Ich bin, seit ich zu fotografieren angefangen habe, oft draußen unterwegs gewesen. Ich staune über die Natur, über das unterschiedliche Aussehen des Lichtes bei verschiedenen Wetterlagen und Tageszeiten. Mich interessieren Bauten, Fahrzeuge, Berge, Bäume, Landschaften, Städte, Tiere, Menschen, eben alles, was man so sieht, wenn man die eigenen Bleibe verlässt und sich zu anderen Orten aufmacht.

Ich fotografiere gewissermaßen alles Mögliche – jedoch nur sehr selten fotografiere ich Dinge unter künstlichen Bedingungen, wo ich das Licht, die Umgebung, die Positionierung des Motivs gezielt selbst gestalte. Das hat sich auch nicht verändert. Ich mag es, das in Bildern einzufangen, „was ist“ und „so wie es ist“.
Meine frühere Vorgehensweise
Was sich im Lauf der Jahre verändert hat, ist meine Vorgehensweise dabei. Früher habe ich oft isoliert einzelne Motive fotografiert – wie eine Landschaft oder die Architektur eines Gebäudes – aber ohne aus meiner Sicht „ablenkende“ Menschen oder Fahrzeuge im Bild.
Wenn ich andererseits Menschen oder Tiere fotografiert habe, dann habe ich dabei versucht so gut wie möglich die Umgebung aus dem Bild heraus zu lassen. Die Umgebung sollte vielleicht verschwommen angedeutet sein, aber das eigentliche Motiv, das Fahrzeug, der Mensch hatte nicht so sehr den Bezug zu seiner Umgebung auf diesen Bildern.

Motive nicht isoliert zeigen
Die größte und mir selbst zunehmend bewusster werdende Veränderung – aus meiner Sicht – ist, dass ich gezielt angefangen habe, Motive mit ihrer Umgebung zusammen zu fotografieren. Eine Brücke zeige ich gerne mit den Menschen, die über sie gehen. Eine markante Straße zeige ich mit den Fahrzeugen, die darauf fahren, aber so, dass beides harmonisch miteinander interagiert und beides einen angemessenen Platz im Bild einnimmt. Ein Tier zeige ich gern in seiner Umgebung, in der es lebt. Wenn es eingezäunt ist, dann zeige ich auch gern auch das.
Früher hätte ich versucht, die Touristen in einer Kirche bestmöglich aus dem Bild heraus zu lassen. Das mache ich zuweilen je nach Situation und Erfordernis auch weiterhin, wenn das Bildergebnis gestört wird, wenn z.B. der Mensch sich an einer irritierenden Stelle befindet usw.. Aber ich habe immer die Frage im Kopf: Wie kann vielleicht alles so arrangiert werden, dass ein stimmiges Bild aus Kirchen-Architektur und Kirchenbesucher wird?

Mein Lernfeld: Das Anordnen der Bildelemente ohne deren Lage steuern zu können
Das Arrangieren der Bildelemente geschieht dabei hauptsächlich durch die Veränderung meiner persönlichen Perspektive. Die entstehenden Bilder sind dann natürlich keine Portraits, sondern sie zeigen die Kirche mit den Menschen, für die sie gebaut wurde.
Die Kunst besteht für mich dann darin, durch eine entsprechende Bildkomposition alles so anzuordnen, dass jedes Bildelement angemessen ästhetisch vertreten ist und z.B. eine Beziehung zwischen Straße und Auto und dem Abendhimmel entsteht – quasi symbolisch dafür, was dort jeden Tag vielleicht tausende Male passiert – aber dennoch gleichzeitig diesen individuellen fliehenden Moment zeigend, der nie wiederkehrt.

Es geht um Beziehungen
Man kann zusammenfassend sagen, dass es um Beziehungen geht. Wie stehen die einzelnen Bildelemente in Bezug zueinander? Einen Eindruck der Größe einer Brücke oder der Höhe und Erhabenheit eines Gebäudes bekomme ich in Beziehung zu den Menschen, für die dieses Gebäude gebaut wurde.
Genauso kann ich eine Einkaufsstraße voller Menschen einfangen. Wir alle kennen das Gefühl auf so einer trotz ihrer Breite dann doch „engen“ Straße unterwegs zu sein bei all dem Gedränge. Ich muss nur einen Weg finden, wie ich dieses „Treiben“ am besten einfange.
Ich will nicht einfach die Ente Format-füllend fotografieren, sondern auch den Teich, auf dem sie schwimmt, prominent mit ins Bild hineinnehmen.

Dieses Zeigen von Beziehungen zwischen den einzelnen Bild-Elementen macht die Fotos interessant. Dadurch können im Kopf des Betrachters „Geschichten“ entstehen und man bekommt einen besseren Eindruck der fliehenden Momente, die manchmal nur für wenige Sekunden wahrnehmbar sind.
Das macht aus meiner Sicht die Bilder „lebendig“ und hilft dem Betrachter, sich in die Szenerie hineinzuversetzen. Ich mag diese lebendigen Bilder, bei denen man sich fragt, wie es nach der Aufnahme weiter gegangen ist.
Welche Methoden gibt es?
Es gibt kein einzelnes Rezept, wie dieser Ansatz funktioniert. Kreativität ist gefordert. Es erfordert ,immer wieder neue Positionen einzunehmen und die Augen offen zu halten nach Situationen und Gelegenheiten, die solche Bilder möglich machen.
Das, was erfahrungsgemäß planbar relativ gut funktioniert, ist einen Ort aufzusuchen, der sich gut für derartige Bilder eignet und dann manchmal einfach darauf zu warten, was dort passiert.
Für manche Umgebungen kann es sehr hilfreich sein, eben nicht das riesige Teleobjektiv auszupacken, sondern eine nach außen hin unauffällige Ausrüstung einzusetzen. Da kann auch ein Smartphone zum Einsatz kommen, wenn es der Unauffälligkeit dient.
In jedem Fall muss ich selbst aufmerksam sein und meine Umgebung im Blick haben. Was passiert, habe ich bei meiner Methodik nicht im Griff. Ich habe aber Macht über das, was ich ins Bild nehme und wann genau ich das Bild mache. So gesehen ist immer ein Überraschungseffekt dabei und ich muss bereit sein, in einem passenden Moment zur Stelle zu sein…













