Stadtfotografie

Die Stadt

Städte sind Orte, an denen vergleichsweise dicht gedrängt, viele Menschen leben. Städte sind Orte der Architektur, schließlich braucht es Plätze, an denen die Menschen sich aufhalten und wohnen können. Städte sind Orte des Handels. Menschen brauchen Nahrung, Kleidung und interessieren sich für viele weiteren Dinge wie Religion, Bildung und Sport.

München, Altstadtring 2026

In Städten ist viel Bewegung. Menschen, die sich von einem Ort zum anderen bewegen. Fahrzeuge, die sich von einem Ort zum anderen bewegen. Zuweilen findet sich auch ein Stück weit die Pflanzenwelt in der Stadt wieder. Aber zum Wesen einer Stadt gehört meinem Verständnis nach, dass sie stark bebaut ist.

Mich fasziniert, welche unterschiedlichen Ebenen der Geschichte in Städten sichtbar werden. Es gibt moderne, junge Gebäude, es gibt aber auch alte Gebäude, manchmal schon mehr als ein Jahrtausend alt.

Jede Stadt hat ihre eigene Geschichte. Manche Stadt ist recht jung. Andere Städte faszinieren durch ihre lange Geschichte, die bis in die Zeit der Römer zurückreicht.

Was mich reizt in der Stadt zu fotografieren

Mich reizt an der Fotografie in einer Stadt, sowohl die Menschen und das Leben, aber auch die Architektur, die Straßen, alles zusammen zu zeigen.

Manch einer steht früh auf um die menschenleeren Straßen zu fotografieren (und es mag verständlich sein an Orten, die hauptsächlich touristisch besucht sind).

München, Nationaltheater 2026

Für mich sind aber oft die Bilder am Schönsten, die beides zeigen. Die Architektur gemeinsam mit Menschen, für die die Architektur gemacht ist.

Wenn mich am Wald und an der Natur reizen, dass sie das Leben zeigen und viel Raum lassen ins Staunen zu kommen über Pflanzen, Tiere und ihre Spuren, dann ist das beim Fotografieren in der Stadt nicht wesentlich anders. Ich zeichne die Spuren menschlichen Lebens auf und das menschliche Leben selbst.

München, Bürgersaal-Kirche 2026

„Stadt-Fotografie“ = „Straßen-Fotografie“?

Es sei die Frage aufgeworfen, ob meine Vorstellung „Stadt-Fotografie“ unter das Genre der „Straßen-Fotografie“ fällt. Ich sehe es nicht unbedingt notwendig, den Begriff „Straßen-Fotografie“ für meine Bilder zu verwenden. Ich spreche einfach von „Stadt-Fotografie“.

München, Heilig Geist Kirche 2026

Für mich ist Fotografie ein Hobby. Ich betreibe es amateurhaft und verdiene kein Geld damit. Es gibt fraglos Menschen, die hier zu solchen Begriffen und Kategorisierungen einiges sagen können. Ich gehöre nicht dazu.

Ich sehe mich jedenfalls nicht verpflichtet, die Erwartungen an ein Genre zu erfüllen oder meine Fotografie genau abzugrenzen: Handelt es sich um Reisefotografie, Straßenfotografie oder Stadt-Fotografie?

Stadt-Fotografie als Dokumentation von Kultur und Schaffen von Menschen

Anders als bei Bildern, wo die Natur im Vordergrund steht, wie oft auch bei Landschaftsaufnahmen, wo nicht notwendigerweise Spuren menschlichen Lebens zu sehen sind, geht es bei Bildern in der Stadt um Kultur, um menschliche Handlungs- und Lebensweisen. Allein die Beschaffenheit einer Straße, die allgemeine Bebauung am Boden sagt schon viel aus.

München, Aushang an einer Apotheke 2026

Städte sind von Menschen für Menschen geschaffener Lebensraum. Wie Städte gebaut und gestaltet werden (und wurden), sagt viel über die Kultur einer Stadt (in vergangenen Zeiten) aus. Architektur-Stile unterschiedlicher Epochen machen auch zu einem gewissen Grad sichtbar wie Leute gedacht haben und was ihnen wichtig war. Festungsanlagen stammen aus einer Zeit, in der Krieg und Bedrohung durch feindliche Heere bestand. Manche Stadt wartet bis heute mit unfangreichen Überresten einer Stadtmauer oder Festungsanlagen auf. Solche Bauten sind für uns heute gewissermaßen Zeugen ihrer Zeit.

Wie werden Bilder aus dem gegenwärtigen Jahr in 30 Jahren betrachtet werden? Wie werden dann Kleidung, Fortbewegungsmittel, Architektur oder das Einkaufen sein?

München, Marienplatz 2026

Vergänglichkeit der Stadt

Manche Städte sind wirklich sehr alt. Städte wie Rom oder Athen beispielsweise weisen eine umfassende und bewegte Geschichte auf, mit heute immer noch sichtbaren Spuren.

München, Ludwigsvorstadt Nähe St. Paul

Städte verändern sich in der Zeit ihres Bestehens immer wieder. Wenn ich an meine Heimatstadt vor mehr als 30 Jahren denke, als ich ein kleines Kind war, da gab es viele Gebäude noch nicht. Dafür gab es Gebäude, die es längst nicht mehr gibt.

Die Vergänglichkeit und Unbeständigkeit des Lebens wird immer wieder darin sichtbar. Alte Häuser gehen, neue Häuser kommen. Straßen werden neu angelegt. Die Geschichte berichtet von Katastrophen, seien es große Brände oder von Menschen gebrachte Zerstörung durch Krieg und Terror. Symbolträchtig sind heute Aufnahmen des World Trade Centers in New York, das in meiner Jugendzeit vor den Augen der Welt zerstört wurde.

München, Skulptur 2026

Noch vergänglicher und zerbrechlichen als die Bauten einer Stadt sind die Menschen, die in einer Stadt wohnen.

Ein Bibelvers bringt es auf den Punkt:

„Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten“ (Psalm 144, 4)

Kein Mensch weiß, wie lang er lebt und wann sein Leben beendet ist. Manchmal reicht nur ein kleiner Fahrfehler mit dem Fahrrad oder dem Auto und man sitzt im Rollstuhl oder verliert sein Leben.

München, Maximilian-Brücke 2026

Meine Fotografie erinnert mich immer wieder daran: Das, was ich da aufnehme, sind fliehende Momente, die nicht wiederkommen – und – irgendwann werde ich auch meinen letzten fliehenden Moment erleben.

Unterschiedliche Menschen in der Stadt

Die Stadt ist der Ort, wo sich Menschen begegnen. In einer Stadt, besonders in einer großen Stadt begegnen einem alle möglichen Menschen. Es begegnen einem Menschen, die reich sind, es begegnen einem Menschen, die arm sind. Es begegnen einem Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, die unterschiedliche Kulturen haben. Irgendwann als Kind lernt man: Es sind nicht alle Menschen so wie ich selbst oder wie meine Familie.

Ich finde es spannend, andere Menschen zu beobachten oder mit ihnen zu reden, sofern es denn zu einer Konversation kommt.

Für mich ist ein Trip in die Stadt auch eine Möglichkeit für flüchtige Begegnungen mit anderen Menschen. Je größer eine Stadt ist, so anonymer sind sicherlich zuerst einmal die Begegnungen.

Rechtliche Fragen

Die rechtliche Lage in Deutschland ist kompliziert, sobald ein Mensch wiedererkennbar fotografiert und abgebildet wird. Vereinfacht gesagt geht es einerseits um das Recht am eigenen Bild und andererseits um die Kunstfreiheit.

Fotografieren von Menschen kann in Deutschland kritisch sein. Ich versuche ich daher auf meinen Bildern, Menschen meist so zu fotografieren, dass sie nicht wiedererkennbar sind, möchte aber dennoch nicht darauf verzichten, sie als Bildelement auf meinen Bildern zu haben. Ich möchte keine Geisterstädte fotografieren, sondern belebte Städte.

München Treppe Kirche St. Paul

Was ist bei Landschaftsbildern anders?

Landschaften sind meist erst mal menschenleer. Landschaften zu fotografieren ist fraglos schön. Mir persönlich fehlen dabei manchmal die Menschen auf den Bildern. Es gibt einen Maler namens Caspar David Friedrich, der herrliche Landschaftsbilder gemalt hat. Der hat auf vielen seiner Landschaftsbildern einen oder mehrere Menschen meist in den Vordergrund gesetzt, mit dem Rücken zum Betrachter stehend. Ich finde das sehr schön. Nicht nur gibt es dem Betrachter einen Maßstab an die Hand und einen Eindruck der Weite und Größe der Landschaft.

München, nahe Kirche St. Peter

Menschen lösen meiner Auffassung nach bei uns mehr Resonanz aus als z.B. ein Baum oder eine kleine Hütte, die auch als Maßstab dienen können. Das Ziel meiner Bilder ist, Menschen in ihrer Umgebung zu zeigen. Es sind Momentaufnahmen und sie zeigen einen Moment der Menschen, einen Moment der Stadt.

Wir Menschen sind Gemeinschafts-Wesen. Wir brauchen sicherlich immer wieder auch Zeiten des Alleinseins.

Oft fühlen ich mich wohl in der Nähe und Umgebung von anderen Menschen, wenn diese keine Bedrohung darstellen. Mag sein, dass ich auch deswegen gern in der Stadt fotografiere. Ich kann meinem Hobby nachgehen und gleichzeitig in der Nähe anderer Menschen sein.