazu denken muss.


Und was soll ich sagen? Die Bilder haben mir nicht gefallen. Ich habe einige Zeit lang versucht, das zu irgendwie zu handhaben – mich irgendwie zu arrangieren, durch ein paar Regler bei der Aufnahme zu bedienen (Schatten, Helligkeit…), durch Nachbearbeitung usw.. Zufrieden war ich persönlich nicht.
Die Bilder sahen für mich übertrieben aus, zu grell, zu intensiv und unruhig. Ich kann nicht steuern, was das Gerät tut, wie die Farben herauskommen, wie es Gegenlicht behandelt, wann es eine Mehrfachbelichtung macht… All das entscheidet das Pixel selbst. Es mag sein, dass der gewöhnliche User über die unkomplizierte Bedienung erfreut ist. Ich persönlich habe den Eindruck zu viel kreative Kontrolle abgeben zu müssen.


Fotografie ist aus meiner Sicht ein Handwerk, bei dem ich als Fotografierender bewusst Entscheidungen technischer und gestalterischer Natur treffe um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Das Pixel hat mich auf technischer und dadurch auch ein Stück weit auf gestalterischer Seite stark eingeschränkt. Es hat für mich Entscheidungen getroffen und sie mir aufgezwungen. Und viele Entscheidungen haben mir nicht gefallen.
Vom Xiaomi 15T Pro habe ich mir erhofft, dass die Bilder mehr an das erinnern, was eine konventionelle Kamera ausgibt und mehr Einstellmöglichkeiten.


Wenn ich keine wesentliche Veränderung sehe, kann ich auch beim Pixel 10 bleiben.
Meine Einschätzung
Ich habe die beiden Geräte dann anekdotisch auch Seite an Seite getestet wie sie Aufnahmen z.B. einen Sonnenuntergang aufnehmen, aber auch andere Motive.
Klar ist zum einen, dass Xiaomi die bessere Kamera Hardware verbaut hat (im Vergleich zum Pixel 10), allein die Detailaufnahmen der 5x Telekamera beim Xiaomi 15T Pro sind im Vergleich superb.

Auch die Hauptkamera sieht z.B. bei 2facher Vergrößerung sichtbar besser als beim Pixel 10. Ich schätze, die Hardware ist beim Pixel 10 Pro vergleichbar mit dem Xiaomi 15T Pro, zusätzlich wird die Hardware der UltraWeitwinkelkamera beim Pixel 10 Pro besser sein.
Der wesentliche Unterschied
Für mich ist tatsächlich die Kamera-Software der wesentliche Unterschied. Das Xiaomi 15T Pro zwingt mich zum einen ein Stück weit dazu, langsamer zu agieren. Ich muss mehr darauf achten, das Xiaomi auf die aktuelle Aufnahmesituation einzustellen, wenn die Bedingungen kniffliger sind. (was sich im Ergebnis positiv auf meine Ergebnisse auswirkt, weil ich sie mehr steuern und beeinflussen kann).

Zum anderen sind die Ergebnisse für mich besonders im „Leica Authentic“-Modus Gold wert.
Ich mag das erklären. Vereinfacht gesagt kann ich mit dem Xiaomi 15T Pro spürbar ein Stück mehr so arbeiten wie mit einer „normalen“ Kamera. D.h. die Bedienung der Kamerasoftware entspricht mehr meiner gewohnten Vorgehensweise. Meine Bilder müssen nicht unbedingt exakt dem entsprechen, was meine Augen sehen und ich drehe auch immer wieder in der Nachbearbeitung von Bildern bewusst an den Farben, an der Sättigung, an den Kontrasten, Schatten usw.. Ich zeige nicht notwendigerweise ein objektiv möglichst genaues Abbild der Wirklichkeit in einem Bild, sondern möchte Stimmungen oder persönliche Eindrücke transportieren.

Es geht mir nicht um ein „objektives“ oder „völlig authentisches“ Abbild der Wirklichkeit in einem Foto, das das Xiaomi-Smartphone liefern würde, sondern darum, dass ich mehr Gestaltungsspielraum habe und mir nicht die übermächtige Automatik eine Steuerung meines Ergebnisses kaum noch zulässt, indem es z.B. die Schatten automatisch und viel zu oft viel zu sehr aufhellt.

In meiner Fotografie-Praxis bin ich meist im „Leica Authentic Modus“ unterwegs und bin damit zufrieden, habe aber besonders im Pro-Modus bei Bedarf noch weit mehr Gestaltungsmöglichkeiten für einen individuell zugeschnittenen Bildstil, sofern ich das will.
Macht das Pixel 10 jetzt schlechte Bilder?
Es macht Bilder, mit denen sicherlich viele Nutzer zufrieden sind und hat den beschriebenen Komfort einer hohen Automatisierung, der es kaum zulässt, falsch fokussierte, unter- oder überbelichtete Bilder oder verwackelte oder verschwommene Aufnahmen zu machen, alles Dinge, mit denen viele Menschen bei konventionellen Kameras wenigstens am Anfang kämpfen.
Ich habe für mich festgestellt, dass ich Kameras anders gebrauche und, dass mir das Xiaomi-Smartphone diese erhöhte Kontrolle ermöglicht. Mir geht es nicht um einzelne Funktionen, sondern um das Mindset, das hinter der Kamera-Software steckt, das mich anspricht.

Was bringt das Leica Label?
Es ist aus meiner Sicht nicht nur ein Werbe-Gag, dass „Leica“ auf den Kamera-Systemen der Xiaomi Smartphones zu lesen ist. Die Smartphones richten sich von ihrem Konzept her an Fotografie-Begeisterte und ermöglichen Ergebnisse, die größere Ähnlichkeiten zu den Bildern konventioneller Kameras aufweisen und den überzogenen, grellen, bunten Bildstil meiden, der z.B. in den Pixel-Smartphones obligatorisch ist.

Automatisierung per se ist nichts Schlechtes. Wir profitieren alle davon in unterschiedlichen Lebensbereichen.
Und doch gehen uns dadurch teils auch handwerkliche und kreative Fähigkeiten verloren. Nicht jeder muss oder kann Elektriker, Schreiner oder Maurer oder Koch sein. Aber ich finde es wertvoll, sich damit auseinanderzusetzen wie die Natur und die Welt funktioniert wie wir sie gestalten können. Nicht jede Tätigkeit und jeden Denkvorgang muss an Maschinen abgegeben werden. Es nimmt uns viel von unserem Menschsein – als im Bild Gottes geschaffene Menschen – wenn wir unsere Kreativität und andere Fähigkeiten verkümmern lassen.

Als Werkzeug genieße ich das Xiaomi 15T Pro sehr. Klar, es gäbe noch besser ausgestatte Geräte wie das Xiaomi 17 Ultra und womöglich auch Modelle anderer Hersteller, die noch mehr Kamerafunktionen bieten. Für mich ist das Xiaomi 15T Pro allemal gut genug.












