Was sich im Lauf der Zeit bei meinem Fotografieren verändert hat

Ich bin, seit ich zu fotografieren angefangen habe, oft draußen unterwegs gewesen. Ich staune über die Natur, über das unterschiedliche Aussehen des Lichtes bei verschiedenen Wetterlagen und Tageszeiten. Mich interessieren Bauten, Fahrzeuge, Berge, Bäume, Landschaften, Städte, Tiere, Menschen, eben alles, was man so sieht, wenn man die eigenen Bleibe verlässt und sich zu anderen Orten aufmacht.

Ulmer Münster von dem Gebäude der Stadtwerke aus (rechts im Bild), 2026

Ich fotografiere gewissermaßen alles Mögliche – jedoch nur sehr selten fotografiere ich Dinge unter künstlichen Bedingungen, wo ich das Licht, die Umgebung, die Positionierung des Motivs gezielt selbst gestalte. Das hat sich auch nicht verändert. Ich mag es, das in Bildern einzufangen, „was ist“ und „so wie es ist“.

Meine frühere Vorgehensweise

Was sich im Lauf der Jahre verändert hat, ist meine Vorgehensweise dabei. Früher habe ich oft isoliert einzelne Motive fotografiert – wie eine Landschaft oder die Architektur eines Gebäudes – aber ohne aus meiner Sicht „ablenkende“ Menschen oder Fahrzeuge im Bild.

Wenn ich andererseits Menschen oder Tiere fotografiert habe, dann habe ich dabei versucht so gut wie möglich die Umgebung aus dem Bild heraus zu lassen. Die Umgebung sollte vielleicht verschwommen angedeutet sein, aber das eigentliche Motiv, das Fahrzeug, der Mensch hatte nicht so sehr den Bezug zu seiner Umgebung auf diesen Bildern.

Autos auf Schienen unterwegs. Ulm 2026

Motive nicht isoliert zeigen

Die größte und mir selbst zunehmend bewusster werdende Veränderung – aus meiner Sicht – ist, dass ich gezielt angefangen habe, Motive mit ihrer Umgebung zusammen zu fotografieren. Eine Brücke zeige ich gerne mit den Menschen, die über sie gehen. Eine markante Straße zeige ich mit den Fahrzeugen, die darauf fahren, aber so, dass beides harmonisch miteinander interagiert und beides einen angemessenen Platz im Bild einnimmt. Ein Tier zeige ich gern in seiner Umgebung, in der es lebt. Wenn es eingezäunt ist, dann zeige ich auch gern auch das.

Früher hätte ich versucht, die Touristen in einer Kirche bestmöglich aus dem Bild heraus zu lassen. Das mache ich zuweilen je nach Situation und Erfordernis auch weiterhin, wenn das Bildergebnis gestört wird, wenn z.B. der Mensch sich an einer irritierenden Stelle befindet usw.. Aber ich habe immer die Frage im Kopf: Wie kann vielleicht alles so arrangiert werden, dass ein stimmiges Bild aus Kirchen-Architektur und Kirchenbesucher wird?

Die Brücke mit Sitzgelegenheit um die Aussicht zu genießen. Die exponierte Lage wird durch die tiefer liegenden Gebäude durchaus angedeutet.

Mein Lernfeld: Das Anordnen der Bildelemente ohne deren Lage steuern zu können

Das Arrangieren der Bildelemente geschieht dabei hauptsächlich durch die Veränderung meiner persönlichen Perspektive. Die entstehenden Bilder sind dann natürlich keine Portraits, sondern sie zeigen die Kirche mit den Menschen, für die sie gebaut wurde.

Die Kunst besteht für mich dann darin, durch eine entsprechende Bildkomposition alles so anzuordnen, dass jedes Bildelement angemessen ästhetisch vertreten ist und z.B. eine Beziehung zwischen Straße und Auto und dem Abendhimmel entsteht – quasi symbolisch dafür, was dort jeden Tag vielleicht tausende Male passiert – aber dennoch gleichzeitig diesen individuellen fliehenden Moment zeigend, der nie wiederkehrt.

Es ist eine banale, alltägliche Situation des Wartens an der Haltestelle. Dabei kommen charakteristische Verhaltensweisen von Menschen der Gegenwart zum Vorschein, Haltestelle Justizgebäude Ulm 2026

Es geht um Beziehungen

Man kann zusammenfassend sagen, dass es um Beziehungen geht. Wie stehen die einzelnen Bildelemente in Bezug zueinander? Einen Eindruck der Größe einer Brücke oder der Höhe und Erhabenheit eines Gebäudes bekomme ich in Beziehung zu den Menschen, für die dieses Gebäude gebaut wurde.

Genauso kann ich eine Einkaufsstraße voller Menschen einfangen. Wir alle kennen das Gefühl auf so einer trotz ihrer Breite dann doch „engen“ Straße unterwegs zu sein bei all dem Gedränge. Ich muss nur einen Weg finden, wie ich dieses „Treiben“ am besten einfange.

Ich will nicht einfach die Ente Format-füllend fotografieren, sondern auch den Teich, auf dem sie schwimmt, prominent mit ins Bild hineinnehmen.

Enten am „berüchtigten“ Karlsplatz in Ulm, 2026

Dieses Zeigen von Beziehungen zwischen den einzelnen Bild-Elementen macht die Fotos interessant. Dadurch können im Kopf des Betrachters „Geschichten“ entstehen und man bekommt einen besseren Eindruck der fliehenden Momente, die manchmal nur für wenige Sekunden wahrnehmbar sind.

Das macht aus meiner Sicht die Bilder „lebendig“ und hilft dem Betrachter, sich in die Szenerie hineinzuversetzen. Ich mag diese lebendigen Bilder, bei denen man sich fragt, wie es nach der Aufnahme weiter gegangen ist.

Welche Methoden gibt es?

Es gibt kein einzelnes Rezept, wie dieser Ansatz funktioniert. Kreativität ist gefordert. Es erfordert ,immer wieder neue Positionen einzunehmen und die Augen offen zu halten nach Situationen und Gelegenheiten, die solche Bilder möglich machen.

Das, was erfahrungsgemäß planbar relativ gut funktioniert, ist einen Ort aufzusuchen, der sich gut für derartige Bilder eignet und dann manchmal einfach darauf zu warten, was dort passiert.

Für manche Umgebungen kann es sehr hilfreich sein, eben nicht das riesige Teleobjektiv auszupacken, sondern eine nach außen hin unauffällige Ausrüstung einzusetzen. Da kann auch ein Smartphone zum Einsatz kommen, wenn es der Unauffälligkeit dient.

In jedem Fall muss ich selbst aufmerksam sein und meine Umgebung im Blick haben. Was passiert, habe ich bei meiner Methodik nicht im Griff. Ich habe aber Macht über das, was ich ins Bild nehme und wann genau ich das Bild mache. So gesehen ist immer ein Überraschungseffekt dabei und ich muss bereit sein, in einem passenden Moment zur Stelle zu sein…

Vom Bahnhofs-Steg hinunter zu den Zügen, rechts sieht man den bereits wartenden Zug. Die Linien der beiden Handläufe führen die Augen zum einzigen Menschen im Bild.
Die untergehende Sonne spiegelt sich in der großen Glasfront wieder. Das schwarze Auto dient als Maßstab und verdeutlicht die Steigung. 2026
Ludwig-Erhardt-Brücke (momentan nur einseitig begehbar). Der Passant gibt einen besseren Eindruck der Höhe der Konstruktion. 2026
Hier mag ich die unterschiedlichen Ebenen von unten (nah) nach oben (fern) Ulm, 2026
Dieses Bild bekommt mehr Tiefe durch die umfassende Einbeziehung der Umgebung. Ulm, 2026
Hier gefällt das Spiel der Farben. Ein Zoom-Objektiv kann hilfreich sein um einen geeigneten Bildausschnitt zu wählen. Ulm, 2026
Das Bild würde ohne den einfahrenden Zug wesentlich langweiliger wirken. Ulm, 2026
Brunnen am Münsterplatz, Ulm 2026
Bergsee nahe Bad Säckingen. Es sieht vielleicht aus als hätte ich lange darauf gewartet, dass jemand an dieser Stelle vorbei geht. Tatsächlich ist es gar nicht so selten, dass wie hier innerhalb von Sekunden „zufällig“ solch eine Aufnahme möglich ist.  Ich muss nur gedanklich bereit sein, wenn dies überraschend geschieht und mich darauf einstellen zu reagieren. 2026
Straße in der Dämmerung. Dass irgendwann Fahrzeuge entlang kommen ist absehbar. Ich muss eine geeignete Position finden und der Einsatz eines Teleobjektivs ist für diese Art von Aufnahme einer längeren Straße geboten. Rickenbach 2026
Die Kühe und der Baum beleben das Bild. Bei Rickenbach, 2026
Die prominent platzierte Statue wirkt wie ein Wächter des Hauses. Natürlich wäre ein Portrait in Form einer Großaufnahme des Löwen – hätte aber auch eine ganz andere Bildwirkung. Rickenbach 2026
Das Bild einer Abfahrt lässt Fragen offen, wo genau es hingeht, bei Rickenbach 2026
Hier sind es „nur“ ein paar Vögel, die das Bild ganz anders lebendig wirken lassen, die plötzlich zum Flug vor der untergegangen Sonne anhoben. 2026