Was ist ein Fisheye-Objektiv?
„Fisheye“-Objektive (zu deutsch: „Fischaugen“-Objektive) sind Objektive, die einen großen Bildwinkel abdecken. Es kommt also sehr, sehr viel aufs Bild, deutlich mehr als das menschliche Auge wahrnehmen kann.

Fisheye-Objektive verzerren dabei das Bild sehr stark. Man kann den Fisheye-Effekt stark vereinfacht so beschreiben: Gerade Linien werden zunehmend gebogen dargestellt je mehr sie sich in Richtung der Bild-Ecken befinden. Das stört bei Landschaftsaufnahmen mit organischen Formen nicht so sehr, wenn man es geschickt anstellt, bei Architekturbildern mit vielen vertikalen und horizontalen Linien hingegen womöglich schon.


Es gibt „zirkulare Fisheye-Objektive“, die gleichsam einen 180 Grad Bildwinkel abdecken und auf den Bildsensor lediglich einen runden belichteten Kreis bringen. Drum herum bleibt alles schwarz, weil dort kein Licht hinfällt.
Es ist ein interessanter, aber auch ein sehr starker Effekt. Meine persönliche Vorliebe ist eher die Variante des Fisheye, die den ganzen Sensor ausleuchtet.

Es gibt auch Fisheye-Zoom-Objektive, die beide Varianten in einem Objektiv vereinen.
Je nach Sensorgröße und genauer Brennweite des Objektivs ergeben sich unterschiedliche weite oder auch vergleichsweise engere Bildwinkel; also wie viel im Endeffekt aufs Bild kommt, ist sowohl von der Bild-Sensor-Größe als auch von der Konstruktion des Objektivs abhängig.

Genauere technisch/mathematisch ausgerichtete Beschreibungen zu Fisheye-Objektiven findet man z.B. auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Fischaugenobjektiv
Für wen ist ein Fisheye-Objektiv?
So ein Objektiv ist ganz sicher nicht Jedermanns Sache. Für viele Situationen eignen sich „normale“ Ultra-Weitwinkel-Objektive besser, wenn man einfach nur viel aufs Bild bekommen will.

Ein Fisheye-Objektiv kann aber Sinn machen, wenn man es gezielt und zu gesonderten Anlässen einsetzt, weil der Bildwinkel und die Bildwirkung so extrem ist und man die große „Schwäche“ des Objektivs, nämlich die starke Verzerrung nutzt um ungewöhnliche, nicht unseren Sehgewohnheiten entsprechende Bilder zu erzeugen.

Mein persönlicher Eindruck ist dabei, dass die größere Verzerrung eine besondere Dynamik im Bildgeschehen mitbringen kann.
Ein Fisheye-Objektiv ist ein Spezialobjektiv, aber auch teils „preisgünstig“ zu bekommen
Fisheye-Objektive gibt es von einigen Herstellern. Es gibt sie teilweise von den Kamera-Herstellern direkt, es gibt sie aber auch von Fremdherstellern, oftmals mit manuellem Fokus, aber gleichzeitig auch sehr preisgünstig. Für viele typische Motive, die mit einem Fisheye aufgenommen werden, braucht es keinen schnellen Autofokus, weil man mit Hilfe einer kleinen Blendeneinstellung und ein wenig Sorgfalt beim Fokussieren leicht eine Einstellung finden kann, die fast jedes Motiv in einem Bereich zwischen einem halben Meter und einem Kilometer scharf bekommt.

Innenarchitektur
Besonders, wenn man sich klug positioniert, z.B. darauf achtet wirklich zentral in der Mitte des Hauptgangs einer Kirche zu stehen und die Kamera genau ausrichtet, lässt sich auch mit einem Fisheye-Objektiv eine symmetrische Aufnahme machen, was die Verzerrungen, obwohl sichtbar, weniger schlimm erscheinen lässt.
Die dennoch sichtbaren Verzerrungen können im positiven Sinn manchmal dramatischer wirken als bei einem Weitwinkelobjektiv, das weitgehend gerade Linien zeigt.

Events, auch indoor
Events können nocheinmal in einer besonderen Sicht dargestellt werden. Die Verzerrungen können, als Stilmittel eingesetzt, den Bildern einen besonderen Look verpassen, wenn man auf eine gute Bildkomposition achtet und sich an den Rändern keine wichtigen Bilddetails befinden. Man hat bei manchen Bildern den Eindruck, man wird ins Bild „hineingezogen“. Der ungewohnte Fisheye-Effekt kann sich jedoch schnell abnutzen, wenn man ihn übermäßig einsetzt, daher macht es für mich Sinn, bei einer Bilderserie nur einzelne Bilder dergestalt zu fotografieren.

Ein Fisheye bei Outdoor-Architektur
Wenn es gewollt ist, können mit einem Fisheye spektakulär verzerrte Bilder entstehen, z.B. in einem Fußballstadion oder von Wolkenkratzern. Die Verzerrung mit den gebogenen Linien ist dabei ein wesentlicher Teil des Bildlooks. Genau wie im Innenbereich ist die Position des Fotografierenden wesentlich. Es ist wichtig, sich so positionieren, dass die einzelnen Bildelemente im fertigen Bild miteinander gut zusammen interagieren.

Ein Fisheye für Portraits
Sei es für Ganzkörperaufnahmen von Sportlern (klassischerweise z.B. bei Skateboard-Fahrern) oder auch, wenn der fotografierte Mensch sich in der Bildmitte befindet, kann man ernsthafte, wie auch spaßige Aufnahmen machen. Es erfordert nur fraglos – noch mehr als gewöhnliche Weitwinkelobjektive – eine gute Bildgestaltung, was nicht unbedingt einfach von der Hand geht. Schon ein leichtes Neigen oder Drehen des Objektivs hat einen starken Effekt.
Wenn man bei einem Portrait beispielsweise den Kopf in die Mitte des Bildes anordnet (auf Augenhöhe fotografiert) kann es so wirken, als stehe der Abgebildete im „Mittelpunkt“ des Fotos / der gesamten Umgebung
Man kann aber fraglos eine Person so darstellen, dass sie krass verzerrt oder verdreht aussieht, wenn man diesen Effekt denn erzielen möchte. Ich denke da an Aufnahmen von Sportlern, wo z.B. Arme oder Beine betont werden sollen.
Den eigenen Körper mit ins Bild bringen
Versehentlich landet ab einer gewissen Weite des Bildwinkels gern auch auch mal ein eigenes Körperteil (Finger, Hand, Arm, Bein, Fuß…) mit im Bild. Natürlich kann ich das auch gezielt als Effekt einsetzen und eine Art „Selfie“ fotografieren, nur eben nicht mein Gesicht zeigend, sondern bestimmte Teile meines Körpers (z.B. zeige ich, wie ich auf meine Armbanduhr sehe…)
Nutzt sich der Fisheye-Effekt schnell ab?
Über lange Phasen habe ich kein Fisheye-Objektiv besessen. Bilder, die einen weiten Bildwinkel abdecken sollen, erschaffe ich häufig mit einem anderen Objektiv.
Woran liegt das? Es gibt für starke Weitwinkelaufnahmen unterschiedliche Anforderungen. Sollen die Bilder seriös und geordnet wirken, ist ein „normales“ Weitwinkelobjektiv sicherlich zuerst einmal die logische Wahl. Fisheye-Aufnahmen wirken wie beschrieben gewissermaßen oft überzogen oder überdreht und eben außergewöhnlich.
Ganz realistisch betrachtet „brauche“ ich kein Fisheye-Objektiv. Es hat aber dennoch bei besonderen Anlässen auf mich durchaus seinen Reiz.
Für mich ist es ein „Kann-Ich-Haben-Objektiv“, aber kein „Muss-Ich-Haben-Objektiv“ – wenn ich meine eigene Herangehensweise betrachte.
Ich denke nicht, dass sich der Fisheye-Effekt notwendigerweise schnell abnutzt, wenn man weiß, wo, wann und wie es einzusetzen ist. Wie beschrieben ist es ein Spezial-Objektiv und deshalb kann ich damit vieles nicht bewerkstelligen, was mir andere Objektive ermöglichen. Aber anders herum kann ein Fisheye-Objektiv durch seine Andersartigkeit einen einzigartigen Bild-Eindruck vermitteln.
Die Frage ist nur, welche persönlichen Vorlieben und Prioritäten man selbst hat.





